Kunst
Neue Ausstellung im Museum für Lebensgeschichten in Speicher: «Hansjörg Rekade – der Kunst in mancher Hinsicht verpflichtet»

Das Museum für Lebensgeschichten in Speicher widmet seine aktuelle Ausstellung dem Leben und Wirken Hansjörg Rekades. Die Ausstellung kann vom 20. März bis 11. Dezember im Hof Speicher besucht werden. Sie zeigt Werke und gibt Einblicke in das Leben und die Aktivitäten des umtriebigen Kulturmenschen.

Felicitas Markoff
Drucken
Das Museum für Lebensgeschichten widmet dem verstorbenen Künstler Hansjörg Rekade eine eigene Ausstellung.

Das Museum für Lebensgeschichten widmet dem verstorbenen Künstler Hansjörg Rekade eine eigene Ausstellung.

Bild: PD

Dem Sein und Wirken von Hansjörg Rekade widmet nun das Museum für Lebensgeschichten in Speicher die aktuelle Ausstellung mit dem Titel: «Hansjörg Rekade – der Kunst in mancher Hinsicht verpflichtet». Neben seinen künstlerischen Werken dokumentiert die Ausstellung vielseitige Tätigkeiten, mit denen der Künstler nicht nur seinen Wohnort Speicher, sondern auch das Kulturleben in der Ostschweiz geprägt hat. Die Ausstellung kann vom 20. März bis 11. Dezember besucht werden.

Rekade arbeitete als Künstler, Grafiker, Cartoonist und als Lehrer

Künstlerisch tätig sein und Kunst vermitteln – Hansjörg Rekade (1946– 2015) hat beides als zwei seiner Lebensinhalte nebeneinandergestellt. Als Grafiker, als Cartoonist sowie als Künstler konnte er sichtbar werden lassen, was ihm an kreativem Potenzial geschenkt war. Als Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Sekundarschule Speicher, sowie den Kantonsschulen Trogen und St.Gallen, half er seinen Schülerinnen und Schülern, den Weg hin zu Kunst und Kreativität zu ebnen. Als Mitdenker und -lenker war er wesentlich beteiligt am Gedeihen von Stätten, in denen Kunst eine Heimat hat. Als politisch aktiver Mensch war es ihm eine Herzensangelegenheit, die Stimme zu erheben für die Sache der Kunst und Kultur. Vieles hat er angeregt und umgesetzt. Ein Zitat aus dem Einleitungstext von Martin Hüsler in der Ausstellungspublikation: «Es wäre mit Sicherheit noch mehr geworden, wenn ihm mehr Lebenszeit zur Verfügung gestanden hätte.»

Diese Acryl-Leinwand von Hansjörg Rekade trägt den Titel: «Ich sehe was, was du nicht siehst».

Diese Acryl-Leinwand von Hansjörg Rekade trägt den Titel: «Ich sehe was, was du nicht siehst».

Bild: PD

Ausstellung zeigt Rekades Tätigkeitsfelder

Die unterschiedlichen Tätigkeiten und Engagements, denen sich Hansjörg Rekade zeit seines Lebens mit Enthusiasmus und Leidenschaft widmete, sind in der Ausstellung in fünf «Aktionsfelder» aufgeteilt: In fünf verschiedenen Vitrinen wird je ein Tätigkeitsfeld Rekades beschrieben: Das des «Cartoonisten», des «Grafikers», des «Vermittlers» sowie des «Politikers».

Dass Hansjörg Rekade schon früh mit Begeisterung eigene und fremde Kunst an die Öffentlichkeit bringen wollte, zeigt die Vitrine, die sich den «Anfängen» widmet: So gründete der Student Hansjörg Rekade 1964 die Jugendzeitschrift «Journal 64». Später hiess sie «Magnet.» Es handelte sich um eine Publikation, die er zusammen mit Bruno Hörler, einem Freund sowie einigen Helferinnen und Helfern zur Druckreife gebracht hatte. Zielpublikum waren junge Menschen. Hansjörg Rekade fungierte dabei als Chefredaktor, als Illustrator, als Drucker sowie als Buchbinder. In ebendiese Zeit fällt auch die Gründung der Galerie vor der Klostermauer, für die sich Hansjörg Rekade Zeit seines Lebens engagierte.

Die zweite Vitrine ist die des «Cartoonisten». Nach der obligatorischen Schule besuchte Hansjörg Rekade den Vorkurs an der Schule für Gestaltung. In Zürich besuchte er die Textilfachschule – als einziger Mann unter lauter Frauen. Kurz vor seinem Abschluss des Studiums entschied er sich um und fand in St.Gallen eine Arbeit als Grafiker. Schon in dieser Zeit entstanden erste Cartoons, die Rekade in Zeitungen publizieren konnte, aber auch in Ausstellungen zeigte. Er entwickelte seine eigenen Figuren: Von den «Augäpfeln», zu denen er 1969 ein kleines Büchlein publizierte, zu den «Eiermännchen», bis zu den bekannten «Nasenmännchen» und schliesslich «Jöri», die regelmässig in verschiedenen Zeitungen wie etwa dem «St.Galler Tagblatt», der «Appenzeller Zeitung» erschienen und an die sich viele Zeitungsleserinnen und -leser noch erinnern.

Dieses Werk von Hansjörg Rekade ist von 1997 und trägt keinen Titel.

Dieses Werk von Hansjörg Rekade ist von 1997 und trägt keinen Titel.

Bild: PD

Rekade entwickelte Werbeanzeigen und Firmenlogos

1971 heiratete Hansjörg Rekade Margrith Giger. Drei Jahre später bekamen die beiden ihre erste Tochter. Noch im selben Jahr zog die Familie von St.Gallen nach Speicher. 1975 entschliesst sich das junge Ehepaar für einen Rollentausch: Margrith Rekade nahm eine Stelle an der damaligen Hilfschule in Speicher an und Hansjörg kümmerte sich um das Kind und den Haushalt. Zu diesem Zeitpunkt richtete er sich zu Hause ein eigenes Büro für Grafik und Cartoons ein. Er entwickelte Werbeanzeigen, Firmenlogos, Umzugs- und Geburtskarten und oft fanden sich seine Cartoon-Charaktere auch in Logos oder Werbeanzeigen. Einige davon sind in der Vitrine des «Grafikers» ausgestellt – so etwa das erste Signet des damals noch Tourismus-Verbands Speicher, das Rekade entwerfen konnte.

Neben der eigenen Tätigkeit war Rekade die Vermittlung von Kunst stets ein grosses Anliegen. Die Vitrine des «Vermittlers» zeigt, wie er als Lehrer für Bildnerisches Gestalten unter anderem an der Sekundarschule Speicher und an den Kantonsschulen Trogen und St.Gallen seinen Schülerinnen und Schülern half, den Weg zur Kunst und Kreativität zu finden und umzusetzen. Daneben zeugen sein Engagement als Kursleiter, Ausstellungsorganisator und als Stiftungsratsmitglied von seinem Bedürfnis, etwas von seiner Begeisterung für die Kunst weiterzugeben.

Rekade war an Entstehung Ausserrhodischen Kulturstiftung beteiligt

So konnte er auch in seiner Zeit als Gemeinderat von Speicher – der die letzte Vitrine des «Politikers» gewidmet ist– einiges für Kunst und Kultur bewegen: Er initiierte die Gründung der dortigen Kulturkommission und war auch an der Entstehung der Ausserrhodischen Kulturstiftung beteiligt.

Über den fünf Vitrinen, dicht gehängt an den Wänden des Museums für Lebensgeschichten, eröffnet sich den Besucherinnen und Besuchern ein Einblick in das künstlerische Schaffen von Hansjörg Rekade. Die eigene Kunst hat ihn immer begleitet – mal hat er sich intensiv, mal nur nebenbei damit beschäftigt, aber sie war immer präsent. So wie jetzt seine Werke, die in einer dichten, weder chronologisch noch thematisch geordneten Fülle die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung begleiten. Sie sind vielseitig, vielschichtig und bunt – wie der grosse Output, den Hansjörg Rekade hinterlassen hat.

Begleitveranstaltungen

Am Dienstag, 10. Mai, um 17 Uhr gibt es eine Führung durch die Ausstellung mit Eva Rekade. Am Donnerstag, 15. September, um 17 Uhr wird der Film «Der Lauf der Dinge» von Fischli/Weiss, der Hansjörg Rekade zu mehreren Werken inspirierte, gezeigt. Die Einführung erfolgt durch Christiane Rekade. Am Dienstag, den 8. November, um 17 Uhr liest Eugen Auer aus seinen Texten «Ein Appenzeller namens ...» vor, die Hansjörg Rekade illustriert hat.

Weitere Infos über das Museum für Lebensgeschichten unter: www.museumfuerlebensgeschichten.ch.