Harmonie in Klang und Stille

Über 100 Personen nahmen an der Abendveranstaltung «Beton(t)», einem Spaziergang von der Klangschmiede zum Betonwerk Starkenbach, teil. Mit dem Verzicht aufs Reden wurden Stille und Klang zum Erlebnis.

Adi Lippuner
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Auf der Abendwanderung «Beton(t)» geniessen die Menschen die Stille zwischen Alt St. Johann und Starkenbach. (Bilder: Adi Lippuner)

Auf der Abendwanderung «Beton(t)» geniessen die Menschen die Stille zwischen Alt St. Johann und Starkenbach. (Bilder: Adi Lippuner)

ALT ST. JOHANN. Dienstagabend kurz vor 20 Uhr: Vor der Klangschmiede wird die wartende Gruppe immer grösser. Noch ist angeregtes Plaudern zu hören, allerdings übertönt vom Rauschen des Baches. Die meisten halten ein oranges Blatt in den Händen, darauf die Aufforderung «Horchen Sie!» Dazu die Worte: «Ich vermute, Sie sprechen gerne. Menschen sprechen gerne. Doch versuchen Sie sich bis nach der Aufführung auf das Hören zu konzentrieren.»

Erwartungsvolle Menschen

Mit dem Abmarsch kurz nach 20 Uhr setzt sich ein langer Zug erwartungsvoller Menschen in Bewegung. An der Spitze Klangwelt-Intendantin Nadja Räss. Nach wenigen Schritten dann das erste Klangerlebnis. Die Gebrüder Christian und Niklaus Forrer sind mit Senntumschellen unterwegs. Sie bewegen sich rhythmisch zwischen den Wandernden, der Klang ist zuerst kräftig, wird dann aber immer leiser. Ein Stück weiter ist Gesang zu hören. Tamilla und Valentina, bekannt als O Thiasos aus Italien, singen auf der alten Steinbrücke. Sie gehen auf die Wandernden zu und bewegen sich singend zwischen den Reihen.

Eine Herde Mutterkühe wundert sich über den menschlichen Tatzelwurm, der sich entlang der Thur bewegt. Während die Vierbeiner staunen, bewegen sich die Menschen in fast andächtiger Stille. Das leise Murmeln des Wassers ist zu hören und der Wind streicht sanft durchs Gras. Noch wenige Schritte über den schmalen Weg und dann erklingt aus der Ferne eine Trommel. Es ist Prosper N'Kouri, der auf der anderen Seite der Thur, etwas versteckt hinter den Büschen, steht.

Klang vom «Turm»

Der Weg führt über eine Brücke der Thur, dann wird nochmals ein schmaler Bach überquert und schon ist ein «Turmbläser», der hoch oben zwischen den Silos steht, zu hören. Die Gruppe ist beim Betonwerk angekommen, kann sich mit einem feinen Tee stärken und auf das bevorstehende Konzert freuen. Als Akteure sind beim Eingang die Gebrüder Forrer mit ihren Schellen aktiv. Im Gebäudeinnern hat sich Sounddesigner Florian Waespe bereit gemacht, der Bläser Balthasar Steiff (Alphorn/Büchel), der Perkussionist Prosper N'Kouri und die Sängerinnen von O Thiasos bestreiten das Überraschungsprogramm.

Getreu dem Motto «Horchen Sie!» werden die Anwesenden mit Klängen, die aus allen Ecken zu kommen scheinen, verwöhnt. Was wie ein zufälliger Mix wirkt, ist eine wohldurchdachte Choreographie und läuft nach Plan. Höhepunkt von «Beton(t)» ist der gemeinsame Tanz zum Schluss des Programms. Die Sängerinnen tanzen, nein, wirbeln durch die Zuhörenden, die ersten machen mit und nach wenigen Minuten tanzt mindestens die Hälfte der Anwesenden. Auf der Rückfahrt in den Bussen wird zwar wieder geredet, allerdings meist noch in gedämpfter Form. Zu hören sind Aussagen wie: «Das war ein rundum gelungener Abend und vor allem das Wandern in Stille hatte fast etwas Andächtiges.» «Beton(t)», die Abendveranstaltung im Rahmen der Naturstimmen, hat die Gäste beeindruckt und wird wohl noch lange nachklingen, respektive an Klang und Stille erinnern.

Auftritt der Sängerinnen von O Thiasos im Betonwerk Starkenbach.

Auftritt der Sängerinnen von O Thiasos im Betonwerk Starkenbach.

Gemeinsames Tanzen von Akteuren und Gästen.

Gemeinsames Tanzen von Akteuren und Gästen.