LICHTENSTEIG/OBERHELFENSCHWIL: Förster tritt in Ruhestand

Urs Kern, Förster im Forstrevier Lichtensteig, geht nach 35 Jahren Treue zu seinem Arbeitsort in Pension. Am Freitag ist er von seinen Kollegen verabschiedet worden.

Olivia Hug
Drucken
Urs Kern stösst an seinem letzten Arbeitstag mit seinen Kollegen und Partnern an. (Bild: Olivia Hug)

Urs Kern stösst an seinem letzten Arbeitstag mit seinen Kollegen und Partnern an. (Bild: Olivia Hug)

LICHTENSTEIG/OBERHELFENSCHWIL. Einen besonderen Ort hatte man sich ausgesucht, um die langjährigen Dienste des Revierförsters zu würdigen. Zum Abschied von Urs Kern ging es vergangenen Freitag, an dessen letztem Arbeitstag bei der Waldregion 5, mitten hinein in sein bisheriges Schaffensgebiet: hinauf zur Ruine Neutoggenburg. Die Försterkollegen staunten nicht schlecht bei der Aussicht, die sich ihnen bot: über das gesamte Forstrevier des Pensionierten – und teils auch über ihr eigenes. Hier oben hatte Regionalförster Christof Gantner vor zehn Jahren seinen Einstand in Urs Kerns Forstrevier gehabt, hier folgte die offizielle Verabschiedung.

Des Lobes voll

Es war eine stattliche Delegation, die den langjährigen Revierförster Lichtensteigs durch den Föhrenwald zur Ruine hinauf begleitete. Mitarbeitende des Forstbetriebes Lichtensteig, die Försterkollegen der Waldregion 5, Mitglieder des Waldrates sowie dessen Präsident Werner Ackermann, Ortsgemeindepräsident Peter Hüberli und Fridolin Eisenring, Präsident der Stiftung Kloster St. Maria der Engel in Wattwil, wollten auf Urs Kerns 35jährige Tätigkeit mit ihm anstossen.

Als hätte dieser einen guten Draht zu Petrus, war das Wetter perfekt für einen Apéro im Freien und einen 360-Grad-Blick in die umliegenden Täler. Des Lobes voll war man über die Arbeit des frisch Pensionierten. Am 1. April 1981 war dieser als 27-Jähriger zum Revierförster und zum Leiter des Forstbetriebes der Ortsgemeinde Lichtensteig gewählt worden, wo er auch die Lehre absolviert hatte. Die Region und den Wald habe er wie seine eigene Hosentasche gekannt, würdigte Peter Hüberli. Und Fridolin Eisenring schloss sich dem an: «Die Zusammenarbeit mit Urs Kern war so gut, dass wir nur einmal im Jahr zusammensitzen mussten.»

Eine ruhige, gesellige Natur

Waldratspräsident Werner Amacker und Regionalförster Christof Gantner hoben insbesondere Urs Kerns Fähigkeit, sich auf Neuorganisationen einzustellen, hervor. Einige Strukturänderungen hatte dieser mitgemacht, mehrmals wurden Regionen und Reviere neu eingeteilt, bis Urs Kern definitiv zuständig geworden war für das Forstrevier im Gebiet Lichtensteig-Wattwil-Krinau und einen Arbeitsplatz im Försterbüro Wattwil erhalten hatte. Urs Kern habe immer nach vorne geschaut und sei mit der Zeit gegangen. Nie habe er gesagt, was die anderen machen sollten, sondern immer habe er gefragt, was er noch machen könne.

Sein Vorgesetzter Gantner verriet auch etwas über das Wesen Urs Kerns, der die Würdigungen zufrieden lächelnd, aber still zur Kenntnis nahm: «Er wirkt zwar ruhig, aber er kann auch sehr gesellig sein.»

Ein neues Projekt

Dies durften all jene erlebt haben, die zum anschliessenden Abendessen auf dem Köbelisberg eingeladen waren. Den Weg dorthin durfte der Pensionär ganz ohne Anstrengungen in der Pferdekutsche zurücklegen. Urs Kern sagte auf Anfrage, dass seine Stimmung durchzogen sei im Hinblick auf den Ruhestand. Er freue sich auf einen neuen Lebensabschnitt, und doch falle ihm der Abschied schwer. Bis zum letzten Tag hatte er zu 100 Prozent im Forstrevier gewirkt, «als ob es einem gehört».

Die kommenden Wochen würden sich bestimmt wie Ferien anfühlen, aber danach müsse er ein neues Projekt haben, das ihn erfülle. Man spürte, dass er etwas Bestimmtes ankündigte, doch verraten wollte er nichts. Beim Wandern wird er wohl noch einige Male in seinem ehemaligen Revier unterwegs sein, doch seinem Nachfolger Roman Brazerol werde er nicht dreinreden: «Bei Fragen stehe ich aber gerne zur Verfügung.»