Herisau
Neuer Wohn- und Gewerberaum plus ein «Dorfplätzli»: Überbauung Sandbühl wird konkret

Auf dem zentralen Platz hinter Post und Gemeindehaus in Herisau ist seit längerem ein grösseres Bauvorhaben geplant. Nun soll es endlich losgehen.

Karin Erni
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Modell der Überbauung Sandbühl von der Post aus gesehen.

Modell der Überbauung Sandbühl von der Post aus gesehen.

Bild: PD

Dieser Tage reicht die AG für städtisches Wohnen AGSW aus St.Gallen das Baugesuch für die Überbauung Sandbühl in Herisau ein. Auf dem zwischen Gemeindehaus, Post und Schmiedgasse gelegenen Areal sind 43 zeitgemässe Wohnungen mit 1 ½ bis 4 ½ Zimmern geplant. Insgesamt entstehen über 7000 Quadratmeter Wohnfläche und 1150 Quadratmeter Gewerbe- und Büroräume. Das gesamte Bauvolumen beträgt 32’000 Kubikmeter. Dank einer Tiefgarage mit 97 Plätzen können die bestehenden Parkplätze hinter dem Gemeindehaus in den Untergrund verlegt werden. Die dadurch entstehende Freifläche soll dereinst zu einer Art neuem Zentrumsplatz mit einer Linde und Sitzgelegenheiten werden.

Seit zehn Jahren in Vorbereitung

Seit 2011 hat die AGSW kontinuierlich die Gebäude rund um den Sandbühl aufgekauft. «Unser Ziel ist es, in Altstadtliegenschaften zu investieren und diese sinnvoll an heutige Ansprüche anzupassen», sagt Fredi Bürke, Leiter Immobilien der AGSW. «Entwicklung ist unser Schlüssel zum Erfolg.» Für das Projekt Sandbühl wurde kein Architekturwettbewerb durchgeführt. Stattdessen wurde mit einer Planungsgruppe gearbeitet, in welcher verschiedene Sachverständige von Gemeinde und Kanton, wie der Gemeindebaumeister, die kantonale Denkmalpflege, die Stiftung Dorfbild und die HTW Chur vertreten sind. Mittels dem kantonalen Angebot der Hausanalyse und in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege seien die Gebäude auf erhaltenswerte Elemente überprüft worden, erklärt Bürke. Das denkmalgeschützte Haus «Zur Lerche» an der Poststrasse 4 – eines der ältesten Gebäude in Herisau – ­wurde bereits renoviert und bleibt als Ganzes erhalten. Beim denkmalgeschützten Doppelhaus Schmiedgasse 5 und 7 wird eine Zwischenlösung angestrebt: Die originalen Holzfassaden mitsamt den Zimmern zur Schmiedgasse hin sowie die markanten Giebel bleiben stehen und werden mit einem neuen Wohnteil samt Lift ergänzt.

Durch die Verlegung der Parkplätze entsteht ein neuer Platz hinter dem Gemeindehaus.

Durch die Verlegung der Parkplätze entsteht ein neuer Platz hinter dem Gemeindehaus.

Erhalten, was erhaltenswert ist

Die Hausanalysen haben ergeben, dass die frühere Zeitungsdruckerei sowie das ehemalige Restaurant und Metzgerei Öchsli weichen müssen. Dies, weil die Bausubstanz schlecht ist und die Gebäude als nicht erhaltenswert eingestuft wurden. Für das Eckhaus (die frühere Zeitungsdruckerei bzw. Polizeiposten) haben Studierende der HTW Chur als Semesterarbeit total 14 Modellvarianten ausgearbeitet. Das Siegerprojekt von Michael Wagner wird nun realisiert. «Die Ersatzbauten werden in Holzbauweise im Appenzellerstil mit einem Kern aus Beton gebaut und sollen sich dereinst gut ins Gassenbild einfügen», sagt Fredi Bürke. Das hinter dem Postgebäude liegende Gebäude der Assekuranz AR wird in Betonbauweise in Richtung Gemeindehaus verlängert. Der entstehende Büroraum soll dereinst durch die AR Informatik AG genutzt werden.

Neuer Baum soll genügend Platz erhalten

Das Projekt Sandbühl wird Anfang 2022 öffentlich aufgelegt. Baubeginn soll in einem Jahr sein. Die reine Bauzeit ist mit zwei Jahren veranschlagt. Die Bauarbeiten zwischen den bestehenden Gebäuden mit viel Publikumsverkehr dürften knifflig sein, räumt Bürke ein. «Wir planen die einzelnen Bauetappen sehr genau, so dass es zu möglichst geringen Beeinträchtigungen kommt, aber ganz vermeiden lassen sie sich natürlich nicht.» Für die Tiefgarage wird hinter dem Gemeindehaus eine etwa zehn Meter tiefe Grube ausgehoben. Die Bauarbeiten sind in verschiedenen Etappen geplant, somit kann den betroffenen Nachbarn ihre Zufahrt zu den ihren Häusern und Garagen jederzeit gewährt werden. Der Baum hinter dem Gemeindehaus wird wegen dieser Bauarbeiten zwar gefällt, wird aber durch eine neue – ebenso grosse – Winterlinde ersetzt. «Um das Wachstum des Baumes zu gewährleisten wird in der Tiefgarage über zwei Etagen ein Wurzelraum von etwa 200 Kubikmetern gewährt, erklärt Bürke.

Gemeinde ist erfreut über Projekt

Max Eugster, Gemeindepräsident Herisau

Max Eugster, Gemeindepräsident Herisau

PD

Gemeindepräsident Max Eugster war bereits als Gemeinderat in die Vorabklärungen der Überbauung involviert. Er kann dem Projekt nur Gutes abgewinnen: «Die Bauherrschaft geht sehr sensibel mit der Situation im historischen Dorfkern um und lässt so viel wertvolle Bausubstanz wie möglich bestehen.» Dass durch die Abbrüche künftig zu wenig günstiger Wohnraum zur Verfügung stehen wird, befürchtet Eugster nicht. «Herisau hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil Altbauten und es fehlt zeitgemässer Wohnraum für Familien.» Die neuen Gebäude mit Gärten und Sitzplätzen machten das attraktive Wohnen im Zentrum möglich, sagt Eugster und ergänzt: «Die Gemeinde verkauft der AGSW das Gebäude der ehemaligen Druckerei der Appenzeller Zeitung sowie den heutigen Parkplatz und sichert für einen einmaligen Betrag eine Anzahl Tiefgaragenplätze für die Öffentlichkeit. «Das ist für Herisau ebenfalls positiv.»