Konzert
Mit Leichtigkeit und Freude: Kids «beswingen» den Kirchenraum in Gais

Es war ein Konzerthöhepunkt im Jahresprogramm: Dai Kimoto & Swing Kids gastierten kürzlich auf Einladung der Kulturbühne Gais in der reformierten Kirche. Diese war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Leichtigkeit und Freude, mit welcher die jungen Musiker spielten, war ansteckend.

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Spielte früher selbst in der Band: Julia Haas verzauberte mit ihrer klaren Stimme.

Spielte früher selbst in der Band: Julia Haas verzauberte mit ihrer klaren Stimme.

Bild: ch

Dai Kimoto ist ein ungewöhnlicher Musiker. Mit seinen 73 Jahren steht er regelmässig noch auf Bühnen und tourt mit seinen Swing Kids durch die Schweiz. Nächstes Jahr, so verriet er, gehe es wieder auf Tournee nach Japan. Zu den Swing Kids gehören 14 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren, dazu noch einige Nachwuchskinder.

Thurgauer mit japanischen Wurzeln

Die Band und ihr Gründer inspirieren und stecken mit ihrer Spielfreude an. Davon konnten sich die Zuhörenden in der evangelischen Kirche in Gais gleich selbst überzeugen. Der Kirchenraum war fast voll besetzt. Dai Kimoto war schon in jungen Jahren erfolgreich als Musiker in seinem Heimatland, ging mit 25 Jahren nach England und später nach Deutschland. Dort trat er unter anderem mit der bekannten Max-Greger-Band auf, welche sich mit Engagements in deutschen TV-Sendern einen Namen machte. 1979 zog es den Musiker, der selbst nie Musik studiert hatte, in die Schweiz. Im Thurgau, wo er noch heute lebt, gründete er 2002 die Swing Kids, mit welchen er um den ganzen Globus tourte.

Dai Kimoto versteht es, den Kindern spielerischen Raum zu lassen. Er bestärkt sie durch seine offene und lebensfrohe Art in ihrem Selbstausdruck mit Saxofon, Posaune, Trompete, E-Gitarre und Schlagzeug. Die Spielfreude der Kinder und Jugendlichen war beeindruckend, ebenso ihre Virtuosität. So erhielt jedes Kind mehrfach die Chance, sich als Solist mit seinem Instrument vor dem grossen Publikum zu zeigen.

Selbst die zehnjährigen Nachwuchskids trauten sich diese Einlage zu. Der Kleinste war gerade mal so gross wie seine ausgezogene Posaune. Die Swing Kids spielen in der Regel nicht nach festem Programm. Sie zeigen eine Auswahl aus einer Vielzahl an Stücken, die sie beherrschen und teilweise frei interpretieren, aufgelockert mit vielen Soloparts.

Singende und swingende Musiker

Dass die Swing Kids nicht nur ihre Instrumente meisterlich beherrschen, sondern auch die Stimme einzusetzen wissen, bewies Dai Kimoto selbst mit mehreren gesanglich interpretierten Stücken. Auch Julia Haas, ehemaliges Bandmitglied an der E-Gitarre, ergänzte die Darbietungen mit einigen Jazzliedern. Ihre klare und ruhige Stimme kam in der reformierten Kirche besonders gut an. Auch mit ihrer Einlage auf der klassischen Gitarre zeigte sich die Musikstudentin von der virtuosen Seite. Sie stamme aus einer Musikerfamilie, lachte Dai Kimoto, der mit humorvollen Ansagen durchs Programm führte. Das Multitasking des trompetenspielenden Bandleaders war erstaunlich.

Talente entdecken

Eines der kleinen Mädchen an der Trompete verglich der Bandgründer gar mit Louis Armstrong. Sie habe den gleichen Anschlag auf dem Instrument wie der grosse, amerikanische Jazztrompeter, sagte er stolz. Und wirklich, der Trompetenklang des kleinen Mädchens schmetterte beeindruckend hell und mächtig durch den Kirchenraum.

Der 73-Jährige verstand es in den letzten Jahren immer wieder, junge Talente zu entdecken und sie durch ihre Zeit in der Band der Swing Kids für ihre spätere Musikerlaufbahn zu fördern. Fernando Ferrari, Präsident des Vereins Kulturbühne Gais, und Uli Scherrmann, Aktuar, waren erfreut über den grossen Zuschaueraufmarsch und die lockere Stimmung, welche die musizierenden Kids mit ihren hochstehenden Darbietungen versprühten. Die Besucher hätten sich angetan und «beswingt» gezeigt nach der Aufführung, bestätigte Schermann auf Anfrage. Bereits anderthalb Jahre zuvor war die Band von Dai Kimoto angefragt und ins Programm aufgenommen worden.