Energiepolitik
«Ohne Ladestationen kein Umstieg»: Wie Appenzell Ausserrhoden die E-Mobilität fördern will

Appenzell Ausserrhoden hat den tiefsten Bestand an E-Autos in der Ostschweiz. Ab dem kommenden Jahr unterstützt der Kanton die Erschliessung von Basisladeinfrastrukturen finanziell. Der Strom muss allerdings ausschliesslich aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

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Der Förderbeitrag beläuft sich auf 400 Franken pro mit Elektrizität erschlossenem Parkplatz.

Der Förderbeitrag beläuft sich auf 400 Franken pro mit Elektrizität erschlossenem Parkplatz.

Bild: CH Media

Appenzell Ausserrhoden muss die Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen für einen verstärkten Ausbau der Elektromobilität prüfen. Das hält das gültige kantonale Energiekonzept fest. Denn wie die Kantonskanzlei mitteilt, leisten Elektrofahrzeuge einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen und können zusätzlich auch den Ausbau von Photovoltaikanlagen (PV) vorantreiben. Voraussetzung für den Umstieg auf emissionsfreie Antriebssysteme sei allerdings, dass Ladeinfrastrukturen vorhanden sind.

Der Kanton will nun den Ausbau fördern. Elektrofahrzeuge werden in der Regel zu Hause «betankt». Vor allem bei Einstellhallen von Mehrparteiengebäuden fehlt aber gemäss Communiqué oft die Motivation der Liegenschaftsbesitzenden, in eine Basisladeinfrastruktur zu investieren. «Doch ohne Basisinfrastruktur können keine Ladestationen installiert werden. Dies hält dann die Mieterinnen und Mieter davon ab, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen», schreibt die Kantonskanzlei.

400 Franken pro Parkplatz

Ab dem 1. Januar 2023 unterstützt der Kanton nun den Bau von Basisladeinfrastrukturen in bestehenden, nicht öffentlichen Einstellhallen von Gebäuden mit mindestens drei Wohneinheiten finanziell. Bedingung ist unter anderem, dass der Strom ausschliesslich aus erneuerbaren Energiequellen stammen dürfe. Der Förderbeitrag beläuft sich auf 400 Franken pro mit Elektrizität erschlossenem Parkplatz, wobei mindestens drei Parkplätze erschlossen werden müssen. Es werden bis zu 40 Prozent der massnahmenbezogenen Investitionen bis maximal 10’000 Franken pro Vorhaben vergütet.

Der Regierungsrat von Ausserrhoden wird zur Förderung der E-Mobilität auch die Besteuerung von Elektrofahrzeugen, die heute gewichtsabhängig erfolgt, überprüfen und nach Alternativen suchen. Die dazu notwendige Gesetzesänderung wird laut Mitteilung in den nächsten Monaten zur Vernehmlassung vorgelegt.

In der Schweiz gibt es derzeit rund 4,7 Millionen Personenwagen. Davon sind nach Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) knapp 110'000 rein elektrisch, Plug-in-Hybrid gibt es 68'000 weitere. In Ausserrhoden beträgt der Anteil reiner Elektrofahrzeuge 2 Prozent. Er ist damit tiefer als der Schweizer Durchschnitt (2,3). In Innerrhoden und im Thurgau ist er mit 2,4 Prozent leicht höher, in St.Gallen liegt er bei 2,2 Prozent. Spitzenreiter ist laut BFS Zug mit 4,6 Prozent.

Anpassung bei kantonaler Photovoltaikförderung

Die Einmalvergütung des Bundes für neue PV-Anlagen wird seit dem 1. Januar 2022 durch kantonale Mittel verdoppelt. Mit der Inkraftsetzung des teilrevidierten Energiegesetzes gilt ab dem 1. Januar 2023 eine Erzeugungspflicht von Eigenstrom für Neubauten. Um den «Mitnahmeeffekt» zu vermeiden, soll ab Anfang Jahr die gesetzlich geforderte Anlagengrösse nicht zusätzlich finanziell durch den Kanton unterstützt werden. Damit aber auch bei Neubauten das gesamte Photovoltaikpotenzial ausgeschöpft wird, fördert der Kanton die installierte Leistung, die über das gesetzliche Minimum hinausgeht.

Auch das Energiegesetz des Bundes wird auf Anfang 2023 angepasst: Künftig kann bei grossen PV-Anlagen ohne Eigenverbrauch (ab 150 kWp) mittels Auktionen mit einer Vergütung von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten gerechnet werden. Damit grosse PV-Anlagen im Kanton, die den Zuschlag erhalten, nicht übermässig gefördert werden, sind solche Anlagen künftig von der kantonalen Förderung ausgeschlossen.

Beantragung Förderung

Fördergelder beantragen können private Liegenschaftsbesitzende und Gemeinden. Dafür sei zwingend vor Installationsbeginn ein Gesuch beim kantonalen Amt für Umwelt einzureichen, heisst es in der Mitteilung. Beitragsgesuche können ab dem 9. Januar 2023 unter portal.dasgebaeudeprogramm.ch/ar erfasst werden.

Mit Vorliegen des unterschriebenen Gesuchsformulars und den dazu erforderlichen Unterlagen gilt das Fördergesuch als rechtmässig eingereicht. Detaillierte Informationen zu den Förderbedingungen sind im kantonalen Förderprogramm «Energie 2021 Plus» ersichtlich, abrufbar auf www.energie.ar.ch unter der Rubrik «Förderung». (red/kk)