Ukrainekrieg
Drei-Sterne-Haus wird zum Flüchtlingsheim: Geflüchtete werden in Speicher in einem Hotel untergebracht

Der Appenzellerhof in Speicher wird nicht länger als Hotel genutzt. Darum bringen die Sozialen Dienste im Gebäude nun Geflüchtete unter.

Astrid Zysset
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Das Hotel und Restaurant Appenzellerhof war lange ein Familienbetrieb. Nun haben die Sozialen Dienste das Gebäude gemietet.

Das Hotel und Restaurant Appenzellerhof war lange ein Familienbetrieb. Nun haben die Sozialen Dienste das Gebäude gemietet.

Bild: Archiv/Ennio Leanza

Der Appenzellerhof ist ein Drei-Sterne-Hotel samt Restaurant im Herzen von Speicher. Während neun Jahren wurde der Betrieb von Sandra und Arnaud Sidler geführt. Doch mittlerweile haben sie ihn an ein Immobilienunternehmen verkauft. Als Hotel wird der Appenzellerhof nicht mehr weiterbetrieben; seit dem 1. Juli haben die Sozialen Dienste Appenzeller Mittelland im Gebäude ukrainische Geflüchtete untergebracht.

Tobias Lutz, Gemeinderat und Präsident der Regionalen Sozialhilfebehörden Appenzeller Mittelland, spricht von einer «massiven Entlastung», welche mit dieser Lösung einhergeht. Einzelne Gastfamilien wollten ihr Engagement auflösen. Die Sozialen Dienste sind in diesem Fall aufgefordert, nach einer Anschlusslösung zu suchen. «Ohne den Appenzellerhof hätten wir Wohnungen mieten müssen. Die sind im Appenzellerland jedoch schwierig zu finden – und relativ teuer.» Mit entsprechendem Mobiliar hätten sie zusätzlich noch ausgestattet werden müssen. Alles in allem: Ein grosser Aufwand, der nun nicht vonnöten ist.

Nicht alle Zimmer sind belegt

Der Mietvertrag des Appenzellerhofs ist auf ein Jahr befristet. Aktuell sind 18 Geflüchtete im ehemaligen Hotel untergebracht. Somit ist das 19 Zimmer respektive 32 Betten umfassende Haus noch nicht vollständig belegt. Doch Lutz geht davon aus, dass weitere Zimmer in naher Zukunft bezogen werden. Die Planung beruhe auf der situationsbedingten Unberechenbarkeit verschiedenster unplanbarer Faktoren wie Veränderungen der Aufenthalte in den Gastfamilien oder die kommenden Wintermonate. Will heissen: Viele der Geflüchteten reisen derzeit in andere Länder weiter, einige gehen zurück in die Ukraine und vereinzelte finden eine Anstellung und können sich ihre Wohnungen so selbst finanzieren.

Im Appenzeller Mittelland gibt es rund 160 Schutzsuchende. Zwar liegen Lutz aktuell keine Meldungen vor, dass weitere ihr Engagement beenden wollen, doch ändern kann sich dies schnell. Spätestens im Herbst rechnet das Speicherer Gemeinderatsmitglied mit weiteren Anfragen nach Anschlusslösungen.

Keine baulichen Anpassungen waren vonnöten

Das ehemalige Hotel wurde für die Aufnahme der Geflüchteten nicht baulich angepasst. Ende Juni verliess das Wirtepaar Sidler den Betrieb, ein paar Tage später zogen die ersten Ukrainerinnen und Ukrainer bereits ein. Im Gegensatz zu eigenen Wohnungen teilen sich die Geflüchteten im Appenzellerhof die Gemeinschaftsräume. «Dafür sind sie nicht alleine auf sich gestellt und können sich miteinander austauschen», so Lutz. Zusätzlich schaut zweimal pro Woche eine Ukrainisch sprechende Sozialarbeiterin vorbei. Lutz spricht von einer Art «Help-Desk», den diese Person sicherstelle.

Die Unterbringung im Appenzellerhof ist im Ausserrhodischen eine einzigartige Lösung. Die anderen Regionen bringen die Geflüchteten vorzugsweise in Wohnungen unter.