Konkurs
«Das ist tragisch»: Schliessung des Herisauer Standorts von Müller Reformhaus löst Betroffenheit aus

Vom Konkurs der Müller Reformhaus Vital Shop AG ist auch die Filiale in Herisau betroffen. Passanten bedauern die Schliessung, eine Stammkundin zeigt sich betroffen und die Filialleiterin will vorwärts schauen.

Mea McGhee
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Eine Passantin vor der geschlossenen Tür der Herisauer Filiale von Müller Reformhaus.

Eine Passantin vor der geschlossenen Tür der Herisauer Filiale von Müller Reformhaus.

Bild: Mea McGhee

Das Schaufenster ist schwach beleuchtet, Sektflaschen im Silvesterdekor sind ausgestellt. Im Dunkel des Ladenlokals an der Oberdorfstrasse in Herisau lässt sich das Brotregal erahnen. Es ist leer. Ebenso die Körbe für Frischprodukte neben der Kasse. Eine Tafel, die bis Dienstag vor dem Laden für ein Kosmetikprodukt warb, steht nun hinter der verschlossenen Glastür. Ausgehängt ist ein schwarz-weisses Plakat, darauf steht: «Das Reformhaus schliesst seine Türen». Schweizweit sind 37 Standorte mit 298 Mitarbeitenden vom Konkurs der familiengeführten Reformhauskette betroffen. Immer wieder kommen am Mittwochvormittag Passanten vorbei, bleiben vor dem Schaufenster des Herisauer Fachgeschäfts stehen. Sie scheinen verwundert.

Überraschte Kundschaft

«Ich wollte gerade hier einkaufen. Insbesondere für glutenfreie Produkte bin ich seit Jahren hierher gekommen», sagt eine Stammkundin. Sie sei total überrascht, dass das Reformhaus schliessen musste. Die Beratung sei immer gut gewesen, nichts habe darauf hingedeutet, dass es nicht gut laufe. Die Herisauerin äussert ihr Bedauern über das Aus des Traditionsunternehmens, das sie nicht zuletzt wegen der persönlichen Beratung durch die Mitarbeitenden geschätzt habe. Spezielle Produkte seien auf Wunsch bestellt worden. Eine andere Kundin sagt gar: «Das ist schade, nein das ist sogar tragisch.»

Seit 2001 bestand die Herisauer Filiale des Müller Reformhaus Vital Shop. Ebenso lange arbeitete Claudia Kündig im Fachgeschäft. Anfang 2020 hat sie die Filialleitung übernommen. Auf telefonische Nachfrage sagt sie: «Wir wurden kurz vor Weihnachten über die Schliessung informiert.» Die letzten Tage seien für sie und ihre drei Mitarbeiterinnen nicht einfach gewesen. Manche Kundinnen und Kunden hätten wohl geahnt, dass etwas nicht stimme, da sie nicht mehr das gesamte Sortiment nachbestellt hätten.

Grosse Stammkundschaft, persönliche Beratung

Am Dienstag hatten die Geschäfte an 37 Standorten in der Schweiz ein letztes Mal geöffnet. Claudia Kündig sagt: «Viele Kundinnen und Kunden äusserten beim letzten Einkauf ihre Überraschung und ihr Bedauern.» Das Herisauer Reformhaus habe eine grosse Stammkundschaft gepflegt. Aus Herisau und dem Hinterland, aus Gossau, Wil und wegen der Parkplätze vor dem Laden auch aus St.Gallen, seien Kundinnen und Kunden gekommen.

Im Verkaufsteam hätten sie den Wandel im Einkaufsverhalten der Leute auch gespürt, sagt Claudia Kündig. Im Onlinehandel einzukaufen, sei eine bedauerliche, aber auch verständliche Entwicklung. Schade findet Kündig, dass ein weiteres Herisauer Fachgeschäft nun geschlossen ist, das persönliche und fachlich fundierte Beratung angeboten habe.

Die drei Mitarbeiterinnen und Claudia Kündig sind per 1. Januar arbeitslos. Sie will vorwärts schauen und sagt: «Vielleicht geht irgendwo ein Türchen auf.»