Gemeinderating
Trotz attraktivsten Wohnorts im Appenzellerland: Schwende-Rüte misst Gemeinderating der «Handelszeitung» wenig Bedeutung zu

Im Gemeinderating 2022 der «Handelszeitung» gewinnt Schwende-Rüte. Schlechter als im Vorjahr benotet werden dagegen Speicher und Teufen. Die Bewertung findet allerdings nur wenig Zuspruch.

Selina Schmid
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Der Teilbezirk Rüte bekommt von der «Handelszeitung» die Bestnote für Ökologie.

Der Teilbezirk Rüte bekommt von der «Handelszeitung» die Bestnote für Ökologie.

Bild: Archiv APZ

Zum zweiten Mal publiziert die «Handelszeitung» ihr Gemeinderating. Es soll die Attraktivität von 944 Gemeinden und Bezirken aller Kantone in acht Kategorien messen. Unter den 100 attraktivsten Gemeinden oder Bezirken der Schweiz sind Schwende-Rüte, Speicher und Teufen. Allerdings schneidet Schwende-Rüte dieses Jahr deutlich besser ab als 2021, Speicher und Teufen schlechter.

Noch immer ist Teufen die attraktivste Gemeinde Ausserrhodens. 2021 landete die Gemeinde jedoch noch auf Rand 33, dieses Jahr nur noch auf Rang 96. Gemeindepräsident Reto Altherr sagt: «Das Ranking gibt uns Hinweise darauf, worauf die Menschen Wert legen und wie wir im Vergleich mit anderen dastehen. Der genaue Rang ist aber kaum spürbar.»

Nachfrage nach Wohneigentum macht sich in Teufen bemerkbar

Reto Altherr, Gemeindepräsident von Teufen.

Reto Altherr, Gemeindepräsident von Teufen.

Bild: Reto Martin

Gemäss «Handelszeitung» hat sich Teufen in der Kategorie Arbeitsmarkt verbessert. Berücksichtigt wurden dafür unter anderem die Anzahl Beschäftigter im Dienstleistungssektor, was ein Indikator dafür sei, wie entwickelt eine Region ist. Auch die Anzahl von Firmengründungen oder die Arbeitslosenquote wurden berücksichtigt. Letztere zeige, wie gut die Arbeitsmöglichkeiten und Wirtschaftskraft in der Umgebung sind. Schlechter schnitt Teufen in der Kategorie Wohnen und Immobilien ab: Die Gemeinde rutschte von Rang 110 auf Rang 175. Reto Altherr vermutet, dass dies an der anhaltend grossen Nachfrage nach Teufner Wohneigentum und Mietwohnungen liegt, die nicht immer erfüllt werden könne.

Nicht nachvollziehen kann Altherr die Bewertung in der Kategorie Mobilität und Verkehr. Er sagt: «Wir haben gute Strassenverbindungen und ein gutes ÖV-Angebot mit Viertelstundentakt in den Hauptzeiten.» Gemäss «Handelszeitung» sei die Mobilität eine Kategorie, in welcher Randregionen allgemein eher schlecht abschneiden. Darin werden Reisezeiten sowohl via ÖV oder per Auto in die nächsten Klein-, Mittel- und Grosszentren berücksichtigt.

Bei der Ökologie liegt Teufen gemäss der «Handelszeitung» im hinteren Mittelfeld. Auch hier setzt Altherr Fragezeichen. Die Gemeinde engagiere sich für erneuerbare Energie oder Biodiversität. «Wir haben gerade wieder das Energiestadt-Label bekommen.» Andere Kriterien der «Handelszeitung» dürften für die Bewertung verantwortlich sein. Etwa umfassen sie die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohnende oder die Nähe zu Grünflächen, Wäldern und Gewässern.

Spitzenreiter Schwende-Rüte mit schlechter Versorgung

Bruno Huber, Hauptmann von Schwende-Rüte.

Bruno Huber, Hauptmann von Schwende-Rüte.

Bild: Tobias Garcia

In dieser Kategorie schneidet Schwende-Rüte deutlich besser ab. Überhaupt ist der Bezirk Sieger des Appenzellerlandes. Rüte landet auf Rang 46, Schwende auf Rang 56. Die ehemaligen Bezirke wurden noch separat bewertet, denn die «Handelszeitung» hat das Rating bereits im Mai vorgenommen. Die Fusion trat am 1. Mai in Kraft, weshalb die verfügbaren Daten noch zwei Bezirke abbildeten.

Gemäss der «Handelszeitung» ist Schwende-Rüte äusserst sicher, ökologisch und verfüge über eine gute Bevölkerungsstruktur. Letztere Kategorie umfasst Aspekte wie das durchschnittliche steuerbare Einkommen, den Anteil Jugendlicher oder Sozialhilfeempfangenden. Positiv fällt auch die Kategorie Wohnen und Immobilien auf. Bruno Huber, regierender Hauptmann von Schwende-Rüte, sagt dazu: «Das könnte sich bald ändern. Durch das Wachstum der Bevölkerung, die rege Bautätigkeit in der Vergangenheit und die Restriktionen des neuen Raumplanungsgesetzes hat der Bezirk kaum noch verfügbares Bauland.»

Negativ ins Gewicht fällt auch hier die Mobilität. Zudem wird im ehemaligen Bezirk Rüte die Versorgung schlecht beurteilt. Das umfasse gemäss «Handelszeitung» alles von Lebensmittelläden über die medizinische Versorgung bis Kultur- und Freizeitangebote. Für Huber zeigt diese Bewertung die Problematik dieses Ratings: «Urbanere Gebiete können eine grössere Versorgungsdichte bieten. Natürlich hat es in Weissbad keinen Grossverteiler.»

Huber ordnet dem Rating der «Handelszeitung» allgemein wenig Bedeutung zu. «Ich bezweifle, dass dieses Rating einen Einfluss auf den Bezirk hat. Viel eher dient dieses Rating wohl der Auflage der ‹Handelszeitung›, was so weit legitim ist.» Einen fahlen Beigeschmack empfinde er, dass der Verlag das Gütesiegel zum käuflichen Erwerb anbietet. «Geschäftstüchtig sind die Erfinder dieses Ratings, das muss man ihnen lassen.»

Speicher: Gerade noch in den Top 100

Paul König, Gemeindepräsident Speicher.

Paul König, Gemeindepräsident Speicher.

Bild: pd

Gerade noch unter die 100 attraktivsten Gemeinden schafft es Speicher mit Rang 98. Im vergangenen Jahr landete Speicher auf Rang 57. Gemeindepräsident Paul König sagt: «Die Bewertung freut mich. Aber ich bin überrascht, dass Gemeinden des Appenzellerlands so weit vorne landen.» Gut schnitt Speicher in den Kategorien Wohnen und Immobilien, Sicherheit und Bevölkerungsstruktur ab.

In der Kategorie Arbeitsmarkt erhält Speicher die beste Bewertung Ausserrhodens. König sagt: «Wir haben zwei oder drei grössere Arbeitgeber, da fällt der Anteil Beschäftigter im Dienstleistungssektor bestimmt ins Gewicht.»

Schlecht bewertet wurde auch in Speicher die Mobilität. König sagt: «Wir sind zufrieden, gerade haben wir die Anschlüsse innerhalb von Speicher optimiert und eine Postautoverbindung verlängert.» Überhaupt würden im Ranking Aspekte bewertet, welche auf die Schnelle nicht verändert werden können. König sagt: «Es ist nicht mein Ziel, dass Speicher in der ‹Handelszeitung› nächstes Jahr zehn Plätze besser dasteht. Stattdessen folge ich den Bedürfnissen der Bevölkerung.»

Wie die «Handelszeitung» bewertet hat

Die «Handelszeitung» hat über 50 öffentliche Statistiken ausgewertet und jeder Gemeinde oder jedem Bezirk in acht Kategorien einen Rang gegeben. Der Durchschnitt ergab den Gesamtrang, wobei die Immobilienpreise etwas höher gewichtet wurden. Nicht alle Gemeinden und Bezirke wurden im Appenzellerland berücksichtigt. Die «Handelszeitung» berücksichtigte Ortschaften ab 2000 Einwohnenden, da kleinere Gemeinden schwierig zu vergleichen wären.