Europa zu Gast im Toggenburg

An der Kantonsschule Wattwil hat am Donnerstag ein Europatag unter dem Motto «europe@school» stattgefunden. Er verfolgte das Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu kritischem Denken anzuregen. Zu den Anlässen gehörte auch eine Podiumsdiskussion mit prominenten Gästen.

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WATTWIL. Bereits zum zehnten Mal fand am Donnerstag das sogenannte «europe@school» an der Kantonsschule Wattwil statt. Dieser Anlass ist ein Europatag, der von der Jugendorganisation yes (young european swiss) organisiert wird. Es geht dabei darum, die Schüler zu kritischem Denken anzuregen und den Spass an politischen Debatten sowie der Schweizer Europapolitik zu wecken.

Ein komplexes Thema

Morgens kam Joseph de Weck als Vertreter der Direktion für europäische Angelegenheiten und führte in das komplexe Thema der EU-Politik ein. Danach setzten sich die Jugendlichen in kleinen Gruppen mit Themen wie «Beziehungen Schweiz – EU», «Europas Identitäten und Erweiterung» und «Werte der EU und ihre Umsetzung» auseinander. Zehn motivierte und politikbegeisterte Studierende aus der ganzen Schweiz leiteten sie dabei an. Nachmittags wurde dann in einer Simulation der SRF-Arena rege diskutiert. Dabei mussten sich die Schüler in einen europäischen Parlamentarier und dessen Ansichten versetzen.

Abschluss des Tages bildete eine Podiumsdiskussion mit hochkarätiger Besetzung. Die Nationalräte Toni Brunner (SVP), Claudia Friedl (SP), Yvonne Gilli (Grüne) und Stefan Müller-Altermatt (CVP) kämpften unter der kompetenten und hartnäckigen Moderation von Matthias Strasser um die Gunst der Schüler. Während der knapp zweistündigen Diskussion wurden sämtliche Themen abgedeckt: Schwerpunkt war das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative und die Folgen davon, beispielsweise die Gefahr für das Austauschprogramm Erasmus.

Angeregte Diskussionen

Auch über Gripen, die Mindestlohn-Initiative und das Zuwanderungsproblem im Tessin wurde gesprochen. Für Gesprächsstoff war somit gesorgt – auch für Differenzen. So meinte Gilli schliesslich: «Das plakative Theater der SVP bringt uns nicht weiter.» Brunner fuhr dennoch munter fort und plädierte für die Wiedereinführung des Saisonnierstatus. Die Arbeiter finanzierten von dem hier verdienten Geld ihr Studium in ihrer Heimat – diese Art der Beschäftigung sei geradezu sozial von der Schweiz. In zwanzig Jahren sehen Gilli, Friedl und Müller-Altermatt die Schweiz in einem engen Verhältnis guter Zusammenarbeit mit der EU. Für Friedl ist dabei ein Beitritt nicht ausgeschlossen, Müller-Altermatt steht hinter den Bilateralen. Brunner meint dazu: «Selber über die Zukunft zu bestimmen heisst, auch in zwanzig Jahren nicht in der EU zu sein.» Insgesamt kann die yes auf einen erfolgreichen Tag im Toggenburg zurückblicken. Bleibt zu hoffen, dass in der heranwachsenden Generation ein paar Funken der Begeisterung für politische Fragen gestreut wurden. (pd)