Landwirtschaft schafft Landschaft

Auf Einladung des Vereins Lobenswertes Oberstes Toggenburg (LOT) erläuterten drei Referenten, was hinter dem Begriff Landschaftsqualitätsprojekt steckt. Es wurde klar, dass die Landwirtschaft das Aussehen der Landschaft bestimmt.

Adi Lippuner
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Christian Schmid, Wildhauser Landwirt und Gemeinderat, Nicole Inauen, Beraterin Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen, und Kilian Looser, Gemeindepräsident Nesslau und Präsident der Projektträgerschaft (von links). (Bild: Adi Lippuner)

Christian Schmid, Wildhauser Landwirt und Gemeinderat, Nicole Inauen, Beraterin Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen, und Kilian Looser, Gemeindepräsident Nesslau und Präsident der Projektträgerschaft (von links). (Bild: Adi Lippuner)

ALT ST. JOHANN. In bäuerlichen Kreisen sind Begriffe wie LQP, also Landschaftsqualitätsprojekt, selbstverständlich. Doch was fangen Menschen damit an, die mit der Landwirtschaft nicht vertraut sind? Genau da setzte die Veranstaltung des Vereins LOT (Lebenswertes Oberstes Toggenburg) an. «Wir haben drei Referenten eingeladen, die uns umfassend informieren», so Hans Mühlestein, LOT-Vorstandsmitglied bei seiner Begrüssung am Donnerstagabend.

Nicole Inauen, Beraterin Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen (LZSG) in Flawil, sie ist für die fachliche Projektbegleitung im ganzen Kanton zuständig, erläuterte die LQP-Grundlagen. Kilian Looser, Gemeindepräsident Nesslau und Präsident der Projektträgerschaft, erklärte den Anwesenden das Projekt Obertoggenburg und Christian Schmid, Landwirt, Leiter Schneesportschule, Gemeinderat und Mitglied der Projektgruppe, zeigte auf, welchen Einfluss das LQP auf seinen Betrieb und die Alpen hat.

Teil der Agrarpolitik

AP 2014–17, wieder so ein Begriff, der bei der nichtbäuerlichen Bevölkerung für Fragezeichen sorgt. Die Agrarpolitik bestimmt, für welche Leistungen der Bauer Geld vom Bund erhält. «Früher wurde ein Teil der Zahlungen an die Tierbestände gekoppelt, mit der AP 2014 wurden diese Beiträge aufgehoben und dafür Instrumente zur Förderung der Kulturlandschaft geschaffen», so Nicole Inauen. Das LQP Obertoggenburg läuft bis 2022 und ist eines der insgesamt 14 Projekte im Kanton St. Gallen.

Ebenfalls seit 2014 gibt es mehr Direktzahlungen für die Berggebiete, also höhere Hang- und Sömmerungsbeiträge sowie Steilhangbeiträge. Nicole Inauen zeigte auf, dass die Berggebiete in der Schweiz eher zu den Gewinnern gehören, die intensiven Bewirtschafter im Flachland dagegen weniger diesbezügliche Beiträge erhalten. Allerdings muss angefügt werden, dass die LQP nur eine der fünf Direktzahlungssäulen sind und, gemäss Kilian Looser, machen diese nur fünf Prozent der gesamten Direktzahlungen aus.

Konkrete Projekte

Wer Beiträge aus dem Landschaftsqualitätsbeiträge-Topf erhalten will, musste seine konkreten Projekte anmelden. «Diese werden nicht vom Bund bestimmt, sondern in den einzelnen Regionen erarbeitet. Damit wird sichergestellt, dass auf die regionalen Unterschiede der Landschaft Rücksicht genommen wird. Denn je nach Bewirtschaftungsformen wurden auch die Landschaften unterschiedlich geprägt», sagte Kilian Looser. Im Obertoggenburg prägen markante, frei stehende Bäume, Lebhäge, Natursteinmauern, aber auch die Kombination von offenem Wald mit Weiden, Alpflächen sowie Alpsiedlungen, um nur einige zu nennen, die Landschaft.

Gemeinsam Lösungen gefunden

Gemäss Christian Schmid war es vor allem vor dem Projektstart nicht ganz einfach, die einzelnen Leistungen zu definieren. «Aber wir waren vier Landwirte in der Projektgruppe und haben nach vielen Diskussionen Lösungen gefunden.»

Ein Beispiel: «Natursteinmauern stehen in der Regel auf der Grundstückgrenze. Es ging um die Fragen, wer meldet diese Mauer an und wer ist für deren Unterhalt zuständig.» Man habe als Lösung die hälftige Aufteilung für die jeweiligen Anstösser vereinbart. Oder die Frage: «Was passiert bei Pachtland?» Der Bauer verpflichtet sich bei der Anmeldung zum Projekt, während acht Jahren dabeizubleiben. «Was nun, wenn ein markanter, frei stehender Baum auf Pachtland angemeldet wird, der Besitzer diesen dann aber entfernt?», dies eine der Fragen, welche im Vorfeld geklärt werden musste. Christian Schmid und seine Berufskollegen haben allen Landwirten empfohlen, das Gespräch mit den Verpächtern zu suchen.

Spannend sei auch die Ausgangslage für die Alpen gewesen. «Wer die Weiden von Steinen befreit und diese zu Haufen aufschichtet, gewinnt doppelt: Einerseits gibt es mehr Weideflächen, andererseits wird der Arbeitsaufwand entschädigt.» Und um für eine Alpsiedlung Geld aus dem Projekttopf zu erhalten, brauche es einen Schopf, eine Hütte, einen Brunnen und saubere Ordnung, war an der Veranstaltung von Christian Schmid zu erfahren.