«Ich habe zehn Minuten gezittert»

Zusammen mit 22 Gardisten ist am 6. Mai Yves Frei aus Walzenhausen vereidigt worden. Es war ein hoch emotionaler Moment im Leben des 21-Jährigen. Im Notfall wäre er bereit, für den Papst zu sterben. Frei sieht gute Gründe dafür.

Roger Fuchs
Drucken
Die neuen Schweizer Gardisten warten im Damaskushof des Apostolischen Palastes im Vatikan auf ihre Vereidigung. (Bild: KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Die neuen Schweizer Gardisten warten im Damaskushof des Apostolischen Palastes im Vatikan auf ihre Vereidigung. (Bild: KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

WALZENHAUSEN. Kirche und Glaube haben Yves Frei geprägt. Seit Jahren wirkt er als Ministrant und Lektor. Eine Ministrantenreise führte einst mitten ins Garde-Quartier. Seither liess ihn dieses Erlebnis nicht mehr los. Kommt dazu, dass Familie Frei ihre Ferien oft in Italien verbrachte. «Leben, Mentalität, Sprache und Essen – alles hat mir gefallen», sagt Yves Frei. Seit letztem November lebt er nun im Vatikan, den Job als Logistiker bei der Firma Just in Rheineck hatte er zuvor gekündigt. Frei ist Schweizer Gardist, einer von 110 Mannen der päpstlichen Leibgarde. Nach einer fünfwöchigen Ausbildungszeit übernahm er die ersten Dienste. Am 6. Mai wurden die Neuen vereidigt. Yves Frei: «Nach dem Schwur habe ich zehn Minuten nur gezittert.»

Papst mehrfach gegrüsst

Los ging der Tag der Vereidigung am Morgen mit einer Messe unter der Leitung des Kardinalstaatssekretärs, dem Zweithöchsten der katholischen Kirche. Eltern, Verwandte sowie Bundespräsident Johann Schneider-Ammann waren angereist, um am späteren Nachmittag bei der Vereidigung im Cortile di San Damaso dabei zu sein. «Ich war extrem nervös», sagt Yves Frei. «Im Moment des Schwurs habe ich einfach funktioniert.»

Der Papst ist bei der Vereidigung grundsätzlich nicht anwesend. Wohl auch deshalb, weil sonst alle Augen auf ihn gerichtet wären, vermutet Yves Frei. Gesehen hat er ihn hingegen schon mehrmals. Das Kontrollieren von Eingängen gehört schliesslich zu einer der Hauptaufgaben junger Gardisten. Dabei gibt es Posten, bei denen der Papst jeweils mit seinen Gästen vorbeikommt. In solchen Momenten könne man ihm per Handschlag einen schönen Tag wünschen. «Fünf- bis zehnmal konnte ich ihm sicher schon die Hand geben», sagt der Walzenhauser. Nach Zusatzprüfungen in Sachen Personen- und Ortskenntnissen sowie Dienstabläufen wird Frei auch für Einsätze im Palast oder im Nachtdienst aufgeboten werden. Wache jemand vor dem päpstlichen Zimmer, bestünde jeweils am Morgen durchaus die Chance auf eine kleine Unterhaltung.

Loyal und ehrlich

Mit der Vereidigung hat Yves Frei geschworen, dem Papst treu, loyal und ehrlich zu dienen und wenn erforderlich sein Leben hinzugeben. «Natürlich hofft niemand, dass es so weit kommt», sagt Yves Frei. Doch spätestens seit der Bewerbung wisse jedermann, dass es diesen Schwur zu leisten gelte. Für Yves Frei gibt es auch gute Gründe, diesen Weg zu gehen. In der Nähe des Papstes zu sein, gebe unheimlich viel Kraft. Es sei unbeschreiblich, welche Energie dieser Mensch ausstrahle. Auch immer wieder von neuem erstaunt den Gardisten, wie allein schon die Präsenz des Heiligen Vaters Menschen zu Tränen rührt.

Natürlich, so Yves Frei, sähe er auch zwei, drei Punkte, bei denen sich die Institution Kirche verändern sollte. Konkreter werden will er aber nicht und verweist auf die Loyalität, die er gegenüber seinem Chef geschworen hat.

Freundin in der Schweiz

Nach acht Monaten im Einsatz wird Yves Frei erstmals Ferien machen können. Das ist im Juni der Fall.

Seine gesamte Zeit in der Schweizer Garde dauert 25 Monate, also bis Ende November 2017. Verlängern wird er kaum. Zum einen habe er eine Freundin in der Schweiz, zum anderen seien zwei Jahre eine gute Zeit für neue Erfahrungen.