Gesamterneuerungswahlen
Katrin Alder sichert sich SP-Unterstützung – Yves Noël Balmer ist offiziell Landammann-Kandidat

Die SP Ausserrhoden unterstützt die Regierungskandidatur von Katrin Alder, vorausgesetzt die FDP nominiert die Herisauer Kantonsrätin nächste Woche offiziell. Yves Noël Balmer hat als Landammann-Kandidat die Nomination per Akklamation erhalten.

David Scarano
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Katrin Alder, die bislang einzige Kandidatin für die Nachfolge von Regierungsrat Paul Signer.

Katrin Alder, die bislang einzige Kandidatin für die Nachfolge von Regierungsrat Paul Signer.

Bilder: David Scarano

Die Gesamterneuerungswahlen in Ausserrhoden nehmen Fahrt auf. FDP-Politiker Paul Signer tritt als einziger Regierungsrat 2023 nicht mehr an. Mit Parteikollegin Katrin Alder steht eine klare Favoritin bereit. Allerdings entscheiden die Freisinnigen erst am kommenden Donnerstag, wen sie offiziell ins Rennen schicken. Am Mittwochabend konnte Alder bei den Sozialdemokraten aber bereits punkten.

Auf Einladung der SP AR stellte sie sich am ausserordentlichen Parteitag im Casino Herisau den Genossen vor. Die Mitglieder sprachen sich eindeutig für eine Nomination aus, vorausgesetzt, die FDP hievt die Herisauerin aufs Schild. Das gilt als wahrscheinlich, wie SP-Präsident Jens Weber sagte.

«Ich habe mit allen Parteipräsidenten gesprochen. Es ist keine andere Kandidatur in Sicht.»

Für Lohngleichheit und Vierervorschlag

Katrin Alder erläuterte unter anderem, warum sie nun bereit für ein Regierungsamt sei. Die Kantonsrätin war in der Vergangenheit bei wichtigen Vakanzen regelmässig als aussichtsreichste Kandidatin gehandelt worden. Weil unter anderem der familiäre Freiraum zugenommen habe, sei der Wunsch gewachsen, sich zu konzentrieren. Das führte zur Frage: Beruf oder Politik: «Das Timing stimmt. Ich habe Lust auf die interessante und anspruchsvolle Tätigkeit.» Sie habe sich mit dem Anforderungsprofil auseinandergesetzt.

«Es ist ein breites und buntes Spektrum, das mir entspricht: Ich bin Generalistin.»

In der anschliessenden Fragerunde war die politische Positionierung innerhalb der FDP von Interesse. Alder sagte, finanzpolitisch vertrete sie die Haltung, nur das auszugeben, was man einnehme. Sozialpolitisch sprach sie sich für ein Miteinander aus und verwies auf ihren Werdegang. So war sie Gründungspräsidentin der Spitex Ausserrhoden.

Bezüglich Frauenfrage machte sie sich für Lohngleichheit und Individualbesteuerung stark. Auf kantonaler Ebene sei das Wichtigste für sie, die grossen Herausforderungen mit den anstehenden Geschäften zeitnah und erfolgreich abzuschliessen. Sie machte deutlich, dass sie hinter dem eingeschlagenen Weg der Regierung steht. Sie sprach sich explizit für eine Reduktion der Anzahl Gemeinden von 20 auf vier aus. «Ich sehe die vier Gemeinden als Verwaltungseinheiten. Die Identität der ehemaligen 20 Gemeinden gilt es aber dennoch hochzuhalten und nicht zu verändern.»

Sportzentrum als Leichenhalle

Yves Noël Balmer will Landammann werden.

Yves Noël Balmer will Landammann werden.

Parteiintern stand im Casino die offizielle Nomination von Yves Noël Balmer im Mittelpunkt. Der Herisauer hat beste Chancen, 2023 der zweite Landammann aus den Reihen der Sozialdemokraten zu werden. Der SP-Anspruch und das Anciennitätsprinzip in der Regierung sind unbestritten. Eine Gegenkandidatur gibt es nicht. Im Casino erfolgte der erste offizielle Schritt auf dem Weg zum prestigeträchtigen Amt. Die SP nominierte den 43-Jährigen per Akklamation zum Kandidaten.

In seiner Ansprache ging der Gesundheits- und Sozialdirektor auf seine bisherige Amtszeit ein. Diese war geprägt durch zwei Grossereignisse: die Coronapandemie und die Flüchtlingswelle als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Corona sei in einer ersten Phase schwierig gewesen. Balmer erwähnte die Bilder aus Bergamo mit LKW voller Toter, die um die Welt gingen und zu Diskussionen in der Regierung führten, wenn es in Ausserrhoden zu ähnlichen Zuständen gekommen wäre:

«Es gab Sitzungen, in denen wir diskutierten, ob wir aus der Eishalle Herisau eine Aufbewahrungshalle machen könnten.»

Das seien Momente, die einen «durchschütteln», sagte Balmer. Dennoch sei er stolz auf seine Kollegen und sich, was sie trotz Coronakrise alles erreicht hätten. Er erwähnte den regierungsrätlichen Gegenvorschlag (vier statt 20) zur Gemeinde-Initiative und die mutige Verfassungsrevision, bei der die Regierung sich voll hinter den Entwurf der Kommission gestellt habe. Zu den möglichen Fusionen sagte er: «Wenn Ausserrhoden seine Eigenständig- und Zukunftsfähigkeit wahren möchte, dann müssen wir jetzt die Weichen stellen.» Er sei wirklich motiviert, den Landammann zu stellen, um diese grossen Kisten in «den Bahnhof zu fahren». «Unsere Jugend hat es verdient, in 20 Jahren einen Kanton zu erfahren, der lebenswert ist.»

Gemeinsamer Wahlzettel

Am meisten Diskussionen löste am Parteitag die Frage aus, ob sich der SP-Vorstand für einen gemeinsamen Wahlzettel aller Kandidaten und Parteien bei den Regierungsratswahlen einsetzen solle. Einige Mitglieder kritisierten, dass dies bei der Bevölkerung schlecht ankommen könnte. Etwa von «Päcklipolitik» war die Rede. Dem hielten die Befürworter entgegen, dass in Zeiten zunehmender Polarisierung Konsens wichtiger denn je sei. Man zeige, dass man gemeinsam Verantwortung übernehme. Die Mitglieder votierten schliesslich fast einstimmig für einen gemeinsamen Wahlzettel.

Am Parteitag stellte die SP zudem kurz das überarbeitete Schwerpunktprogramm vor, das neu auch die Digitalisierung thematisiert. So fordert die Partei, dass digitale Kompetenzen mit vielfältigen Angeboten für alle Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder von der öffentlichen Hand gefördert werden sollen.