Eishockey
SC Herisau: Unliebsame vorweihnachtliche Bescherung im Heimspiel gegen Prättigau

Erstligist SC Herisau verliert gegen Prättigau 1:2. Gute Ansätze der Gastgeber verflüchtigen sich Richtung Konfusion. Es folgt der Auftritt beim Tabellenletzten.

Lukas Pfiffner
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Szene mit Symbolgehalt: Herisaus Stürmer Yanick Hägele kommt zwischen zwei Bündnern zu Fall.

Szene mit Symbolgehalt: Herisaus Stürmer Yanick Hägele kommt zwischen zwei Bündnern zu Fall.

Bild: Lukas Pfiffner

Ob der Funktionär, der im Speakerhaus bei Unterbrüchen jeweils die Musik einspielt, für bessere Unterhaltung der 221 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgen wollte? Im Verlauf des letzten Abschnitts unterliess er es nämlich zweimal, diese auszublenden, während das Spiel lief.

Höhere 1.-Liga-Kost boten Ausserrhoder und Prättigauer am Samstag jedenfalls nicht, was weniger dem Vorletzten aus dem Bündnerland anzulasten war als dem favorisierten Heimteam. Die ersten fünf Saisonspiele im Herisauer Sportzentrum hatte der SCH gewonnen, nun gab es zum zweiten Mal hintereinander ein enttäuschendes 1:2. Das erste Tor von Verteidiger Hug – ein Weitschuss – bedeutete die Führung mit der ersten Szene des zweiten Drittels. Und den einzigen Offensivertrag der Herisauer. Ansätze von Kombinationsspiel, die in der ersten halben Stunde noch auszumachen waren (zum Beispiel mit einem ausgezeichneten Powerplay oder einigen schönen Aktionen der Linie um Timo Koller) verflüchtigten sich bald einmal in Richtung Konfusion.

Keine vernünftige Reaktion

Siege und Niederlagen hatten sich bei den Ausserrhodern seit acht Partien abgewechselt. Dass diese Folge nun zu Ende ging, hatte weniger mit einem überdurchschnittlichen Auftritt der Prättigauer zu tun als mit der Tatsache, dass auf Seite der Herisauer nur Torhüter Valentin Bauer abendfüllend einen soliden und stabilen Eindruck machte. Die Wende zugunsten der Gäste passierte um die Mitte des Schlussdrittels. Bei einem Bündner Vorstoss wurde Schumacher von Noser zu Fall gebracht – Cavelti verwertete den Penalty zum Ausgleich. Und gut zwei Minuten später überraschte Verteidiger Casanova mit seinem Slapshot an vielen Beinen vorbei alle zum 1:2. Zu einer vernünftigen Reaktion war Herisau nicht fähig. Das meiste basierte auf wenig fruchtbaren Einzelvorstössen, zu viele einfache Fehler passierten schon in der eigenen Zone. Prättigaus Goalie Derungs geriet in der Schlussphase kaum in Bedrängnis. Und erst 30 Sekunden vor der Sirene kam Herisau dazu, einen sechsten Feldspieler auf das Eis zu bringen.

Burgdorf als Ausnahme

Prättigau hatte sich mit drei U20-Elitejunioren des HC Davos verstärkt. Diese fielen nicht nur mit namenlosen Trikots und blauen Handschuhen auf, sondern auch mit läuferischen Fähigkeiten. Schon zum sechsten respektive fünften Mal wirkten auf Seite der Herisauer zwei Leihspieler aus dem Kader der Churer MySports-Mannschaft mit, die im Herbst noch niemand auf der Rechnung hatte und die nun über beschriftete Shirts verfügen: Dank Verteidiger Sebastian Roussette und Flügelstürmer Mauro Neurauter trat die Mannschaft von René Stüssi mit vier kompletten Blöcken an.

Die Herisauer wehrten sich trotz offensichtlich schlechter Tagesform gegen das drohende Ungemach, liessen sich im dritten Abschnitt beim Stande von 1:0 für eine Reihe geblockter Schüsse von den Kollegen feiern. Sie mussten aber schliesslich nicht unverdient als Verlierer vom Eis. Ein Tor gegen Bellinzona, zwei in Aarau, eines gegen Prättigau: Die Offensive der Ausserrhoder funktioniert seit Ende November nicht mehr – mit Ausnahme eines erstaunlichen 9:1 in Burgdorf.

Am Dienstag in Widnau

Für die Bündner hatte der Sieg enorme Bedeutung – mindestens zum aktuellen Zeitpunkt die grössere als die Niederlage für Herisau. Prättigau verhinderte einen Abstand von acht Zählern auf Platz 10. Herisau liegt nach 15 Partien in einer engen Zone auf Platz sechs, hat einmal mehr gewonnen als verloren. Im letzten Spiel des Jahres tritt der SCH am Dienstag in Widnau an: Der Tabellenletzte Rheintal weist eine spezielle Bilanz auf: Nach zwei Startsiegen gewann er nur noch zwei Punkte und unterlag beim 2:4 gegen Luzern zum 13. Mal in Folge. Tritt Herisau so uninspiriert und ungeordnet auf wie am Samstag, kann sich Rheintal Chancen ausrechnen, diese niederschmetternde Serie zu beenden.