Erneuerbare Energie
Windräder für das Mittel- und Vorderland: Appenzell Ausserrhoden legt Gebiete für die Nutzung von Windkraft fest

Der Ausserrhoder Regierungsrat liess das Potenzial für Windkraft eruieren. Resultat: Drei Standorte im Mittel- und Vorderland könnten zusammen 85 Gigawatt Strom produzieren. Die Eignungsgebiete sollen nun im Richtplan verankert werden.

Astrid Zysset
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Die sechs neuen Gebiete würden über die Hälfte des kantonalen Strombedarfs decken.

Die sechs neuen Gebiete würden über die Hälfte des kantonalen Strombedarfs decken.

Bild: Samuel Koch

Gemäss Energiegesetz des Bundes besteht für die Kantone eine Verpflichtung, für die Nutzung der Windkraft geeignete Gebiete im Richtplan auszuscheiden. Für den Kanton Appenzell Ausserrhoden sind 40 bis 180 GWh/a vorgegeben. «Das ist ein grosses Spektrum», so Regierungsrat Dölf Biasotto, Vorsteher des Departementes Bau und Volkswirtschaft. «Es lässt für den Kanton bewusst den Fächer offen.»

Der Ausserrhoder Regierungsrat Dölf Biasotto, Vorsteher des Departements Bau und Volkswirtschaft.

Der Ausserrhoder Regierungsrat Dölf Biasotto, Vorsteher des Departements Bau und Volkswirtschaft.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Der Regierungsrat lud am Freitag zur Medienkonferenz, und gab bekannt: Die Vorgaben des Bundes können sogar noch übertroffen werden. Im aktuell gültigen Richtplan des Kantons sind drei Standorte (Hochalp, Hochhamm und Suruggen) als Eignungsgebiete für Windkraftanlagen als sogenannte Vororientierung festgehalten. Dies reicht nach Bundesvorgaben allerdings nicht mehr. Geeignete Gebiete müssen neu festgelegt werden. Das hat Appenzell Ausserrhoden getan. Sechs Standorte wurden auserkoren, an welchen der Bau von Windrädern möglich werden soll. Diese sechs Eignungsgebiete würden bei Vollausbau eine Gesamtleistung von rund 200 GWh pro Jahr erbringen – also deutlich mehr als vorgegeben.

Windräder als Ergänzung zu Fotovoltaikanlagen

Mit 350 GWh/a wird der Strombedarf in Appenzell Ausserrhoden in den nächsten Jahren beziffert. Gemäss dem vergangenen Sonntag an der Urne angenommenen, kantonalem Energiegesetz sollen bis 2035 40 Prozent davon aus erneuerbaren Quellen stammen, also rund 140 GWh. Hauptsächlich wird hierfür aktuell auf Fotovoltaikanlagen gesetzt. Jene weisen aber eine geringe Versorgungssicherheit während der Wintermonate auf. Windkraft würde vor allem in der kälteren Jahreszeit viel Strom produzieren; die Spitzenwerte liegen in den Monaten Dezember und Januar. «Windkraft erachten wir deswegen als gute Ergänzungen zu den Fotovoltaikanlagen», so Biasotto.

Doch wo sollen die Windräder gebaut werden? Gemäss einer Studie, welche Ausserrhoden zusammen mit den Kantonen St.Gallen und Appenzell Innerrhoden in Auftrag gegeben hat, wurden während der vergangenen zwei Jahre unter anderem elf mögliche Standorte in Appenzell Ausserrhoden geprüft. Diese würden theoretisch 360 GWh/a Strom produzieren können. «Von dieser Menge waren auch wir überrascht», so der Vorsteher des Departements Bau und Volkswirtschaft weiter.

«Wir könnten alleine mit Windenergie den gesamten Strombedarf des Kantons decken.»

Windkraftpotenzial im Mittel- und Vorderland

Doch so weit kommt es nicht. Der Regierungsrat hat sich in einer ersten Prioritätensetzung auf die drei Gebiete Waldegg (Speicher/Teufen), Honegg (Trogen/Wald) und Gstalden (Heiden/Wald) festgelegt. Konkret bedeutet dies: An diesen Standorten könnten insgesamt elf 130 Meter hohe Windräder mit einer Gesamtleistung von zirka 85 GW entstehen; ein Windrad erreicht 7 bis 9 GW/h pro Jahr, was einem Strombedarf von 1500 Haushalten entspricht. Schönau (Urnäsch), Sommersberg/Suruggen (Gais/Trogen) und Sonder (Walzenhausen/Wolfhalden) würden als Reservegebiete im Hinblick auf künftige Entwicklungen gelten. Die übrigen fünf wurden aus Gründen des Landschaftsschutzes, des geringen Potenzials oder der Siedlungsstruktur ausgeschlossen.

Biasotto betonte anlässlich der Medienkonferenz, dass weder Vorprojekte noch Machbarkeitsstudien vorliegen würden. «Es sind fiktive Standorte in der Landwirtschaftszone.» Die Eignungsgebiete sollen nun aber Einzug in den kantonalen Richtplan finden. Dieser wird demnächst dem Bund zur Vorprüfung eingereicht, woraufhin eine Vernehmlassung erfolgt und bis 2024 die definitive Genehmigung aus Bern vorliegen soll. Gemäss Biasotto sollen bereits in acht bis zehn Jahren die ersten Windräder stehen können.

Die klare Bekennung des Ausserrhoder Regierungsrats mag überraschen, hatte doch Biasotto selbst 2018 im Rahmen der Diskussion um den Standort Honegg Windparks als nicht angemessen umschrieben. Auf Windkraft sei aus Landschaftsüberlegungen abzusehen. Aber: Die Zeichen der Zeit stünden heute anders, so der Landammann am Freitag. Bevölkerung und Politik hätten mit der Zustimmung zum kantonalen Energiegesetz ein klares Zeichen gesetzt. Darum werde die Entscheidung von damals nun «korrigiert».