Innerrhoder Jagdknatsch
Ausserordentlicher Staatsanwalt kann untersuchen, ob Strafverfahren eröffnet wird – Bauherr Ruedi Ulmann begrüsst die Abklärung

Bauherr Ruedi Ulmann und Jagdverwalter Ueli Nef werden in einer Strafanzeige diverser Jagddelikte bezichtigt. Die Innerrhoder Standeskommission hat nun den ausserordentlichen Staatsanwalt dazu ermächtigt, die erforderlichen Abklärungen durchzuführen. Dieser wird prüfen und entscheiden, ob die Verfahren eröffnet werden.

David Scarano
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Zwischen einigen Jägern und der Innerrhoder Jagdverwaltung bestehen seit längerem Spannungen.

Zwischen einigen Jägern und der Innerrhoder Jagdverwaltung bestehen seit längerem Spannungen.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Gegen Bauherr Ruedi Ulmann und Jagdverwalter Ueli Nef sind vor einiger Zeit Strafanzeigen wegen angeblicher Jagddelikte eingegangen. Die Standeskommission hat unter Ausstand des betroffenen Regierungsmitglieds nun den ausserordentlichen Staatsanwalt ermächtigt, die erforderlichen Abklärungen durchzuführen. Dieser werde prüfen und entscheiden, ob die Strafverfahren eröffnet werden. Dies teilte die Standeskommission am Donnerstag mit.

Strafverfahren gegen Mitglieder einer Behörde und Mitarbeitende der Verwaltung wegen behaupteter Taten, die mit dem Amt zusammenhängen, dürfen in Innerrhoden gemäss Communiqué nur mit der Ermächtigung der Standeskommission geführt werden. Der eingesetzte ausserordentliche Staatsanwalt hatte daher bei der Standeskommission ein Ermächtigungsverfahren eingeleitet.

Der Baudirektor nimmt Stellung

Ruedi Ulmann.

Ruedi Ulmann.

Bild: PD

In einer separaten Medienmitteilung nimmt der beschuldigte Innerrhoder Baudirektor Stellung zu der nun erteilten Ermächtigung. Ruedi Ulmann teilt mit, dass er der Standeskommission mit Eingabe vom 9. Dezember «ausdrücklich beantragt» habe, dem ausserordentlichen Staatsanwalt die Ermächtigung zur Durchführung einer Strafuntersuchung gegen ihn zu erteilen.

Ulmann schreibt:

«Es war und ist mir ein Anliegen, dass die in jeder Hinsicht haltlosen Vorwürfe strafbaren beziehungsweise rechtswidrigen Verhaltens, welche an meine Adresse gerichtet werden, in einem rechtsstaatlich korrekten Verfahren abgeklärt und entkräftet werden und zwar lückenlos und endgültig.»

Entsprechend begrüsse er den von ihm ausdrücklich beantragten und unter Ausstand seiner Person gefällten Entscheid der Standeskommission. «Um die Arbeit des ausserordentlichen Staatsanwaltes nicht zu beeinträchtigen, werde ich bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens keine Medienanfragen beantworten», heisst es abschliessend.

Ueli Nef erklärt auf Anfrage, dass er den anstehenden Ermittlungen durch die ausserordentliche Staatsanwaltschaft positiv entgegensehe, zumal er davon ausgehe, «dass damit auch die Haltlosigkeit der verzeigten Vorhalte festgestellt werden kann».

Bericht entlastet Jagdverwalter

Die Strafanzeige war von einem Innerrhoder Jäger Ende August eingereicht worden. Dem Jagdverwalter wird darin unter anderem Tierquälerei und Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen. Ulmann wird beschuldigt, angeblich ohne Bewilligung und Berechtigung an einer Jagd im Banngebiet teilgenommen zu haben. Nef und Ulmann bestreiten die Vorwürfe.

Ähnliche Vorwürfe von Seiten zweier freiwilliger Jagdaufseher gegenüber dem Jagdverwalter waren bereits vorher publik geworden. Die Standeskommission setzte einen unabhängigen Fachexperten ein. Dessen Untersuchung ergab gemäss Landammann Roland Dähler, dass es zu keinen strafbaren Handlungen oder fachlichen Versäumnissen gekommen war. Die Standeskommission beendete die Zusammenarbeit mit den Jagdaufsehern auf Ende November 2021. Für Ueli Nef und Ruedi Ulmann gilt die Unschuldsvermutung.