Glück im Unglück!

Mit der Pensionierung musste ich mich, wie viele andere Ehemänner auch, auf einschneidende Veränderungen in den alltäglichen Abläufen einstellen. So wusste ich zwar, dass ein Staubsauger Lärm macht.

Peter Abegglen
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Bild: Peter Abegglen

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Mit der Pensionierung musste ich mich, wie viele andere Ehemänner auch, auf einschneidende Veränderungen in den alltäglichen Abläufen einstellen. So wusste ich zwar, dass ein Staubsauger Lärm macht. Dass aber der Lärm nicht nur störend, sondern geradezu unerträglich sein kann, war mir neu. Bald hatte ich meine Liebste im Verdacht, immer dann und vorzugsweise um mein Pult herum Staub zu saugen, wenn ich am Computer voller Konzentration in wichtigste Recherchen vertieft war. Ich besann mich auf frühere Weiterbildungen, in denen psychologisch fundiert darauf hingewiesen wurde, wie man sich unvoreingenommen und sachlich mit Unangenehmem auseinandersetzen solle, Stichwort «internalisieren». Ich übernahm also das Staubsaugen und siehe da: Durch die Konzentration auf das absolut perfekte Staubsaugen vergass ich nicht nur das Störende am Lärm, er wurde mir sogar zur Musik. So höre ich mittlerweile am Geräusch, ob volle Saugkraft da ist oder ob nur Luft eingesaugt wird, profimässig halt. Kürzlich beim Saubermachen sah ich im Halbdunkel eine vermeintlich tote Fliege auf dem Boden, saugte sie ein und hörte ein feines, leises Klicken, Rasseln oder ähnlich, kurz ein ungewohntes Geräusch, wie wenn in einem Konzert ein Misston aufhorchen lässt. «Keine Fliege!», sagte ich mir, stoppte sofort den Staubsauger und ein Blick auf die Kommode bestätigte mir: Eines meiner Hörgeräte fehlte! Nach kurzem Wühlen im aufgeschlitzten Staubsaugersack fand ich das edle Stück, blies es von Staub frei, setzte es auf und liess mich vernehmen: «Schatz, ich habe ein Problem!» Die Antwort, «ich komme gleich!», vernahm ich deutlich aus der Waschküche, was mir zeigte, dass das Gerät die Funktionskontrolle bestanden hatte. Also alles bestens, und nach dem Einsetzen eines neuen Staubsaugersacks – unter gütiger Mithilfe meiner Liebsten – kam mir das Staubsaugergeräusch vor wie eine Sinfonie.

Die Bemerkung aus dem Familienkreis, ich solle mir eine bessere Brille kaufen, überhörte ich mit nunmehr aufgesetzten Hörgeräten absichtlich, schliesslich hatte ich ja Glück im Unglück. Und auch die Liebste konnte dem Vorfall einen positiven Aspekt abgewinnen: «Jetzt weisst du wenigstens, wie man Staubsaugersäcke wechselt.»

Bild: Peter Abegglen

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