Kinderbetreuung
Bereits jetzt kommt über die Hälfte der Kinder aus anderen Gemeinden: Kita Waldstatt übernimmt ab Frühling die Betreuung der Kinder aus Urnäsch

Aufgrund der zu niedrigen Auslastung gibt die Kindertagesstätte in Urnäsch ihren Betrieb auf. Die Mitarbeiterinnen werden in der Kita Waldstatt weiterbeschäftigt. Die Räumlichkeiten und das Angebot in der Hinterländer Gemeinde werden ausgebaut.

Ramona Koller
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Nach der Schliessung der Kita in Urnäsch wird das Angebot in jener in Waldstatt ausgebaut.

Nach der Schliessung der Kita in Urnäsch wird das Angebot in jener in Waldstatt ausgebaut.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Bereits vor einigen Monaten haben die beiden Kindertagesstätten (Kita) Rosalie Urnäsch und Kita Waldstatt eine enge Zusammenarbeit beschlossen. Unter der Leitung von Sonja Alder betreuen Isabelle Räss als Miterzieherin und Gruppenleiterin sowie Anna Muff als Miterzieherin und Selina Reifler als Springerin die Kinder in Urnäsch. Die Belegung ist jedoch zu tief. An manchen Tagen besuchen nur ein oder zwei Kinder die Kita. Für einen kostendeckenden Betrieb müsste der Durchschnitt jedoch sechs Kinder betragen. Der Standort in Urnäsch wird deshalb per Ende Januar geschlossen.

Hans-Peter Ramsauer, Präsident der Kita Waldstatt und Vorstandsmitglied der Kita Urnäsch, sieht den Grund für die zu niedrige Auslastung im eher kleinen Einzugsgebiet:

«In Urnäsch leben unter 2500 Menschen. Hinzu kommt die traditionelle Einstellung der Bevölkerung. Oftmals passen die Grosseltern oder Freunde auf die Kinder auf.»

Die Kinder besuchen, wie auch in anderen Gemeinden, die Kita oft nur einen oder zwei Tage in der Woche. Dies erschwere die Personalplanung massiv. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, wird der Verein Kita Rosalie in Urnäsch nicht aufgelöst. Damit werde sichergestellt, dass die Grundlagen für eine zukünftige Eigenständigkeit und Wiederaufnahme der Tätigkeit gemäss Statuten gegeben ist.

Über die Hälfte der Kinder kommt aus anderen Gemeinden

In der Kita in Waldstatt stehen derzeit 18 Kita-Plätze zur Verfügung. Angemeldet sind 42 Kinder. Während in Urnäsch der Nachwuchs auch nur für einige Stunden abgegeben werden konnte, gibt es dieses Angebot in Waldstatt nicht. «Im Idealfall besuchen Kinder die Kita an zwei Tagen in der Woche. So können sie sich in die Gruppe eingliedern und eine Beziehung zur Bezugsperson aufbauen», erklärt Ramsauer. Dies sei auch die Empfehlung von Kibe Swiss.

Gemäss dem Kinderbetreuungsgesetz ist eine Gemeinde nicht dazu verpflichtet, innerhalb der Gemeinde die Betreuungsplätze für Kinder anzubieten. «Eine Kooperation, wie hier zwischen Urnäsch und Waldstatt ist eine gute und rechtlich korrekte Lösung», erklärt Ramsauer. Bereits heute seien über 50 Prozent der in Waldstatt betreuten Kinder aus anderen Gemeinden.

Die Räumlichkeiten der Kita Waldstatt sollen in den kommenden Monaten den neuen Anforderungen angepasst werden. Im Gebäude, in dem die Kindertagesstätte untergebracht ist, sei eine Wohnung freigeworden, die nach entsprechenden Umbauarbeiten ebenfalls als Betreuungsort genutzt werden kann. Finanziert werden soll das Ganze durch Stiftungen und Gemeinden. «Wir hoffen zudem, dass uns Firmen mit Arbeitsstunden oder Sachspenden entgegenkommen», so Ramsauer.

Zusammenschluss und Integration

Alle Mitarbeitenden der Kita Rosalie werden in Waldstatt weiterbeschäftigt. Damit ist sichergestellt, dass die gewohnten Betreuungspersonen für die Kinder zuständig sind. Mit den Ausbauarbeiten sollen zusätzlich zu den 18 bestehenden 14 neue Plätze geschaffen werden. Diese werden aufgrund der Grundfläche berechnet. «Mit der neuen Wohnung liessen sich sogar noch mehr Plätze realisieren. Aber wir wollen die Kinder bestmöglich betreuen und legen deshalb auch besonders viel Wert auf die Raumaufteilung», so Ramsauer.

In der Kita Rosalie wurde als spezielles Angebot für Kinder fremder Muttersprache ein Integrationsprogramm angeboten, welches vom Kanton AR unterstützt wird. Die frühe Deutschförderung wird neu auch in Waldstatt stattfinden. Dies bedeutet, dass die sprachliche Förderung der Kinder für den Kindergarten- und Schuleintritt weiterhin möglich ist. Es sei vorgesehen, dieses Angebot qualitativ zu entwickeln und die Mitarbeitenden entsprechend zu schulen.

Kinderbetreuungsgesetz (KibeG)

Am 26. September stimmte der Kantonsrat der Einführung des KibeG zu. Sofern das fakultative Referendum in der Frist bis zum 29. November nicht ergriffen wird, steht der Einführung nichts mehr im Wege. Gemäss gegenwärtigem Terminplan des Regierungsrates erfolgt die Einführung per 1. März 2023. Das vorliegende Gesetz bietet für Eltern ganz neue Voraussetzungen bei der Finanzierung der Kinderbetreuung in Kindertagesstätten und Tagesfamilien. Je nach Einkommen werden bis zu 90 Prozent der Betreuungskosten rückvergütet, wobei die Antragspflicht bei den Eltern liegt. (pd)