Ersatz für die kranken Bäume

WATTWIL. Am Thurweg in Wattwil wurden kürzlich zehn Bäume gefällt. Dies, weil sie krank, beschädigt oder nicht genügend entwickelt waren. Im Herbst wird die unter Schutz gestellte Allee wieder vervollständigt. Vorher steht noch viel Arbeit an.

Anina Rütsche
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«Viel Totholz, Vitalität stark eingeschränkt» – so lautete das Urteil zu diesem Baum bei der Rietwisbrücke. (Bilder: Anina Rütsche)

«Viel Totholz, Vitalität stark eingeschränkt» – so lautete das Urteil zu diesem Baum bei der Rietwisbrücke. (Bilder: Anina Rütsche)

Mehrere Lücken klaffen seit kurzem in der Allee an der Thur in Wattwil, zersägte Stämme und kahle Äste liegen in der Wiese – ein ungewohntes Bild für Spaziergänger. Zehn Bäume haben die Mitarbeiter des Wattwiler Werkhofs letzte Woche gefällt – neun am östlichen Ufer, einen am westlichen. «Das sind deutlich mehr als in früheren Jahren», sagt dazu Daniel Heiniger, bei der Gemeinde angestellter Strassenmeister. «Leider ging es nicht anders, denn diese Bäume waren beschädigt krank oder wuchsen nicht befriedigend.» Bei einem Rundgang im Sommer hat Daniel Heiniger gemeinsam mit drei anderen Experten entschieden, welche Bäume weg müssen. Eine solche Bestandesaufnahme findet jährlich statt, «in belaubtem Zustand», wie der Strassenmeister sagt. Doch in der Regel finde man nur vereinzelte Bäume, die «nicht mehr gut zwäg» seien. Diese werden mit grüner Farbe markiert, um sie im Winter auch ohne Blätter zu erkennen.

Baum absichtlich beschädigt

Insbesondere aufgrund der Sicherheit habe man diesen Winter handeln müssen, sagt Daniel Heiniger. «Einige der Bäume am Thurweg hatten dürre Äste, die eine Gefahr für die Passanten darstellten. Jederzeit hätte das Totholz zu Boden fallen können.» Ausserdem sei ein relativ kleiner Baum bei der Rietsteinhalle, ein Tulpenbaum, beschädigt worden. «Jemand hat Zweige heruntergerissen und den Wipfel abgebrochen», erklärt der Strassenmeister. «Wir konnten den Baum nicht mehr retten.» Dies sei insbesondere deshalb schade, weil der ursprünglich aus Nordamerika stammende Tulpenbaum einer der wenigen Exoten in der Thurallee gewesen sei.

Bei den kürzlich gefällten Bäumen aus der Thurallee handelt es sich gemäss Daniel Heiniger neben dem Tulpenbaum um die Arten Spitzahorn, Sommerlinde und Esche. «Mehreren Eschen hatte die Eschenwelke stark zugesetzt», sagt Daniel Heiniger. Diese 2008 erstmals in der Schweiz nachgewiesene Pilzkrankheit befällt Eschen jeglichen Alters. Aus diesem Grund verzichte man derzeit in der Gemeinde Wattwil darauf, neue Bäume dieser Art zu pflanzen.

Bei einem Spitzahorn in der Nähe des Thurparkstegs hingegen habe es ein anderes Problem gegeben: «Er war seit Jahren kaum gewachsen und es bestand keine Entwicklungsaussicht.» Daher habe man beschlossen, den noch relativ jungen Spitzahorn zu fällen und baldmöglichst zu ersetzen.

Im Herbst wird neu gepflanzt

Ersetzen, das ist ein entscheidendes Stichwort für Daniel Heiniger. Denn die Thurallee mit ihren insgesamt 465 Bäumen wird im Herbst wieder vervollständigt. Bereits jetzt steht fest, welche Arten zum Einsatz kommen. Es seien meistens nicht die gleichen wie die Vorgänger, hebt Daniel Heiniger hervor.

Bis neu angepflanzt werden kann, steht für die Mitarbeiter des Werkhofs noch viel Arbeit an: Die Männer fräsen die Baumstümpfe weg und wechseln die Erde aus. Anschliessend muss sich der Boden setzen können. «Das dauert seine Zeit», sagt Fachmann Heiniger. Das Holz der gefällten Bäume könne übrigens weiterverwendet werden, fügt er an. «Es wird später zum Heizen verwendet.»

Formation steht unter Schutz

Das Wohlergehen der Bäume am Thurweg ist auch Hanspeter Schumacher ein Anliegen. Der Toggenburger, der in St. Gallen den Botanischen Garten leitet, war viele Jahre Mitglied der Naturschutzkommission und des Gemeinderates Wattwil. Auch er war im vergangenen Sommer dabei, als die Bäume an der Thur begutachtet wurden. «Die Qualität muss stimmen, denn wir wollen eine schöne, sichere und hochwertige Allee», fasst Schumacher zusammen. Er weist darauf hin, dass die Formation unter Schutz stehe – allerdings als Ganzes, nicht auf die einzelnen Bäume bezogen (siehe Kasten). Die Allee erfreue die Menschen und biete Vögeln und Insekten einen Lebensraum.

Gemäss Hanspeter Schumacher betragen die Kosten für jeden ersetzen Baum rund 2000 Franken. 80 Prozent davon bezahle der Kanton, die verbleibenden 20 Prozent übernehme die Gemeinde Wattwil. «Ja, das Ganze ist aufwendig, aber es lohnt sich», findet Hanspeter Schumacher. Er erachtet es als sehr wichtig, den Baumbestand an der Thur gut zu pflegen, wie dies jetzt gemacht werde. «Wir Wattwiler können stolz sein auf unsere Allee, die zu einer der längsten ihrer Art im ganzen Land gehört.»

Die Lücken in der Thurallee werden mit jungen Bäumen geschlossen.

Die Lücken in der Thurallee werden mit jungen Bäumen geschlossen.

Hanspeter Schumacher Leiter des Botanischen Gartens St. Gallen (Bild: Jakob Ineichen)

Hanspeter Schumacher Leiter des Botanischen Gartens St. Gallen (Bild: Jakob Ineichen)