HEIDEN: Ein Doktor für Schuhe und Uhren

Der Familienbetrieb Schuhmacherei Wachter in Heiden wurde 1891 gegründet. Seit 20 Jahren führt Simon Wachter diese Tradition gleich in doppelter Funktion weiter – als Schuh- und Uhrmacher.

Peter Eggenberger
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Simon Wachter aus Heiden verhilft Schuhen und Uhren zu einem zweiten Leben. (Bild: Peter Eggenberger)

Simon Wachter aus Heiden verhilft Schuhen und Uhren zu einem zweiten Leben. (Bild: Peter Eggenberger)

HEIDEN. Heiden war lange vor dem Ersten Weltkrieg auch in Süddeutschland ein Begriff, und nebst zahlreichen Kurgästen machten sich immer auch Handwerker auf den Weg in die blühende Metropole des Appenzeller Vorderlandes. Auch Paul Wachter aus Biberach bei Ulm gehörte dazu, und 1891 eröffnete er an der Badstrasse eine Schuhmacherei.

Start im Haus eines Zahnarztes

Später verlegte er die Werkstatt ins Haus «Harmonie» im Ortszentrum. 1913 konnte er das benachbarte stattliche Haus eines Zahnarztes erwerben, das auch heute Geschäftsdomizil ist. Sohn Hermann trat in den 1920er-Jahren in die Fussstapfen seines Vaters, um das Geschäft 1930 voll zu übernehmen. Als Vertreter der dritten Generation folgte 1956 Daniel Wachter, der dem Beruf und der Werkstatt während vollen vierzig Jahren die Treue hielt.

Ausbildung zum Uhrmacher

Simon Wachter, der 1958 geborene Sohn von Daniel und Loni Wachter-Schmid sowie Urenkel von Firmengründer Paul, absolvierte bei Studer und Hänni AG, St. Gallen, eine vierjährige Ausbildung zum Uhrmacher-Rhabilleur. Nach einigen Jahren der Praxis – gut fünf Jahre lang bei Uhren Frei in Heerbrugg – entschied er sich für die Rückkehr zu den beruflichen Wurzeln der Familie.

Handwerk im Wegwerf-Zeitalter

1992 begann er bei Max Lüchinger in Montlingen eine Schuhmacher-Lehre, die er 1995 erfolgreich abschloss. 1996 erfolgte die Übernahme des traditionsreichen Familienbetriebs, und heute gehört Simon Wachter weit und breit zu den wenigen Vertretern des aussterbenden Schuhmacherhandwerks.

Weil im heutigen Wegwerf-Zeitalter Schuhe immer weniger zur Reparatur gebracht werden, schaffte sich Simon mit Reparaturen von Grossuhren ein zweites Standbein. «Im Gegensatz zu Schuhen sind Stuben- und Wanduhren, Pendulen, Regulatoren oft wertvolle Erinnerungs- und Erbstücke, die nicht einfach leichtfertig entsorgt werden», sagt Wachter. «Und immer wieder kommt es zu erfreulichen Synergien: Wer eine Uhr bringt, hat oft auch seine Lieblingsschuhe zum Reparieren dabei. Und weil es heute in vielen Gemeinden weder einen Schuh- noch Uhrmacher gibt, wird diese doppelte Dienstleistung sehr geschätzt.»