«Kein Einbahnregime geplant»

Der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner erläutert, wie man im Zusammenhang mit der Sanierung der Thurverbauung den Gewässerraum in Wattwil aufwerten will. Auch der Einkaufsstandort Wattwil soll gestärkt werden.

Martin Knoepfel
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Die Wattwiler Bahnhofstrasse im Raum Bushof-Bahnhofkreisel. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Wattwiler Bahnhofstrasse im Raum Bushof-Bahnhofkreisel. (Bild: Martin Knoepfel)

Was bedeutet die Aufwertung der Thur als Teil des Siedlungsgebiets?

Alois Gunzenreiner: Die Thur soll stärker als verbindendes und landschaftsgestaltendes Element im Zentrum von Wattwil wahrgenommen werden. Heute haben wir die Situation, dass man im Zentrum von Wattwil nicht einfach an die Thur gelangen kann. Die Verbauung der Thur ist 100 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Seit Jahren gibt es Überlegungen, wie man sie saniert. In diesem Zusammenhang sind Aufwertungsmöglichkeiten vorhanden, etwa indem man punktuelle Gewässerzugänge schafft. Die Thur ist ein kantonales Gewässer und der Kanton hat letztes Jahr eine entsprechende Projektierung gestartet.

Was haben die Sanierung der Verbauung der Thur und die Aufwertung des Gewässerraums im Zentrum Wattwils miteinander zu tun?

Gunzenreiner: Sie greifen ineinander und dienen dazu, den Ort attraktiv zu gestalten. Im Rahmen der Workshops im Sommer 2015 zeigte sich, dass der Gewässerraum einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung Wattwils hat und als ein positives Element angesehen wird. Das ist eine gute Voraussetzung, um bei der Thursanierung über Aufwertungen zu sprechen. Es geht bei der Sanierung aber auch um Hochwassersicherheit und um ökologische Verbesserungen, etwa die Förderung der Artenvielfalt. Der Perimeter der Sanierung reicht über das Zentrum Wattwils hinaus. Er erstreckt sich von den Hochhäusern zum Zubringer Flooz.

Soll die Verbauung der Thurufer so gestaltet werden, dass man überall bequem ans Wasser gelangt?

Gunzenreiner: Überall wird das nicht möglich sein. Der Raum, in dem man sich bewegt, muss die Anforderungen an die Hochwassersicherheit erfüllen. Das Projekt für die Sanierung der Thur ist noch nicht fertig.

Sind zusätzliche Fussgänger- und Velo-Brücken über die Thur geplant? Zum Beispiel bei der Rietstein-Sporthalle?

Gunzenreiner: Man wird zusätzliche Übergänge prüfen. Vor Jahren gab es die Idee eines neuen Übergangs über die Thur im Raum Badi – Markthalle. Im Zusammenhang mit den kantonalen Bauvorhaben in Wattwil werden weitere Vorschläge studiert werden. Die erwähnte Verbindung oder eine Brücke für Fussgänger und Velofahrer im Raum Rietsteinhalle – BWZT zählt dazu.

Dient die Bahnhofstrasse zwischen dem Bahnhofkreisel und dem BWZT als Vorbild für die Begegnungszone zwischen Dorfplatz und Bahnhofkreisel?

Gunzenreiner: Ja, das ist so. Es ist nicht sinnvoll, die Strasse zwischen dem Bahnhofkreisel und dem Dorfplatz völlig anders zu gestalten als zwischen Bahnhofkreisel und BWZT. Bei den Workshops hiess es, dass die Bahnhofstrasse vor dem Bahnhof gefällt und die Strassenraumgestaltungen weitergeführt werden sollen. Es muss auch erwähnt werden, dass die Begegnungszone einer verkehrsberuhigten Zone entspricht. Sie wird nicht verkehrsfrei sein, da die Geschäfte in Wattwil eine gute Zufahrt und Parkmöglichkeiten benötigen. Es ist auch kein Einbahnregime im Zentrum Wattwils geplant. Laut dem Verkehrsrichtplan, der öffentlich diskutiert und vom Gemeinderat verabschiedet worden ist, soll erst der Raum Bushof – Bahnhofstrasse umgestaltet werden. Das ist geschehen. Als nächste wäre die Ebnaterstrasse an der Reihe und dann der Abschnitt Dorfplatz – Bahnhof. Bei der Gestaltung des Strassenraums soll die Bevölkerung einbezogen werden. Bis das Auflageprojekt vorliegt, braucht es deshalb einige Zeit.

Bis wann soll das Projekt für eine Begegnungszone zwischen Dorfplatz und Bahnhofkreisel so weit sein, dass man über eine allfällige Realisierung entscheiden kann?

Gunzenreiner: Wir werden dieses Jahr das Projekt weiterbearbeiten, so dass das Auflageprojekt für den Raum Dorfplatz – Bahnhofkreisel nächstes Jahr fertig sein sollte. Ich kann noch nicht sagen, ob die Auflage 2018 möglich ist. Es ist auch nicht gesagt, dass das Auflageprojekt unmittelbar nach der Auflage und nach der Erledigung allfälliger Rechtsmittel realisiert wird, schliesslich ist eine Koordination der Strassenbauprojekte in Wattwil unabdingbar und entsprechende Baukredite müssen zuerst bei der Bürgerschaft eingeholt werden.

Ist eine Umgestaltung der Post- und der Bahnhofstrasse vor Inbetriebnahme der Umfahrung Wattwil überhaupt möglich?

Gunzenreiner: Man muss das entscheiden, wenn man weiss, wann die anderen Strassenbauprojekte im Zentrum von Wattwil realisiert werden. Momentan wissen wir noch nicht, wann die Ebnaterstrasse effektiv umgestaltet und wann die Umfahrung gebaut werden wird. Selbstverständlich wäre es am einfachsten, die Bauarbeiten im Dorfzentrum zu realisieren, wenn die Umfahrung in Betrieb ist.

Welche Kosten werden diese Massnahmen verursachen?

Gunzenreiner: Das kann man noch nicht sagen. Das Vorprojekt ist noch auf einer Stufe, auf der es nicht sinnvoll ist, Kosten zu ermitteln. Zuerst müssen wir wissen, was wir bauen wollen, bevor wir die Kosten ermitteln.

Was ist mit Massnahmen hin zu einem Center-Management gemeint? In Einkaufszentren gibt es das, doch existiert dort ein Besitzer, der den Mietern Vorgaben macht. In Wattwil findet man Geschäfte, verteilt auf viele Immobilien.

Gunzenreiner: Der Unterschied existiert in der Tat. Bei Einkaufszentren ist ein Center-Management üblich, weil unter einem Dach. In Wattwil haben wir praktisch die gleichen Voraussetzungen, nur ohne ein gemeinsames Dach. Wir haben Geschäfte auf beiden Seiten der Strasse, die einen zur Miete, die anderen als Besitzer der Gebäude. Das Bedürfnis nach einer Weiterentwicklung des Dorfzentrums existiert gleich wie in einem Einkaufszentrum, es geht um Absprachen, um Kommunikation, um Vernetzung, um die Vielfalt. Wir haben in Wattwil einen attraktiven Einkaufsstandort, aber wir müssen ihn weiterentwickeln, um ihn zu stärken.

Was ist damit konkret gemeint?

Gunzenreiner: Es geht zum Beispiel um die Frage, ob man Schaufenster bei Grossanlässen einheitlich gestaltet oder wie man die Einkaufsnacht weiterentwickelt. Ein Punkt ist auch, ob man auf dem Bräkerplatz mehr unternimmt, oder wie die Geschäfte gemeinsame Aktivitäten entwickeln. Dazu kommen Fragen wie die Bewerbung von Wattwil oder die Auslagen auf dem Trottoir. Letztlich geht es darum, wie man den öffentlichen Raum mit Geschäften und Aktivitäten bespielen kann, damit das Einkaufen attraktiv ist. Hier gibt es unter anderem auch viele Schnittstellen zur Gemeinde. Die IG Einkaufszentrum Wattwil hat hier schon viel Vorarbeit geleistet, und wir wollen mit einer engeren Zusammenarbeit diese Aktivitäten und den Einkaufsstandort für die Zukunft stärken.

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil. (Bild: pd)

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil. (Bild: pd)