Jugendliche auf der Strasse treffen

KIRCHBERG. Kirchberg ist von der Bevölkerungszahl her gesehen ähnlich gross wie Wattwil. Dennoch unterscheiden sich die beiden Gemeinden – gerade auch in der Jugendarbeit. Pietro Giuri, Jugendarbeiter der Gemeinde Kirchberg, legt einen grossen Stellenwert auf die aufsuchende Jugendarbeit.

Sabine Schmid
Drucken

KIRCHBERG. Kirchberg ist von der Bevölkerungszahl her gesehen ähnlich gross wie Wattwil. Dennoch unterscheiden sich die beiden Gemeinden – gerade auch in der Jugendarbeit. Pietro Giuri, Jugendarbeiter der Gemeinde Kirchberg, legt einen grossen Stellenwert auf die aufsuchende Jugendarbeit. «Gerade in Bazenheid, wo ein grosser Teil der Bevölkerung Migrationshintergrund hat, gibt es viele Treffpunkte im öffentlichen Raum», sagt Pietro Giuri. Um die Niederschwelligkeit zu bewahren, sucht er die Jugendlichen dort auf. Er erwartet nicht, dass sie zu ihm in den Jugendraum oder gar in sein Büro kommen.

Von Kindesalter an

Weil viele in Bazenheid einen anderen kulturellen Hintergrund und entsprechend auch eine andere Erziehung als Schweizer haben, spricht Pietro Giuri Jugendliche nicht erst in der Oberstufe an. «Das Angebot beginnt früher, indem der Jugendtreff am Mittwochnachmittag bereits für Kinder ab der Mittelstufe offen steht», sagt Pietro Giuri. So gelingt es ihm, bereits frühzeitig mit den Kindern in Kontakt zu treten. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit in der Gemeinde kennt er die meisten Jugendlichen von klein auf. Er nimmt sich ihnen auch an, nachdem sie die obligatorische Schulzeit abgeschlossen haben. «Auch diese brauchen jemanden, dem sie sich anvertrauen können», erklärt Pietro Giuri. Er investiert daher viel Zeit in die Pflege dieser Beziehungen. Neben wertvollen und meist konstruktiven Beratungsgesprächen versuchen manche Jugendliche auch, die Grenzen auszuloten; vor allem im Gruppenverhalten, das heisst, in ihrer Clique, wo sie sich besonders stark fühlen. Wichtig sei daher, ihnen gewisse Grenzen aufzuzeigen. Vereinzelt überschreiten sie diese Grenzen dennoch. Auch wenn er oftmals ein Auge zudrückt, alles lasse er sich nicht gefallen. Meistens aber genügt eine Warnung. Ab und zu ist auch ein Brief an die Eltern sehr wirkungsvoll. Nur selten tue es not, auch juristische Schritte einzuleiten. Dies geschieht jedoch selten ohne Vorwarnung. «Ich gebe den Jugendlichen immer die Wahl, zum Beispiel sich zu entschuldigen oder ihr Fehlverhalten zu korrigieren bzw. wieder gutzumachen, denn letztlich sind sie selber für ihr Verhalten verantwortlich.» Mit Jugendlichen meint Pietro Giuri übrigens in erster Linie junge Männer. Die jungen Frauen aus dem islamischen Kulturkreis seien kaum auf der Strasse anzutreffen und können folglich weniger von der mobilen Jugendarbeit profitieren.

Rückhalt von der Gemeinde

Pietro Giuri betont, dass die Jugendarbeit und sein Engagement der aufsuchenden Jugendarbeit in der politischen Gemeinde verankert ist. Sein Büro der Fachstelle für Jugendfragen befindet sich im Gemeindehaus. Dies helfe ihm, den nötigen Respekt von den Jugendlichen und ihrem Umfeld zu erhalten.