Kehrtwende
Dem Willen des Einwohnerrats gebeugt: Herisauer Gemeinderat streicht die Wintersportlager nun doch nicht

Vier von fünf Fraktionen im Herisauer Einwohnerrat sprachen sich gegen die geplante Streichung der Schneesportlager auf 2024 aus. Der Gemeinderat kommt dem Wunsch nach und sieht von der kritisierten Sparmassnahme ab.

Ramona Koller
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Die Herisauer Oberstufenschülerinnen und -schüler müssen künftig nun doch nicht auf ihr Schneesportlager verzichten.

Die Herisauer Oberstufenschülerinnen und -schüler müssen künftig nun doch nicht auf ihr Schneesportlager verzichten.

Symbolbild: Donato Caspari

Als Massnahme im Entlastungsprogramm hat der Gemeinderat Herisau einen Verzicht auf die Wintersportlager der Oberstufe ab dem Jahr 2024 beschlossen. Damit hätten jährlich 55’000 Franken eingespart werden sollen. Bereits im Vorfeld der Einwohnerratssitzung vom 7. Dezember führte der Beschluss zu Diskussionen.

In einem Artikel in der «Appenzeller Zeitung» weibelten die ehemaligen Einwohnerratsmitglieder Claudia Graf und Christian Oertle für die Weiterführung der Wintersportlager der ersten Oberstufe. Graf störte sich an der Streichung, weil der Ausgabeposten Wintersportlager bereits etliche Hürden gemeistert habe. «Er wurde 2019 explizit vom Einwohnerrat aufgenommen und genehmigt.» 2020 war durch die Lehrerschaft, die zum grossen Teil dahinterstehe, alles organisiert, stattfinden konnte das Lager wegen des Lockdowns dann nicht und auch die Ausgabe 2021 fiel wegen Corona ins Wasser. Erst letzten Winter klappte es. Die Rückmeldungen seitens der Schülerinnen und Schüler seien äusserst positiv ausgefallen, sagte Schulleiter Michael Häberli gegenüber der «Appenzeller Zeitung».

Unterstützung in ihrem Anliegen erhielt Graf von Christian Oertle, Kantonsrat und ehemaliger Präsident der SVP Herisau. Obwohl sie politisch zwei verschiedenen Lagern angehören, setzten sie sich gemeinsam für die Zukunft des Wintersportlagers ein. Sie sprachen mit der zuständigen Gemeinderätin und führten zig Telefonate mit Lehrpersonen und Politvertretern und wandten sich per E-Mail an die Mitglieder des Einwohnerrates. Mit Erfolg, wie sich nun zeigen sollte.

In der Einwohnerratssitzung führte das Thema zu Diskussionen. Vier von fünf Fraktionen sprachen sich in ihren Eintretensvoten gegen die Streichung der Schneesportlager aus. Argumentiert wurde vor allem mit dem sentimentalen Wert und den Erinnerungen, welche solch ein Lager für die Schülerinnen und Schüler darstelle.

«Diese Voten haben uns dazu bewogen, unseren Entscheid zu überdenken», erklärt Irene Hagmann, zuständige Gemeinderätin für das Ressort Schule. Der Gemeinderat hat daraufhin beschlossen, die Schneesportlager nun doch beizubehalten. Die Streichung wurde aus der aktuellen Fassung des Finanzplans 2024 bis 2026 entfernt.

«Natürlich tut uns jede Streichung weh», sagt Hagmann. Da es sich beim Schneesportlager um kein gesetzlich vorgeschriebenes Lager handelt, habe sie es im Rahmen des Entlastungsprogramms konsequenterweise zur Streichung vorschlagen müssen. «So geht es den anderen Gremiumsmitglieder in ihren Ressorts auch», erklärt Hagmann.

An der Einwohnerratssitzung wurde in einem Votum einer Fraktion festgestellt, dass die Fraktionen den Gemeinderat immer zum Sparen auffordern und sich dann aber dagegenstellen, wenn tatsächlich etwas gestrichen werden soll. Hagmann sagt dazu: «Wir führen aus, was der Einwohnerrat entscheidet. Der Einwohnerrat gibt uns die Aufträge. Wir werden auch weiterhin miteinander diskutieren. Das letzte Wort hat aber immer der Einwohnerrat als gewählt Volksvertretung», so Hagmann.

Ob und wo die 55’000 Franken doch noch eingespart werden sollen, könne man noch nicht sagen. «Wir werden auch im nächsten Budget und in der nächsten Version des Finanzplans wieder schauen müssen, wo wir etwas einsparen können», so Hagmann