Kein Schaum mehr und keine Farbe

Seit einem Jahr läuft in Herisau die schweizweit neuartige Reinigungsstufe mit Pulver-Aktivkohle – eine erste Bilanz fällt positiv aus. Ein Wert der Abwasserinhaltsstoffe entspricht noch nicht den Anforderungen.

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Blick aus Technikraum auf Silo mit der Pulver-Aktivkohle. (Bild: PD)

Blick aus Technikraum auf Silo mit der Pulver-Aktivkohle. (Bild: PD)

Gross waren die Erwartungen bei der Eröffnung am 26. September 2015, die schweizweit in den Medien auf Resonanz stiess. Ein Jahr später kann gemäss einer Medienmitteilung eine positive Bilanz gezogen werden: Dank dem Einbau der PAK-Stufe in der ARA Bachwis bilden sich in der Glatt keine Schaumteppiche mehr, sie ist nicht mehr verfärbt und die Mikroverunreinigungen können zu einem grossen Teil gemäss der gesetzlicher Vorgabe aus dem Abwasser entfernt werden. «Da dies die erste Anlage dieser Art in der Schweiz ist, mussten wir zuerst Erfahrungen sammeln. Aber es zeigte sich relativ rasch, dass wir auf dem richtigen Weg sind», wird Regula Ammann-Höhener, Gemeinderätin Tiefbau/Umweltschutz, in der Mitteilung zitiert.

Nur bei einem der rund zehn massgebenden Abwasserinhaltsstoffe entspricht der Wirkungsgrad noch nicht den Erwartungen. Aber auch hier, beim gelösten organischen Kohlenstoff (DOC), dürfte die noch circa ein Jahr dauernde Optimierungsphase Erfolg zeitigen. Ziel ist es, das ideale Verhältnis zwischen Reinigungsleistung, Pulver-Aktivkohle-Menge, Stromverbrauch und Arbeitsaufwand zu finden, und dies je nach anfallender Wasser- und Schmutzstoffmenge. «Bei Regen ist das Abwasser verdünnt, und wir müssen nicht so viel Aktivkohle pro Liter beimengen. Umgekehrt müssen wir die Dosierung verstärken, wenn es trocken ist und je nach Tageszeit viele Schmutzstoffe aus Industrie, Gewerbe, Spitälern und Haushalten kommen», erklärt Hanspeter Butz, ARA-Verantwortlicher bei der Gemeinde. Hier jeweils das optimale Gleichgewicht zu finden, sei die grosse Herausforderung. Herisau wird dabei, wie in der Mitteilung weiter zu lesen ist, von Fachspezialisten aus der Schweiz und Deutschland unterstützt, die sich alle drei Monate treffen.

Bezüglich Baukosten sieht die Zwischenabrechnung eine Überschreitung von rund 13 Prozent bei den Gesamtkosten vor. Dies sei vor allem auf die Probleme mit dem Untergrund zu Beginn der Bauphase zurückzuführen. Hingegen dürfte sich der Anteil der Gemeinde Herisau aufgrund von Bundesbeiträgen deutlich unter dem vom Einwohnerrat bewilligten Kredit von 1,75 Mio. Franken bewegen; der definitive Verteiler steht aber noch aus. Die Betriebskosten bewegen sich im Rahmen der erwarteten 230 000 Franken pro Jahr.

Alles in allem bilanziert Gemeinderätin Regula Ammann-Höhener: «Die PAK-Stufe hat sich bewährt, wir würden wieder so entscheiden.» Entsprechend gross soll das Interesse an der Pionierleistung der Gemeinde Herisau sein. Jeden Monat würden Besichtigungen stattfinden, oft durch Vertreter anderer Gemeinden, Kantone und Fachinstitutionen, heisst es weiter. Einmal sei aufgrund der neuen PAK-Stufe sogar eine Delegation aus Schweden nach Herisau gekommen, ist in der Mitteilung abschliessend zu lesen. (gk)