Eishockey
Viele ferienbedingte Absenzen: Personelle Situation fordert den neuen Nachwuchs-Chef des SC Herisau

Marco Capaul arbeitet seit Juli im Nachwuchs für den SC Herisau.
Er ist unter anderem Headcoach der beiden ältesten Mannschaften.

Lukas Pfiffner
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Marco Capaul im Training auf dem Eis des Herisauer Sportzentrums.

Marco Capaul im Training auf dem Eis des Herisauer Sportzentrums.

Bild: PD

Marco Capaul hat 1997/98 als Rapperswiler Verteidiger in der einzigen Herisauer NLA-Saison gegen die Appenzeller gespielt. Seit Juli ist er nun im Nachwuchs des SCH tätig. Hat ihn etwas überrascht? Lange überlegen muss der Bündner nicht. «Ja. Die vielen ferienbedingten Absenzen.» Was Vereinsstruktur und Trainingsbedingungen betrifft, sei aber alles in Ordnung, ergänzt er – gemessen am Umstand, dass Herisau ein Verein der vierthöchsten Liga ist. Immerhin habe man in jeder Kategorie ein Team.

Der SCH hat den 48-Jährigen in einem 60-Prozent-Pensum angestellt. Zudem ist Capaul bei einem Temporärbüro halbtags tätig. Dieses war schon bis vor sieben Jahren sein Arbeitgeber, bevor er vollamtlicher Nachwuchschef in Chur wurde. Er wohnt nach wie vor in der Bündner Metropole. Der 22-jährige Sohn Luca gehört als Verteidiger der Organisation der ZSC/GCK Lions an, der 19-jährige Stürmer Yannick der
U20-Elite von Rapperswil-Jona.

Manchmal Überschneidungen

Capaul ist für die Ausrichtung und Absprache der Stufen verantwortlich. In der U17 und U20 ist er Headcoach, leitet deren Trainings und betreut die beiden Teams nach Möglichkeit an den Partien. Am vergangenen Sonntag war Capaul zweimal nacheinander im Einsatz. «Wenn sich bei den Heimspielen diese Option ergibt, ist das in Ordnung.» Allerdings koste das Coaching auch einige Substanz. Bei Überschneidungen in den Spielansetzungen hat die U17 Priorität. «Bei den Älteren verfüge ich in Ron Pedergnana über einen Coach, der einspringen kann.» Capaul ist auch bei den jüngeren Teams ab und zu auf dem Eis, wirkt als Bindeglied und Ansprechperson für die Trainer. Aktuell wird eine neue Software eingeführt, die in der Jahresplanung und Trainingsgestaltung Hilfe bietet.

«Wir sind kein Profiverein. Aber wir gehen nicht hin und sagen einfach: Schauen wir einmal», meint Dario Heinrich, der Präsident des SC Herisau. «Um die Ansprüche von Kindern, Jugendlichen und Eltern zu erfüllen, haben wir uns entschieden, diesen Weg zu gehen.» Die letzten von auswärts zugezogenen Nachwuchstrainer, die in einem grösseren Teilamt angestellt waren, hiessen Thomas von Euw (2013 bis 2016) und Reto Stirnimann (2016/17). Die Mitglieder des Vorstandes arbeiten voll. «Wir können nicht auch noch Aufgaben in der Administration und Koordination übernehmen», erzählt Heinrich. Nach langer Zeit ist der Verein schuldenfrei. Diesen Status möchte er nicht aufs Spiel setzen. «Capauls Engagement belastet die Vereinskasse nicht. Er wird von externen Organisationen finanziert.» Der SCH arbeitet auf den Stufen U13 bis U20 im Verbund, vor allem mit dem EC Wil. Es sei das Ziel, dass sich dieser an den Kosten beteiligt, erklärt Heinrich. Entsprechende Gespräche laufen.

Nur über Partnerschaften

Herisau spielt mit dem zweitältesten Nachwuchsteam in der zweithöchsten Liga (U17-Top), mit dem ältesten in der dritthöchsten (U20-A). Die grösste Herausforderung sei die personelle Situation in den oberen Stufen, meint Capaul. Manchmal hat er nur zwei Blöcke zur Verfügung und muss hoffen, dass es nicht kurzfristige Absagen gibt wegen Verletzungen oder Corona. «Ein Spieler hat erklärt, dass er sich nicht mehr kostenpflichtig testen lassen will.» Gelegentlich helfen Akteure von Rapperswil oder Rheintal aus. In der U17 verfügt der Verbund über rund 30 Spieler, aber es besteht eine zweite Mannschaft. Capaul bedauert, dass wegen «alter Geschichten» Uzwil nicht mit im regionalen Boot ist. Es gehe im Eishockey nur über Partnerschaften. «Ich war eine der treibenden Kräfte für die Zusammenarbeit von Chur mit Davos. Da gab es einst auch enorme Rivalitäten.»

Herisaus U17-Top liegt sieglos auf dem letzten Platz, hat allerdings weniger Spiele ausgetragen als die Konkurrenz. Es werde darum gehen, diese Saison anständig zu überstehen. Die U20-A hat erst eine von fünf Partien verloren und ist Tabellenführer. «Wenn sie das spielt, was sie kann, haben wir eine gute Mannschaft.» Ob es Sinn mache, einen Aufstieg in die Top-Liga ins Auge zu fassen, sei fraglich. Erstens wegen der personellen Situation, zweitens, weil ein grösserer Aufwand anstehen würde. Auch mit Reisen in die Westschweiz, ins Wallis und ins Berner Oberland.