Geschockte und traurige, traurige Mutter

MOGELSBERG. Kann man dieses Paar ernst nehmen oder muss man es? Die Kabarettisten Schertenlaib & Jegerlehner machten es dem Publikum am Freitag bei Kultur in Mogelsberg nicht leicht.

Michael Hug
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Keifen und sticheln und singen doch die schönsten Lieder aus dem Männerleben: Jegerlehner (Gerhard Tschan) und Schertenlaib (Michel Gsell). (Bild: Michael Hug)

Keifen und sticheln und singen doch die schönsten Lieder aus dem Männerleben: Jegerlehner (Gerhard Tschan) und Schertenlaib (Michel Gsell). (Bild: Michael Hug)

MOGELSBERG. Kann man dieses Paar ernst nehmen oder muss man es? Die Kabarettisten Schertenlaib & Jegerlehner machten es dem Publikum am Freitag bei Kultur in Mogelsberg nicht leicht. «Sad, sad Mom» singt Jegerlehner, traurige Mutter, und zerdehnt den Refrain zum irrwitzigen Bassgedöns à la Johnny Cash, nur viel tiefer in der Tonlage noch, so dass dem Sänger fast der Ton im Hals stecken bleibt.

Die Geschichte, die Schertenlaib und Jegerlehner beschreiben, ist ja auch traurig genug, so traurig und zugleich geschockt wie die Mutter, als sie miterleben musste, was die beiden trieben im Zelt in Tenero am Lago Maggiore, damals. Oder war's in Los Angeles, dereinst als «we where fourteen» und Jegerlehner am dritten Abend vergass, nach Hause zu telefonieren. «Am nöchschte Morge isch d'Mueter dagschtande» und war «sad».

Gekeiftes Hintersinniges

Fein dosierte Sticheleien, exakt gesetzte Pointen und gekeiftes Hintersinniges verlässt die polierten Läufe der beiden Männer Gerhard Tschan (Jegerlehner) und Michel Gsell (Schertenlaib). «Wir sind zwei im besten Alter», sangen Schertenlaib und Jegerlehner einst 2012 an selber Stelle im «Rössli», Mogelsberg, «das heisst, unsere besten Jahre sind vorbei». Natürlich sind die besten Jahre noch nicht vorbei, im Gegenteil, es scheint, als hätten Schertenlaib/Jegerlehner die Zukunft noch vor sich. Die beiden Berner werden mit jedem Programm besser, die Säle immer voller und der Kampf gegen geschwurbelt oberflächlich herbeigeschriebene Comedy ist schon bald gewonnen. Auch im «Rössli», zum Saisonauftakt von Kultur in Mogelsberg KiM, war der Saal am Samstagabend voll.

Kann man dieses Paar ernst nehmen oder muss man es? Natürlich muss die Frage nicht beantwortet werden. Man kann sich ja auch einfach nur unterhalten lassen. «Är schwitzt liecht», zündelt Schertenlaib, «er schwitzt liecht, also starch, und sofort, är schwitzt wiene Chue, er isch ä Chueschwitzer!» «I bin ä freie Schwitzer, i läbä imene freie Schwitzerland, muesch emel ned so tue, i cha schwitze, so vill wien ii will.» Darauf Schertenlaib zum Publikum: «Är schwitzt inne und usse, er isch ä Innerschwitzer und ä Üsserschwitzer!» Ein Wort gibt das nächste, zwei keifende Männer, wortgewandt stichelnd, dabei stets ein Grinsen auf den Stockzähnen, das Publikum hört zu und tobt.

Nonchalant und katzengleich

S&J kamen nach 2012 bereits zum zweitenmal nach Mogelsberg. Das Publikum hatte schon vor vier Jahren ausgesprochene Sympathien für die beiden Kabarettisten entwickelt. Für Jegerlehner, den emotionalen Bonvivant, weil er ganz nonchalant und katzengleich über alle Klippen zwischenmenschlicher Abgründe huscht. Für den trockenen Schertenlaib, den steten Pechvogel, Dorfbankschalterangestellten, weil er einem leid tut in seinem widrigen Schicksal, dem er sich stellen muss.

Beide aber machen Hoffnung und machen gut, was sie permanent zertrümmern – mit einem eineinhalbstündigen Potpourri wunderschön schräger Lieder mit Gesang, Akkordeon, Schlagzeug und Ukulele, unterlegt mit Melodien von Blues bis Tango, Reggae und Schweizer Ländler.