Grossauftrag
Unkaputtbar und leicht: Das Material für den neuen «Kämpfer» kommt aus Herisau

Die Textilfirma AG Cilander aus Herisau hat einen dicken Fisch an Land gezogen: Sie darf einen Teil des benötigten Tarngewebes für den Kampfanzug der Armee liefern.

Karin Erni
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Die AG Cilander beschäftigt 170 Mitarbeitende.

Die AG Cilander beschäftigt 170 Mitarbeitende.

Bild: PD

Vier Millionen Laufmeter Stoff benötigt die Schweizer Armee für die Herstellung des neuen Kampfanzugs. Das wohl wichtigste Bekleidungsstück der Dienstleistenden wird derzeit zusammen mit Schutzwesten und einem Trinksystem im Rahmen des Projekts Modulare Bekleidung und Ausrüstung (MBAS) beschafft. Das Parlament hat die Kredite für ein Beschaffungsvolumen von 348 Millionen Franken mit der Armeebotschaft 2018 genehmigt.

Mit der benötigten Menge an Tarngewebe für die Kampfbekleidung der Schweizer Armee liesse sich eine Stoffbahn zwischen Bern und der senegalesischen Hauptstadt Dakar auslegen. Einen guten Teil des Grossauftrags hat sich die Herisauer Traditionsfirma AG Cilander gesichert. Wie gross der Anteil konkret ist, dürfe gemäss Armeerichtlinien nicht kommuniziert werden, sagt CEO Burghard Schneider auf Anfrage. Weitere am Auftrag beteiligte Unternehmen sind die Altra Management AG aus Mitlödi, die E. Schellenberg Textildruck AG aus Fehraltorf sowie die Schoeller Textil AG aus Sevelen. Bei der EU-weiten Ausschreibung sind auch ein italienischer sowie ein belgischer Lieferant berücksichtigt worden.

Burghard Schneider, CEO AG Cilander.

Burghard Schneider, CEO
AG Cilander.

PD

Die Firma Cilander besteht seit über 200 Jahren. Der Betrieb war früher führend in der Herstellung hochwertiger Kleiderstoffe. Weil sich die Produktion der modischen Textilien zunehmend in den asiatischen Raum verlegte, konzentrierte sich Cilander vermehrt auf technische und funktionale Textilien für Industrie, Architektur, Autobau oder Schutzbekleidung. In diesem Bereich gehört die Firma europaweit zu den führenden Anbietern. Produziert wird in Herisau, Flawil und Lützelflüh. Die Firma sieht sich durch den Grossauftrag in ihrer Strategie bestärkt. «Es erfüllt uns mit Stolz, dass sich die Schweizer Armee für unsere wertigen und funktionalen Textilien entschieden hat und wir mit unserer Leistung einen Beitrag zur modernen Ausstattung der Armeeangehörigen leisten können», sagt Burghard Schneider. «Die Messlatte bei den Produkteigenschaften und der Qualität liegt sehr hoch. Das Tarngewebe muss höchste Reiss- und Schnittfestigkeit aufweisen. Es soll wasserabweisend, UV-beständig und obendrein leicht sein. Zudem dürfen ihm häufiges Waschen und lange Lagerung nichts anhaben.»

Armee hält Fäden in der Hand

Für die Herstellung des im bekannten «Vierfruchtmusters» bedruckten Stoffs für die Kampfbekleidung hatte Armasuisse verschiedene Lieferanten eingeladen, eine Offerte einzureichen. «Das Schweizer Verfahren ist schon etwas speziell und für uns ungewohnt», sagt Burghard Schneider. «Normalerweise bewerben wir uns direkt bei den Konfektionären, den Herstellern von Bekleidung und Ausrüstung.» Diese werden derzeit aber erst evaluiert. Die Armee nimmt den Stoff selbst ans Lager und lässt daraus später die Kampfanzüge fertigen. Das habe auch Vorteile, räumt Schneider ein. «Die Armee kann so über längere Zeit je nach Bedarf nachproduzieren lassen.»

Muster des neuen Materials der Kampfbekleidung.

Muster des neuen Materials der Kampfbekleidung.

Bild: PD

Sie hätten im Vorfeld Muster verschiedener Gewebequalitäten, die mit dem Tarnmuster bedruckt sind, einreichen müssen, erklärt der Textilfachmann. «Diese Muster wurden vom Bund anhand verschiedener im Vorfeld definierter Kriterien geprüft.» Sie hätten viel Vorarbeit geleistet, welche nun belohnt wurde, so Schneider.

«Wir verfügen über eine grosse Erfahrung dank Aufträgen für andere Armeen und Schutzorganisationen.»

Als Vorteil habe sich auch die bewährte Zusammenarbeit mit der Textildruckerei Schellenberg erwiesen, so Schneider. «Durch die Ausrüstung des Stoffs verändert sich das Druckbild. Da braucht es eine gute Abstimmung zwischen Ausrüster und Drucker.» Die Produktion der Kampfbekleidungstextilien läuft über drei Jahre. Die erste Auslieferung erfolgt im Januar 2022.

Die AG Cilander beschäftigt 170 Mitarbeitende. Neues Personal müsse die Firma zur Bewältigung des Auftrags nicht einstellen, sagt Burghard Schneider. «Wir sind uns gewohnt, projektbezogen zu arbeiten, und können die Belegschaft entsprechend einsetzen. Aber der schöne Auftrag sichert selbstverständlich die Arbeitsplätze in der Region.»