FERNSEHEN: «Schweiz aktuell» am Chäserrugg

Ein Team von «Schweiz aktuell» war am Montag im Toggenburg unterwegs, um Aufzeichnungen für eine Sommerserie zu machen. Die Dreharbeiten fanden beim Zwingli-Haus und auf dem Chäserrugg statt.

Anina Rütsche
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Wandernd über Zwingli reden: Sabine Dahinden (links) im Gespräch mit den Jugendlichen aus dem Obertoggenburg. (Bilder: Anina Rütsche)

Wandernd über Zwingli reden: Sabine Dahinden (links) im Gespräch mit den Jugendlichen aus dem Obertoggenburg. (Bilder: Anina Rütsche)

Anina Rütsche

anina.ruetsche@toggenburgmedien.ch

Wer am Montagnachmittag auf dem Chäserrugg war, kam ins Staunen: Ist das nicht Sabine Dahinden aus dem Fernsehen, die da auf dem Wanderweg unterwegs ist?

Dass die bekannte Moderatorin mit ihrem Team ins Toggenburg gekommen ist, hat mit der Sommerserie von «Schweiz aktuell» zu tun, die den Titel «Dahinden vor 500 Jahren» trägt. In drei Folgen vom 21. Juli bis zum 4. August zeigt SRF 1 jeweils freitags um 21 Uhr, wie sich das Leben im 16. Jahrhundert abgespielt hat. Eine Episode ist dem 500- Jahre-Reformation-Jubiläum gewidmet, insbesondere dem ­Zürcher Reformator Huldrych Zwingli, der in Wildhaus aufgewachsen ist.

Über Zwingli reden und dazu Salate pflanzen

Passend dazu beginnt der Drehtag nicht auf dem Berggipfel, sondern unten im Tal, beim Zwingli-Zentrum in Wildhaus. Seit Anfang 2017 befindet sich beim Zwingli-Haus ein Sortengarten, in dem Pflanzen wachsen, die es schon zu Zwinglis Zeiten gegeben hat. Schon vor 9 Uhr ist das vierköpfige Team von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vor Ort – neben der Moderatorin auch ein Kameramann, ein Tonoperateur und der Produzent der Sendung. Ebenso sind drei Experten in den Garten gekommen, um Auskunft über die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelbasis im Mittelalter zu geben.

Beim Pflanzen von Salatsetzlingen findet das Interview mit Hansueli Knaus statt, der als Präsident der Zwinglianischen Gesellschaft tätig ist. Er sagt, dass er von Zwingli beeindruckt sei, weil sich dieser mutig und selbstlos für die Bevölkerung und deren Bildung eingesetzt habe. Und später, nachdem die Szene «im Kasten» ist, meint Hansueli Knaus: «Das war ein äusserst angenehmes Gespräch. Nervös war ich nicht, denn die Kamera habe ich nach wenigen Minuten vergessen.» Auch Hans Oppliger, der das Sortengarten-Projekt leitet, und Benedikt Kogler, der für den Unterhalt der Anlage zuständig ist, finden Gefallen an den Dreharbeiten. «So können wir der Öffentlichkeit zeigen, was wir machen, und das ist uns eine Ehre», sind sie sich einig.

«Wir verbringen einen Tag in der Region und haben danach mehrere Stunden Filmmaterial», erklärt daraufhin Fabian Bucher, Produzent der Sendung. «Der Beitrag, den die Zuschauerinnen und Zuschauer zu sehen bekommen, wird allerdings bloss fünf bis acht Minuten dauern.» Für den Produzenten bedeutet das: Exakt planen, gut hinschauen und die allerbesten Szenen auswählen. Rund zwei Wochen benötigt Fabian Bucher, um eine Folge von «Dahinden vor 500 Jahren» zu schneiden und zusammenzustellen.

Mit der ganzen Ausrüstung auf den Gipfel gewandert

Während die Arbeit des Produzenten im Hintergrund stattfindet, steht beziehungsweise geht die Moderatorin Sabine Dahinden an vorderster Front. So auch am Nachmittag des Drehtags, an dem ein Marsch von der Gamsalp auf den Chäserrugg ansteht. Mit von der Partie sind zwei dritte Sekundarklassen aus Nesslau in Begleitung ihrer Lehrer und eines Wanderleiters. Steil führt der Pfad bergauf. Die Ausrüstungen von Tontechniker und Kameramann wiegen je zehn Kilogramm, doch davon lassen sich die beiden nicht unterkriegen. Auf der Suche nach geeigneten Blickwinkeln für Aufnahmen spurten sie auch mal voraus – schweissüberströmt, aber hochmotiviert. Derweil nutzt die Moderatorin die rund zweieinhalb Stunden Wanderzeit, um mit den Jugendlichen, die im Verlauf des Tages an einem Projekt zum Thema Zwingli gearbeitet haben, über ihre Vorstellungen zum Leben vor 500 Jahren zu plaudern. Dabei kommt heraus, dass es den jungen Leuten schwerfällt, sich dieses vorzustellen. Nur schon deshalb, weil es damals weder Computer noch Handys gab.

Und während die Schülerinnen und Schüler auf dem Gipfel des Chäserruggs ihre Gruppenarbeiten präsentieren, passiert etwas, das mittlerweile zu Sabine Dahindens Alltag gehört: Sie wird von Passanten erkannt und angesprochen. Dieses Mal ist es ein Bäuerinnenverein, dessen Mitglieder sich ein Erinnerungsfoto mit der Moderatorin wünschen. Sabine Dahinden, die seit 1995 fürs Fernsehen tätig ist, mag solche Begegnungen. «Auf diese Weise bekomme ich nämlich Rückmeldungen zu meiner Arbeit, die es sonst nicht gäbe», sagt sie. Denn die Arbeit im Studio sei oftmals einsam, auch wenn das fürs Publikum daheim ganz anders wirke. «Darum freue ich mich besonders über Drehtage wie diesen, wenn ich direkt zu den Menschen gehen kann.»