EISHOCKEY: SCH ist Teil eines «Heim-Samstags»

Mit deutlichen Siegen der Gastgeber beginnen die Playoff-Viertelfinals in der 2. Liga. Herisau überzeugt beim 4:1 gegen Küsnacht im Mitteldrittel mit drei Toren innert acht Minuten. Man habe den Zürchern den Stecker zu wenig gezogen, findet Verteidiger Marco Koller.

Lukas Pfiffner
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Herisaus Verteidiger Marco Koller (vorne) hetzt der Scheibe hinterher. (Bild: pf)

Herisaus Verteidiger Marco Koller (vorne) hetzt der Scheibe hinterher. (Bild: pf)

EISHOCKEY. Der Brauch, dass sich die Spieler erst nach dem Ausscheiden aus den Playoffs das Kinn wieder rasieren, hat auch in den unteren Ligen Einzug gehalten. Welcher Herisauer besitzt den längsten Bart? «Ich vermute, Kevin Homberger», sagt Verteidigerkollege Marco Koller. Die Eindrücke aus dem ersten Spiel der Viertelfinalserie gegen Küsnacht lassen den Schluss zu, dass die Meisterschaft des SC Herisau noch einige Zeit dauern kann. Die Ausserrhoder waren vorgestern der richtige Sieger und Teil eines im Ausmass beeindruckenden «Heim-Samstags» in der 2. Liga: Auch Dürnten (7:1 gegen Kreuzlingen), Uzwil (3:0 gegen St. Moritz) und Prättigau (4:0 gegen Chiasso) gewannen die ersten Viertelfinals auf eigenem Eis deutlich.

«...muss uns stören»

«Wir hätten ihnen den Stecker aber noch mehr ziehen müssen. Das war dumm von uns», fand Marco Koller. Will heissen: Der Nachlässigkeiten im letzten Drittel mit einer zeitweiligen Fahrigkeit in der Defensive und in der Offensive sowie dem Tiefpunkt eines Zürcher Shorthanders zum 1:4 (45.) waren sich die Spieler bewusst. «Ich bin nicht zufrieden», blickte Herisauer Trainer Markus Rechsteiner zurück. «Wir waren wohl die bessere Mannschaft und haben sicher verdient gewonnen. Aber dass wir den letzten Abschnitt verloren haben, muss uns stören.» Man habe da zum Beispiel die eigenen läuferischen Möglichkeiten nicht mehr in genügendem Ausmass ausgenützt.

Paces Effort in Unterzahl

Herisau führte den Chancen und Spielanteilen entsprechend mit zwei Toren, nachdem Pace von einem Fangfehler des Küsnachter Torhüters Klaas profitiert hatte (1:0 in der 11. Minute) und Hauser herrlich freigespielt worden war (2:0 in der 27. Minute). Die entscheidende Phase war jene um die Spielmitte herum. Herisaus Verteidiger Sinnathurai und Olbrecht wurden kurz nacheinander auf die Strafbank geschickt. Herisau trat aber entschlossen und geschlossen auf. Die Bilanz des vierminütigen Zürcher Powerplays: der Ausbau der Herisauer Führung. Pace behauptete die Scheibe während längerer Zeit auf herausragende Art der Bande entlang und hinter dem Gästetor, Jeitziner verwertete seinen Pass in Unterzahl zum 3:0. Pace war auch der Vorbereiter für das vierte Tor, das Bulach noch vor der zweiten Pause erzielte.

Weniger physisch

Den SC Küsnacht kennt Rechsteiner nebst dem eigenen Team am besten (aus seiner jahrelangen Trainerzeit im Nachwuchs der ZSC/GCK-Lions-Organisation). Das Team vom Zürichsee präsentierte sich willig und technisch beschlagen, es trat freilich weniger physisch auf als Schaffhausen in der Achtelfinalserie. Dies kann mit der Altersstruktur zusammenhängen. Nicht weniger als 13 der 15 Zürcher Feldspieler wiesen die Jahrgänge 1991 bis 1993 auf – unter ihnen Verteidiger Jerrit Peter, der von 2012 bis 2014 dem SCH angehört hatte.

Umstellungen am Flügel

Die jüngsten Spieler auf dem Eis stellte allerdings der Gastgeber mit Grüter (1997), Hofstetter (1998) und Eugster (1999). Letzterer kam auffallend oft in Unterzahl zum Einsatz. Bei eigener Überzahl zeigten sich die Ausserrhoder wenigstens in der ersten Spielhälfte gegenüber den vorangegangenen Partien verbessert, ein Powerplaytor gelang ihnen aber nicht. Weil mit Brühwiler, Speranzino und Bommeli drei Stammspieler krankheitshalber fehlten, hatte Rechsteiner auf den Flügelpositionen umstellen müssen. Mit Studerus half dort ein Verteidiger aus. «Er hat bei den Junioren in der vergangenen Saison schon einmal vorne gespielt. Deshalb habe ich mich für diese Massnahme entschieden.» Bei Küsnacht seien am Samstag auch nicht alle Spieler zur Verfügung gestanden, sagt Rechsteiner. «Der Gegner hat also ebenfalls Steigerungspotenzial.» Es sei positiv, dass seine Mannschaft am Samstag mit vier Linien durchspielen konnte, während Küsnacht im Achtelfinal über fünf Spiele gehen musste und vorgestern nur mit drei Linien antrat. Am Dienstag geht der Viertelfinal in die zweite Runde. In den meisten Fällen würden sich sämtliche Spieler für die Auswärtspartien unter der Woche zur Abfahrt am Nachmittag einfinden können, sagt Marco Koller. Er selber arbeitet als Automechaniker und darf «auf einen verständnisvollen Chef zählen».

Herisau – Küsnacht 4:1 (1:0, 3:0, 0:1) Sportzentrum. – 257 Zuschauer. – Sr. Gianinazzi/Bianchi. Tore: 11. Pace (Jeitziner, Ausschluss Rutishauser und Molina) 1:0. 27. Hauser (Rutishauser, R. Popp) 2:0. 31. Jeitziner (Pace, Ausschluss Olbrecht!) 3:0. 35. Bulach (Pace) 4:0. 45. Oechsle (Simon, Matti, Ausschluss Wachter!) 4:1. Herisau: Klingler; Bulach, Hofstetter; Sinnathurai, Olbrecht; M. Koller, Homberger; Bleiker; Hausammann, Pace, Jeitziner; R. Popp, Hauser, Rutishauser; Studerus, T. Koller, Eugster; Grüter, M. Popp, Biefer. Küsnacht: Klaas; Peter, Thelen; Simon, Fischer; Leutwyler, Sette; Oechsle, Schaub, Matti; Molina, Wehrle, Altmann; Weber, Wachter, Kunz. Strafen: Herisau 7mal 2 Minuten, Küsnacht 6mal 2 Minuten. Bemerkungen: Herisau ohne Speranzino, Brühwiler und Bommeli (krank). 12. Pfostenschuss Matti. 58:17 Time-out Küsnacht, anschliessend ohne Torhüter.