Freude an den Kühen

Die Werke von Gottlieb Feurer (1875–1912) bestechen durch realistische Darstellungen von Kühen. Autorin Rosa Maria Fäh hat das Leben des Toggenburgers erforscht und beschrieben.

Reto Neurauter
Drucken
Staatsarchivar Stefan Gemperli, Autorin Rosa Maria Fäh, Feurer-Neffe Willi Ammann und Kunsthistorikerin Bettina Gockel (von links) freuen sich über das gelungene Werk. (Bild: Reto Neurauter)

Staatsarchivar Stefan Gemperli, Autorin Rosa Maria Fäh, Feurer-Neffe Willi Ammann und Kunsthistorikerin Bettina Gockel (von links) freuen sich über das gelungene Werk. (Bild: Reto Neurauter)

ALT ST. JOHANN. Bauernmaler Gottlieb Feurer aus Unterwasser lebte nur 37 Jahre. Seine Werke bestechen durch realistische Kuhdarstellungen. Autorin Rosa Maria Fäh hat das Leben des Toggenburgers erforscht und sein Gesamtwerk in den Kontext der Ostschweizer Bauernmalerei gesetzt. Staatsarchivar Stefan Gemperli sprach am Samstag in Alt St. Johann von einem Werk, «das Emotionen auslöst».

Die Autorin zeigt in ihrem Buch auf, wie sich Gottlieb Feurer (1875–1912) sein Handwerk anhand der Werke seines Vorbildes Babeli Giezendanner selber beibrachte und schliesslich einen eigenen Stil entwickelte. Feurers Œuvre umfasst Tafelbilder, Eimerbödeli und Sennenstreifen.

Grosse Freude gehabt

Als Stadtkind habe er sich beim Blättern im Buch daran erinnert, «dass im Westen der Stadt eine Viehschau stattfand, was auch heute noch der Fall ist», so Gemperli, «wir Stadtkinder waren fasziniert von den Tieren, aber auch vom Ritual unter den urchigen Männern.» Richtig schmunzeln aber habe er ganz am Ende des Buches müssen. «Dort begegnen uns die Kühe Gäbeli, Bärli, Friedli und so weiter und auch der prachtvolle Stier Mandli.» Wenn er heute an die Olma gehe, trügen die Kühe Namen wie Jenny oder Samantha und der Stier heisse da eben Rambo. Mandli oder Rambo, der Historische Verein des Kantons St. Gallen und das Staatsarchiv St. Gallen hätten an dieser jüngsten Publikation mit seiner reichen Bebilderung grosse Freude. Es sei gar nicht selbstverständlich, «wenn historische oder kunsthistorische Publikationen in Zeiten knapper werdender Ressourcen finanziellen Beistand von Privaten und von öffentlichen Einrichtungen erhalten.»

Durchaus schöne Kunst

Für die Kunsthistorikerin Bettina Gockel von der Universität Zürich – sie ist sozusagen die Patin zu Fähs Lizenziatsarbeit – gehört die Bauernmalerei zur Gegenstandskunst und gibt den Blick auf ein Stück Sozialgeschichte frei. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert hätten sich die Bilder von den Bauernkästen und Eimerbödli losgelöst, «sind eigenständige Bilder geworden».

Feurers Kühe würden bis heute von der bäuerlichen Bevölkerung des Toggenburgs geliebt und bewundert. «Feurer hat sich wegen der anatomisch perfekten und autonomen Darstellung von Kühen einen Namen gemacht», so Gockel. Autorin Fäh habe es blendend verstanden, bei Feurer Details wörtlich sichtbar zu machen. Die Bauernmalerei dürfe, so Gockel, durchaus zu den schönen Künsten gezählt werden. Sie verglich Feurer mit dem Engländer George Stubbs (1724 – 1806), der einer der bedeutendsten europäischen Maler von Tieren, besonders von Pferden, war, «und in der Darstellung derselben seine Perfektion fand».

Viel Recherche notwendig

Fünf Jahre Recherche, viele Gespräche mit Sepp Koller, den beiden Feurer-Neffen – dem im vergangenen Dezember verstorbenen Adolf Feurer aus Unterwasser und Willi Ammann aus Ebnat-Kappel – ,dem Restaurator Rudolf Knechtle aus Gais, dem pensionierten Tierarzt Hermann Neff, oder mit Hans Büchler aus Wattwil und natürlich Kunsthistoriker Moritz Flury vom kantonalen Denkmalschutz St. Gallen, eine Hochzeit und zwei Kinder später, und die Verzögerung durch immer wieder neu auftauchende Bilder, sei nun diese Buchpräsentation, die am vergangenen Samstag in der Propstei Alt St. Johann stattfand – umrahmt von Jodelclub Thurtal und abschliessendem Apéro im «Schäfli» –, ein «äusserst erfreulicher Abschluss für meine Arbeit», so Rosa Maria Fäh, die in Stein im Kanton Appenzell Ausserrhoden wohnt und am Oberstufenzentrum Necker als Lehrerin tätig ist.

Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit schloss Rosa Maria Fäh das Fach Kunstgeschichte an der Universität Zürich ab. In der Recherche sei der Stein tatsächlich von einem Bild zum nächsten, von einer mündlichen Quelle zur nächsten gerollt, so Fäh. «Feurers Maltechnik war ebenso wichtig wie das Gerücht, wo noch ein Feurer hängen könnte. Natürlich wurde ich auch in Ostschweizer Museen fündig», so Fäh. Zu guter Letzt habe sie ihren Text neu strukturieren müssen. Das Tüpfchen aufs i sei nun auch die Ausstellung.

Bedeutende Ausstellung

Aus Anlass zu dem im Zürcher Chronos-Verlag erschienenen Buch über Gottlieb Feurer findet im Gasthaus Schäfli in Alt St. Johann die bisher bedeutendste Ausstellung über diesen Toggenburger Bauernmaler statt. Über 30 ausgewählte und zum Teil in Privatbesitz stehende Bilder – das sind rund ein Drittel seiner bisher bekannten Werke – aus der ganzen Schweiz sind zu sehen. Für Autorin Rosa Maria Fäh ist diese Ausstellung etwas ganz Besonderes: «Als ich die Recherche für meine Lizenziatsarbeit zu diesem Thema begann, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass in eben diesem <Schäfli> Bilder von Feurer – zusammen mit anderen Bauernmalern – ausgestellt sind.» Die vielen Gespräche, Mails und Telefonate mit «Schäfli»-Sepp «waren in erster Linie sehr hilfreich und meistens höchst lustig», so Fäh.

Die Ausstellung im Gasthaus Schäfli ist bis zum 16. Oktober täglich von 8 bis 24 Uhr geöffnet. Rosa Maria Fäh: «Gottlieb Feurer (1875–1912), Toggenburger Bauernmaler der schönen Kühe». St. Galler Kultur und Geschichte, hg. vom Historischen Verein des Kantons St. Gallen und vom Staatsarchiv St. Gallen, Band 40/2016. 192 S., 159 Farbabb. Hl. 48 Franken. ISBN 978-3-0340-1325-3.

«Alpfahrt» mit Churfirsten, Blick in Sennhütte und Stall, vor 1900. (Bilder: pd)

«Alpfahrt» mit Churfirsten, Blick in Sennhütte und Stall, vor 1900. (Bilder: pd)

Gottlieb Feurer (1875&ndash;1912) lebte in Unterwasser.

Gottlieb Feurer (1875–1912) lebte in Unterwasser.