Es brennt, aber keiner kommt…

Stellen Sie sich vor, es brennt bei Ihnen, und es kommt keiner, der das Feuer löscht. Oder nach einem Unfall warten Sie vergebens, dass Angehörige der Feuerwehr Sie aus Ihrem demolierten Wagen befreien.

Beatrice Bollhalder
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Bild: Beatrice Bollhalder

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Stellen Sie sich vor, es brennt bei Ihnen, und es kommt keiner, der das Feuer löscht. Oder nach einem Unfall warten Sie vergebens, dass Angehörige der Feuerwehr Sie aus Ihrem demolierten Wagen befreien. Können Sie sich vorstellen, dass kein Verein mehr eine Unterhaltung veranstalten wird? Ihre Kinder könnten sich nie mehr an einem Wettkampf messen und es gäbe beispielsweise keine Gewerbeausstellung mehr. Jedes Wochenende müssen Sie sich nun selber beschäftigen oder sich vor dem Fernseher die Zeit vertreiben. «Das wäre schlimm», höre ich Sie sagen. Ja, genau, aber zu einem solchen Dilemma könnte es kommen, wenn sich keiner mehr engagiert.

Der Gedanke ist mir gekommen, als ich kürzlich angefragt worden bin, ob ich in einem Gremium in Zukunft das Aktuariat übernehmen würde. Dieser Nebenjob ist nicht der einzige und deshalb habe ich mir ausbedungen, dass ich darüber schlafen möchte. Denn ich habe hier in der Redaktion eine Aufgabe, die mich ordentlich fordert – immerhin bin ich für zwei Gemeinden zuständig. Dazu kommen einige Besuche von Versammlungen und dergleichen, die abends noch anfallen. Meine Enkelin freut sich immer, wenn ich Zeit für sie habe, und hie und da sollte auch noch ein Besuch bei Freunden oder Verwandten drinliegen. Auch im Garten – das ist eine tolle Abwechslung zum Bürojob – fallen bereits wieder die ersten Arbeiten an. Wenn im Sommer etwas geerntet werden will, muss jetzt ausgesät werden.

Wie also soll ich mich entscheiden? In den Medien war in den letzten Monaten öfter zu hören und zu lesen, wie wenig sich die Leute heute noch engagieren. Die Samariter suchen Nachwuchs, bei der Feuerwehr fehlt es an einsatzfreudigen Frauen und Männern, und auch die Schiedsrichter werden im kommenden Sommer an einem Wochenende gleich zu mehreren Begegnungen aufgeboten. Sogar bei den Ziegenzüchtern fehlt es an Experten, wie ich vernommen habe.

Kann ich nun also darauf pochen, dass ich in den letzten Jahren schon genug freiwillige Einsätze geleistet habe? Ja, ich kann, denn es ist mein Leben. Ich sollte ja auch noch ein Privatleben führen können. Aber nein, ich kann doch nicht, weil mir etwas daran liegt, dass auch in Zukunft nicht alles zusammenbricht und in der Freizeit noch etwas läuft. Nach mehreren schlaflosen Nächten habe ich mich entschieden: Ich habe zugesagt.

@toggenburgmedien.ch