«Klangwelt einzigartig erweitern»

Die SP tritt bei den Regierungsratswahlen am 28. Februar mit Heidi Hanselmann und Fredy Fässler (beide bisher) an. Ihre Wahltournée führte die beiden Kandidaten kürzlich auf die Redaktion des Toggenburger Tagblatts.

Serge Hediger/ ruben Schönenberger
Drucken
Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Regierungsrat Fredy Fässler (beide SP) zu Besuch beim Toggenburger Tagblatt. (Bild: Serge Hediger)

Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Regierungsrat Fredy Fässler (beide SP) zu Besuch beim Toggenburger Tagblatt. (Bild: Serge Hediger)

WATTWIL. Die Begegnung war freundlich, das Gespräch sachlich und informativ, die Stimmung angenehm: Gesundheitschefin Heidi Hanselmann und Sicherheits- und Justizdirektor Fredy Fässler nahmen am vergangenen Donnerstag im Sitzungszimmer des Toggenburger Tagblatts Stellung zu den wichtigsten Themenkreisen, die im Toggenburg die vergangenen Politjahre geprägt hatten.

Wie stehen die Chancen, dass das Klanghaus tatsächlich gebaut wird?

Fredy Fässler: Ich hoffe sehr, dass das Toggenburg die Chance packt. Es wurde auch schon versäumt, dem Tal eine gesamtschweizerische Prägung zu geben, zum Beispiel beim Naturpark Neckertal. Ich bin zuversichtlich, dass es dieses Mal klappt. Das Klanghaus bietet die Möglichkeit, Tradition und Moderne zu verbinden und so eine Dynamik entstehen zu lassen.

Heidi Hanselmann: Mit dem Klanghaus entsteht die Möglichkeit, das Thema Klangwelt einzigartig zu erweitern. Ich bin zuversichtlich und wünsche mir, dass das Toggenburg dafür viele Botschafter gewinnt. Als Kind war Krummenau beinahe mein zweites Zuhause. Meine Grosseltern führten das Hotel Sonne. Schon damals stellte ich fest, dass es in dieser Region gutes und intensives Argumentieren braucht, wenn man die Leute für etwas Neues gewinnen wollte. Das ist heute noch so.

Wo steht die Diskussion zur Kantonsschule Wattwil? Zuletzt wurde das Linthgebiet wieder ins Spiel gebracht.

Fässler: Die Position der Regierung ist klar, der Standort steht nicht zur Disposition. Im Gegenteil, wir wollen in Wattwil neue Wege gehen, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit der Gewerbeschule. Vielleicht wird die Kanti sogar zum Vorreiter für andere Einrichtungen. Ich habe auch in Gesprächen auf der anderen Seite des Rickens nie eine klare Strömung für einen anderen Standort erkennen können.

Hanselmann: Ein wohnortnahes Bildungsangebot ist für mich in gleichem Masse wichtig wie wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Eine Kantonsschule gehört deshalb nach Wattwil. Für die Attraktivität des Toggenburgs ist dieses Angebot von Bedeutung, für Familien als Ausbildungsangebot für ihre Kinder und schliesslich auch für die Unternehmen und das Spital. Wer längere Zeit an einem Ort gelernt hat, kehrt oft gerne auch dorthin zurück.

Im letzten Jahr musste die Regierung im Tarifstreit der Bergbahnen Wildhaus AG und der Toggenburg Bergbahnen AG vermitteln. Wie sähe hier eine nachhaltige Lösung aus?

Hanselmann: Mich erinnert die Situation an die Spitäler des Kantons. Früher gab es neun Spitäler, die alleine agierten und handelten. Der ökonomische Druck zwang sie, stärker zusammenzuarbeiten. Aus Konkurrenz wurde Kooperation. Auch die beiden Bergbahnen sollten ihren Blickwinkel öffnen. Das geht natürlich nur Schritt für Schritt. Aber ein erstes Zeichen wäre wichtig. Leute aus anderen Regionen verstehen den Konflikt nicht, das droht das Toggenburger Image negativ zu belasten.

Fässler: Die Regierung kann zwei privatrechtlichen Unternehmen natürlich nicht verbindlich aufzeigen, wo sie durchgehen müssen. Was passiert ist, ist hochgradig selbstschädigend. Ich habe generell den Eindruck, dass sich das Toggenburg mit solchen Querelen unter Wert verkauft. Die Schönheit des Tals steht dadurch etwas im Schatten.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung des Toggenburgs? Wo liegt Ihrer Meinung nach noch Potenzial?

Hanselmann: Im Tourismus ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Das Klanghaus könnte hier Schub geben. Aber auch die Hotellerie muss mithalten können. Gäste haben heute andere Vorstellungen, das bedingt Innovationen. Bei den Spitälern ist das genauso. Deshalb sind wir froh, das Spital Wattwil modernisieren zu können. Schliesslich ist dieses Spital in der Region ein grosser und zentraler Arbeitgeber und Ausbildungsort.

Fässler: Es stimmt ja nicht, dass es im Toggenburg nur Bauern und Tourismus gibt. Dass das aber ausserhalb des Tals manchmal so gesehen wird, liegt vielleicht auch daran, dass man nicht alle Trümpfe ausspielt. Die Regierung ist sehr dazu bereit, hier Unterstützung zu bieten. Auch deshalb sind viele Mittel in den Verkehr geflossen.

Stichwort Verkehr: Das Toggenburg hat einen Halbstundentakt, Umfahrungen sind auf dem Weg. Fehlt noch etwas?

Hanselmann: Eine gute Verkehrsanbindung ist das A und O. Hier wurde viel erreicht, man ist sowohl schnell in Zürich als auch in St. Gallen. Vielleicht muss man das intensiver bewerben. Auch in Zürich müsste prominent bekannt sein, wie schnell man in diesem schönen Erholungsgebiet ist. Eventuell könnte das Toggenburg so auch als neuer Wohnraum punkten. Das müsste ebenfalls Ziel sein. Nur eine Schlafregion zu erzeugen, wäre falsch. Die Leute sollen bleiben wollen, insbesondere auch junge Familien.

Fässler: Als ich in meinem vorherigen Beruf als Anwalt vor vielen Jahren einen Fall hatte, wo ein Mandant vom Toggenburg nach Zürich pendelte, fand ich das noch unglaublich. Heute sind die Anbindungen so gut, dass das nicht mehr so unvorstellbar ist. Der Raum um Zürich wird enger, vielleicht ist das eine Chance für das Toggenburg. Natürlich muss man immer zuerst raumplanerisch gut überlegen, was man wo will. Und dann den Verkehr planen.

Hanselmann und Fässler schätzen die Verkehrsanbindung des Toggenburgs auch im öffentlichen Verkehr als gut ein. (Bild: Olivia Hug)

Hanselmann und Fässler schätzen die Verkehrsanbindung des Toggenburgs auch im öffentlichen Verkehr als gut ein. (Bild: Olivia Hug)

Es braucht weiterhin einen grossen Effort aller Toggenburgerinnen und Toggenburger, damit das Klanghaus tatsächlich gebaut wird. (Bild: Visualisierung: pd)

Es braucht weiterhin einen grossen Effort aller Toggenburgerinnen und Toggenburger, damit das Klanghaus tatsächlich gebaut wird. (Bild: Visualisierung: pd)