Fussball
Hohe Einnahmeausfälle, wenig Hoffnung auf Bundeshilfe: So gehen die Appenzeller Sportvereine mit den finanziellen Folgen der Coronakrise um

Für coronabedingte Absage von Veranstaltungen im Breitensport hat der Bund mehrere Hilfspakete geschnürt. Einen Antrag gestellt hat auch der FC Bühler. Er ist allerdings eine Ausnahme, wie eine Umfrage bei einigen Vereinen in der Region zeigt.

Jesko Calderara
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Das Hallenturnier bringt dem FC Bühler jeweils einen Gewinn von 18'000 Franken.

Das Hallenturnier bringt dem FC Bühler jeweils einen Gewinn von 18'000 Franken.

Bild: APZ
Antonio Romano ist Vorstandsmitglied des FC Bühler.

Antonio Romano ist Vorstandsmitglied des FC Bühler.

Das traditionelle Hallenturnier gehört zum festen Bestandteil im Vereinsleben des FC Bühler. Vom 11. bis 20. Februar hätte der Anlass zum 26. Mal über die Bühne gehen sollen. Daraus wird allerdings nichts. Aufgrund der Coronalage und der damit verbundenen Planungsunsicherheit beschlossen die Organisatoren, das Hallenturnier abzusagen – bereits zum zweiten Mal hintereinander.

Für den FC Bühler hat dies erhebliche Auswirkungen. Der mehrtägige Event ist nicht nur bei vielen Kindern und fussballbegeisterten Erwachsenen beliebt, sondern auch finanziell wichtig für den Mittelländer Fussballverein. «Normalerweise spült das Hallenturnier bis zu 18’000 Franken Gewinn in unsere Kasse», sagt OK-Präsident Antonio Romano, der auch Vorstandsmitglied des FC Bühler ist. Aufgrund der beiden Absagen muss der Verein auf etwa 35’000 Franken verzichten. Darüber hinaus fehlten im Frühling 2020 und teilweise auch 2021 die Einnahmen aus dem Platzkiosk, sagt Romano.

Sonderevent soll Einnahmen bringen

Für Fälle wie jener des FC Bühler hat der Bund mehrere Rettungspakete geschnürt. Seit Ausbruch der Coronakrise stehen für den Breiten- und Leistungssport insgesamt über 300 Millionen Franken zur Verfügung. Mit diesen Mitteln sollen unter anderem die Schäden kompensiert werden, welche durch ausfallende Veranstaltungen entstehen. Die Bühlerer Verantwortlichen haben im November 2021 denn auch einen Antrag auf Bundesgelder gestellt. Die Antwort ist gemäss Romano noch ausstehend. Er erwartet im Idealfall 3000 bis 4000 Franken aus dem Stabilisierungspaket.

«Wir sind aber eher pessimistisch und rechnen mal mit nichts.»

Sprich: Die Einnahmeausfälle müssen anders kompensiert werden, etwa durch Einsparungen. Der Verein habe den Gürtel enger schnallen müssen, sagt Romano. «Im Frühling 2021 fielen zum Glück wegen Abbruch der Meisterschaft bei den Aktiven auch einige Ausgaben weg, was uns half.»

Darüber hinaus haben die Verantwortlichen 2021 eine «Sammelaktion virtuelles Hallenturnier» lanciert. Da kamen gemäss Romano 1000 Franken zusammen. «Letztes Jahr konnten wir abgesehen davon auf eine Spende des Partnervereins, der jeweils zusammen mit vielen unserer Mitglieder die Festwirtschaft des Hüpfburgen-Funparks im Sommer in Bühler führt, zählen.» Überhaupt habe der FC Bühler auf eine grosse Solidarität zählen können, sagt das Vorstandsmitglied. So wurden viele Mitgliederbeiträge gezahlt, obschon es Einschränkungen im Spielbetrieb gab. Romano sagt:

«Auf diese Weise ist der Verein einigermassen über die Runden gekommen.»

Offen ist, wie der diesjährige Verlust kompensiert werden kann. Darüber diskutiert der Vorstand zurzeit. «Allenfalls planen wir im Frühsommer einen Anlass, der uns etwas Luft verschafft», so Romano. Finanziell sei es eine schwierige Situation. Er zeigt sich jedoch dankbar darüber, dass der Fussballbetrieb aufgrund der Coronamassnahmen im Augenblick kaum eingeschränkt ist. «Dadurch können wir den vielen Kindern und Aktiven immerhin die Möglichkeit zum Spielen geben.»

UHC Herisau kann auf grosse Solidarität zählen

Die finanziellen Folgen der Coronakrise spüren auch andere Sportvereine im Appenzellerland. Der UHC Herisau beispielsweise verzichtet gemäss Präsident Paul Zähner trotzdem darauf, sich um Gelder aus dem Stabilisierungspaket zu bewerben. Stattdessen wurden in Härtefällen einzelne Lösungen gesucht. Dabei konnte auch der UHC Herisau auf viel Goodwill zählen. Zähner sagt:

«Im letzten Jahr hat die Kette der Solidarität von Mitgliedern und Sponsoren zum Verein und von uns zum Verband gehalten.»

Durch den reduzierten Spielbetrieb seien abgesehen davon in der vergangenen und auch in der laufenden Saison die Kosten eher tief. Nichtsdestotrotz sehnt sich der UHC-Präsident den Normalbetrieb zurück, denn unter all den Einschränkungen «hat nicht nur der Sport, sondern vor allem das Soziale gelitten».

Keine Unterstützung aus Bern hat auch der FC Heiden beantragt. Die Einnahmeausfälle hätten durch weniger Auslagen knapp aufgefangen werden können, wie Präsident Hanspeter Giezendanner bestätigt. Ähnlich lief es beim FC Appenzell. Zwar sind die finanziellen Verluste aufgrund der Coronakrise für den Innerrhoder Fussballverein ein Problem. Dennoch haben sich die Appenzeller gemäss Präsident Georg Rempfler nicht um Bundesgelder bemüht. Vielmehr wurde auf der Ausgabenseite angesetzt. «Die überwiegende Mehrheit unserer Trainer hat während der kritischen Zeit verdankenswerterweise auf ihre Entschädigung verzichtet, womit die Ausgaben gekürzt werden konnten», sagt Rempfler. Daneben konnte der FC Appenzell auf den Rückhalt seines Donatorenvereins «Aastoos» zählen. Dank ihm hätten sie die Garantie gehabt, dass es nicht zum Äussersten kommen würde, sagt der Präsident. «Die erlebte breite Solidarität, auch von unseren Sponsoren, zu unserem Verein war eine kräftigende Erfahrung.» In diesem Jahr sollen die Vereinanlässe, insbesondere das Grümpelturnier vom 24.- 26. Juni, wieder durchgeführt werden und somit Geld in die Kasse der Appenzeller spülen.