Jubiläum
Schuss ins Schwarze dank Zusammenspiel von Kopf und Finger: Der Armbrustschützenverein Herisau Waldstatt feiert 150-Jahr-Jubiläum

An den kommenden zwei Wochenenden lädt der Armbrustschützenverein Herisau-Waldstatt zu seinem Jubiläumsschützenfest ein. Rund 420 Sportlerinnen und Sportler aus 54 Sektionen werden im Schiessstand Chammerholz erwartet.

Mea McGhee Jetzt kommentieren
Drucken
Das Ziel befindet sich in 30 Meter Entfernung.

Das Ziel befindet sich in 30 Meter Entfernung.

Bild: Tobias Garcia

Zwei Kissen sorgen für eine bequeme Kniendposition und Stabilität. Der Pfeil ist eingespannt. Das rechte Auge blickt durchs Visier, sucht das Zentrum der Zielscheibe. Diese ist 30 Meter entfernt. Der linke Ellbogen stützt auf dem linken Knie ab, die linke Hand die Armbrust. Die wiegt gut sieben Kilogramm und liegt für die Anfängerin auf einem Gestell auf. Nun gilt es, die Wasserwaage des Visiers ins Gleichgewicht zu bringen. Bei jedem Atemzug wiegt das Luftbläschen hin und her. «Wenn es passt, kannst du den Finger vorsichtig bis an den Abzugspunkt bringen», sagt Ernst Zellweger.

Vereinsfusion nach Hochwasser

Der erfahrene Armbrustschütze präsidierte bis 2012 den Verein aus Waldstatt, gewann schon grosse Feste, war Schweizer Seniorenmeister und trifft regelmässig ins Zentrum. Nachdem ein Hochwasser 2011 den Schützenstand in Waldstatt zerstört hatte, wurde die Fusion mit den Armbrustschützen aus Herisau beschlossen. Deren Verein wurde 1871 gegründet und ist damit nur vier Jahre jünger als jener von Stein, der sich ältester Armbrustschützenverein der Schweiz nennen darf.

Ralf Zellweger, Präsident Armbrustschützenverein Herisau-Waldstatt.

Ralf Zellweger, Präsident Armbrustschützenverein Herisau-Waldstatt.

Bild: PD

Seit März steht Sohn Ralf Zellweger dem Armbrustschützenverein Herisau-Waldstatt (ASV) vor. Der Präsident darf im ersten Amtsjahr gleich zum Jubiläumsfest einladen. Eigentlich hätte das 150-jährige Bestehen 2021 gefeiert werden sollen. Wegen Corona wurde das Jubiläumsschiessen im Herisauer Schiessstand Chammerholz aber auf die Wochenenden vom 10. bis 12. sowie 17. bis 19. Juni verschoben.

Rund 420 Schützinnen und Schützen aus 54 Sektionen werden erwartet. Am Anlass besteht die Möglichkeit, den Jubiläumsstich zu schiessen. 150 Punkte mit sechs Pfeilen sind das Ziel. Ab 149 Punkten wartet ein drei Kilogramm schwerer Biber. Am Samstag, 11. Juni, lädt der Verein ab 17 Uhr im Schützenhaus Chammerholz zur «Schütze-Night» mit Musik, Getränken und Speisen.

Schiessen ohne Auflage ist anspruchsvoll

Für die Anfängerin geht es derweil mit der Vorbereitung auf die erste Pfeilabgabe weiter. Die Blase der Wasserwaage ist eingemittet, der Finger am Abzugspunkt. Nun gilt es, Ruhe zu bewahren. Atmen, nicht bewegen, atmen. Dass der rechte Fuss einschläft, darf nicht stören, ebenso wenig die Sonne, die plötzlich blendet.

«Stabilität, Ruhe, mentale Stärke, Zusammenspiel von Kopf und Finger, Körperkontrolle», nennt Ernst Zellweger die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Armbrustschütze benötigt. Besonders anspruchsvoll ist das Schiessen ohne Auflage und stehend ist es noch schwieriger als kniend. «Es braucht viel Training, bis man regelmässig die Zehn trifft», sagen Vater und Sohn Zellweger.

Ralf Zellweger bereitet sich auf die Schussabgabe vor.

Ralf Zellweger bereitet sich auf die Schussabgabe vor.

Bild: PD

Letzterer hat mit zehn Jahren begonnen, als er ohne Podest das Ziel noch nicht anvisieren konnte. Armbrustschiessen sei familienfreundlich, finden Zellwegers. Die Sportart sei ruhig, die Vereinsmitglieder können ihre Trainingszeit frei wählen und in der Schützenstube werde die Gemeinschaft gepflegt.

Training im Sommer und im Winter möglich

Der Schiessstand Chammerholz verfügt über 16 30-Meter-Scheiben. Im Winter wird indoor über 10 Meter geschossen. Der ASV Herisau-Waldstatt zählt rund 30 Aktivmitglieder von den Jungschützen bis zu den Veteranen. Sportlich messen sich die Aktiven in der höchsten von vier Schweizer Ligen und der Nachwuchs unter der Leitung von Bruno Müller liebäugelt mit einer Medaille an den Schweizer Meisterschaften. Wer die Sportart kennen lernen möchte, sei eingeladen reinzuschnuppern, sagt der Vereinspräsident. Armbrust und Bekleidung können beim Vereinsbeitritt gemietet werden.

Für den Probeschuss kommt die Anfängerin ohne die stützende Bekleidung und die Spezialschuhe mit flacher Sohle aus. Der 30 Gramm leichte Pfeil wurde von Ernst Zellweger mit dem Spannhebel aufgezogen. Rund 120 Kilogramm Zug liegt auf der Sehne. Ernst Zellweger sagt:

«Bei der Schussabgabe ist der Pfeil rund 200 Stundenkilometer schnell.»

Zaghaft zieht die Autorin den Abzug durch. Es gibt einen leichten Rückstoss und schon ist der Aufprall zu hören. Wo der Pfeil gelandet ist? Keine Ahnung. Per Knopfdruck fährt die Scheibe zurück zum Schiessstand. Eine Zehn ist es zwar nicht, aber immerhin ins Schwarze ging der Pfeil.

0 Kommentare