Kinder in Jugendarbeit einbeziehen

Jugendarbeit umfasst nicht nur die Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen, sondern auch die Prävention. Darum sei es nötig, dass die Gemeinde ihr Engagement auch auf Kinder ausdehnt, findet der Wattwiler Gemeinderat.

Sabine Schmid
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Die Kinderbaustelle ist ein Projekt der Jugendarbeit Wattwil, bei dem Kinder angesprochen werden. (Bild: Flavia Forrer)

Die Kinderbaustelle ist ein Projekt der Jugendarbeit Wattwil, bei dem Kinder angesprochen werden. (Bild: Flavia Forrer)

TOGGENBURG. In ihrem Konzept der Jugendarbeit setzt die Gemeinde Wattwil einen Schwerpunkt auf alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Viel Gewicht wird dabei auf die Oberstufenschüler gelegt, für welche es in der offenen Jugendarbeit mehrere Angebote gibt. «Es ist aber unmöglich, eine strikte Grenze zu ziehen», sagt Ruedi Sterzing, Gemeinderat und Präsident der Jugendkommission Wattwil. Es gebe vereinzelt bereits Schüler der Mittelstufe, die ihre Freizeit im Jugendschopf verbringen. Diese weise man selbstverständlich nicht weg.

Jugendarbeit früh beginnen

Für Sterzing, der in Wattwil als Reallehrer tätig ist, sollte die Jugendarbeit aber bereits früher beginnen. «Bei uns gibt es aber keine institutionalisierte Arbeit für die Kinder vor der Oberstufe und die Jugendlichen, welche die obligatorische Schulzeit beendet haben», stellt Ruedi Sterzing fest. Der Übertritt von der Schule in die Lehrzeit bringe einige Veränderungen mit sich. Der Kollegenkreis erweitere sich, da die Kollegen in der Berufsschule aus anderen Gemeinden stammen. Zudem werden die Jugendlichen mobiler und verbringen ihre Freizeit nicht mehr nur am Wohnort. Diese über die Jugendarbeit zu erreichen, sei schwierig, sagt Ruedi Sterzing.

Für die jüngere Altersklasse wurde vor drei Jahren die Kinderbaustelle als Projekt ins Leben gerufen. «Die Kinderbaustelle ist erfolgreich und wird rege besucht», stellt Ruedi Sterzing fest. «Nur ist sie Treffpunkt für kleinere Kinder, als wir erwartet haben.» Dennoch: Die Kinderbaustelle wird weitergeführt und auch im kommenden Sommer eröffnet.

Weichen richtig stellen

Die Gemeinde Wattwil startet nun ein weiteres Projekt, um Strukturen, Angebote und Örtlichkeiten aufzuzeigen. Daraus soll ein Vorschlag für zukünftige Kinder- und Jugenddienstleistungen ausgearbeitet werden. Ruedi Sterzing erhofft sich einiges davon, denn aus seiner Sicht haben die Kinder zu viel Freiraum. Damit meint er nicht, dass sie im öffentlichen Raum herumhängen. Sondern vor allem, dass sie unbegleitet soziale Medien konsumieren und in deren Netzwerken unterwegs sind (siehe Zusatztext). Ruedi Sterzing ist sich bewusst, dass es Geld braucht, um in allen Bereichen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfolgreich zu sein. «Es ist aber wichtig, möglichst viel Energie in die Frühförderung zu stecken, damit die Weichen richtig gestellt sind.»

Vernetzung fördern

Mit ihrem neuen Angebot macht die Gemeinde Wattwil einen Schritt in diese Richtung. Auch hier wird ein Fokus auf die Vernetzung und die Nutzung von gemeinsamen Ressourcen gelegt. Als Zentrumsgemeinde biete Wattwil bereits viele Möglichkeiten und Treffpunkte an, von der Elternberatung über Tagesstätten, Spielgruppen und Muki-Turnen bis zu Fördertherapien. «Unsere Idee ist, die Angebote für Kinder zu koordinieren und nach Bedarf und Möglichkeit örtlich einander anzunähern. Damit sollen zum einen die Mitarbeiter unterstützt werden, zum anderen soll so eine weitere Förderung möglich sein, damit die Kinder und ihre Eltern mehr davon profitieren können.» Auch hier plädiert Ruedi Sterzing dafür, möglichst alle Hürden abzubauen. Nur so sei es möglich, dass die Eltern und ihre Kinder die Angebote nutzen.