Attraktion
Fast so viele Kühe, wie das Dorf Einwohner hat: Hundwil feiert mit einer Jubiläumsviehschau

Die Viehzuchtgemeinschaft Hundwil feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist am Samstag im Hinterländer Dorf eine Viehschau der Superlative geplant.

Karin Erni
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Die Viehschau Hundwil wird dieses Jahr nicht wie gewohnt auf dem Landsgemeindeplatz durchgeführt.

Die Viehschau Hundwil wird dieses Jahr nicht wie gewohnt auf dem Landsgemeindeplatz durchgeführt.

Karin Erni

«Rund 800 Stück Vieh sind am Samstag angemeldet. Das ist doppelt so viel wie normal», sagt Gemeinderat Jakob Knöpfel. Er ist Mitglied des OK Jubiläumsviehschau, das den Anlass organisiert. Weil eine solche Menge an Tieren nicht auf den Landsgemeindeplatz passt, wird die Schau für einmal auf den Platz hinter der ehemaligen Post verlegt. «Dort dürfen wir die Infrastruktur der Firma Höhibau kostenlos nutzen, wofür wir sehr dankbar sind», so Knöpfel. Der Schaubogen, durch den aufgefahren wird, wurde angepasst und von den Landfrauen festlich geschmückt.

Strassensperrung am Morgen

27 Bauernfamilien aus Hundwil haben sich für die Schau angemeldet. 19 davon werden sennisch auffahren, was die zahlreichen Hobbyfotografen aus nah und fern freuen dürfte. Die Viehschau Hundwil zieht auch in normalen Jahren viel Publikum an, liegt sie doch an der stark frequentierten Einfallsroute nach Appenzell. Dieses Jahr sollten sich die Besucherinnen und Besucher aber frühzeitig auf den Weg machen, rät Knöpfel. «Wir haben vom Bund die Erlaubnis bekommen, die Hauptstrasse zwischen 8 und 9 Uhr zu sperren. Die Feuerwehr wird eine grossräumige Umfahrung signalisieren.»

Jakob Knöpfel, OK Jubiläumsviehschau.

Jakob Knöpfel, OK Jubiläumsviehschau.

Bild: PD

Verliehen werden am Samstag verschiedene Missen-Titel. Nebst den obligaten Schöneuter-Preisen werden die schönsten Exemplare der Rassen Original-Braunvieh und Brown-Swiss ausgezeichnet. Auch eine Zellzahl- und eine Fruchtbarkeitsmiss soll es geben. Doch nicht nur Kühe werden aufgefahren. Zur Freude des Publikums werden auch zehn Stiere sowie zahlreiche Geissen ausgestellt. Ein weiterer Zuschauermagnet ist jeweils die Jungzüchterschau, die dieses Jahr 28 angemeldete Kinder verzeichnen kann. «Für den Bauernnachwuchs ist also gesorgt», sagt Jakob Knöpfel schmunzelnd. Er weist auf eine weitere Neuerung hin: So werden dieses Jahr in Hundwil erstmals sogenannte Betriebslatten organisiert. «Das heisst, nach der eigentlichen Rangierung werden die Tiere der Betriebe wieder zusammengebunden», erklärt Knöpfel. «Es ist für die Besucher sehr interessant zu sehen, welche Zuchtziele die einzelnen Bauern verfolgen und wie sich ihre Herden präsentieren.»

Attraktives Rahmenprogramm

Wer genug Kühe angeschaut hat, kann sich im Festzelt ohne Zertifikatspflicht verpflegen. Auch die umliegenden Wirtschaften bereiten sich mit Tischen im Freien und in Zelten auf den Besucheransturm vor. Weiter wird eine reichhaltige Tombola organisiert. Natürlich darf an der Jubiläumsschau auch der traditionelle Warenmarkt nicht fehlen, an dem Gross und Klein etwas «chrömlen» kann. Auch den jüngsten Besuchern wird es nicht langweilig werden. Für sie soll es Ponyreiten und weitere Attraktionen geben. Im Gegensatz zu früheren Jahren finden Viehschau und Warenmarkt auf derselben Strassenseite statt, was die Verkehrsregelung vereinfacht und die Gefahr für die Fussgänger minimiert. Einem unbeschwerten Viehschautag steht also nichts im Weg.

Gelegenheiten, den Viehschau-Batzen loszuwerden, gibt es einige.

Gelegenheiten, den Viehschau-Batzen loszuwerden, gibt es einige.

Bild: Karin Erni

Eine der jüngeren Viehzuchtgemeinschaften

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Appenzellerland mehrere Viehzuchtgemeinschaften gegründet. Ihr Ziel war es, die Braunviehzucht zu verbessern. Im Jahr 1897 gründeten vier Landwirte das erste Mal eine Genossenschaft in Hundwil. Sie verkauften für 20 Franken Anteilscheine. Zum Preis von 950 Franken wurden die ersten zwei Stiere gekauft. Das Sprunggeld betrug einen Franken. 1904 fand in Hundwil die erste Viehschau mit 50 Tieren statt. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Genossenschaft aufgelöst. 1921 gab es einen Neustart mit 29 Mitgliedern. Der letzte Genossenschaftsstier wurde im Jahr 1977 gekauft, musste aber kurze Zeit später wegen der Rinderseuche IBR geschlachtet werden. Heute besteht die Genossenschaft aus etwa 40 aktiven Mitgliedern. (ker)