Eishockey
Da luftig, dort statistisch perfekt: Der SC Herisau verliert gegen Wil 3:6.

Die Herisauer Eishockeyaner treffen ab Donnerstag in den 1.-Liga-Playoffs auf Frauenfeld.

Lukas Pfiffner
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Wils Stürmer Lucas Hohlbaum wird vom fliegenden Luca Noser beim Abschluss gestört.

Wils Stürmer Lucas Hohlbaum wird vom fliegenden Luca Noser beim Abschluss gestört.

Bild: Lukas Pfiffner

Plötzlich kamen die Emotionen auf dem Eis doch noch auf, es wurde auf den Tribünen für kurze Momente laut. Herisau schoss das zweite Tor (45.), konnte ausgedehnt Powerplay spielen. Brauchte es ein Beispiel für die schwache Tagesform der Einheimischen, ist diese Phase zu nennen: Innert der gleichen Strafe gegen Wils Schneider kassierte Herisau zwei Shorthander zum 2:5 und 2:6. Dabei verlief beim letzten Gegentor der Ausflug von Goalie Valentin Bauer ebenso unglücklich wie die Rettungsaktion von Verteidiger Sandro Gartmann, der den Puck hechtend ins Tor schob. Zuvor hatte der SCH 2021/22 zu Hause nie mehr als drei Treffer zugelassen. War das Spiel lange fast strafenlos verlaufen, gab es im letzten Drittel zwölf Ausschlüsse. Als sich im Anschluss an eine Rangelei 55 Sekunden vor der Sirene die Captains bei den Schiedsrichtern nach dem Strafmass erkundigten, war aber ein Lachen auszumachen. Irgendwie hatten alle erkannt, dass es sich nicht lohnte, sich über etwas aufzuregen. An der Punktevergabe konnte sich nichts mehr ändern, und die Meldungen aus den anderen Stadien deuteten keine Verschiebungen in der Rangliste an.

«Nun geht es richtig los»

Der Sechste Herisau beginnt am Donnerstag die «Best-of-five»-Playoffs beim Dritten Frauenfeld – wie vor zwei Jahren. Damals war der SCH Achter und verlor gegen den Erstklassierten 0:3, 3:4 nach Verlängerung und 2:5. «Kurze Reise, sportlich nicht einfach», fasste Trainer René Stüssi seine Gedanken zusammen. Es gelte, den Samstag abzuhaken. «Nun geht es richtig los. Wir freuen uns und werden bereit sein.» Die Ausgangslage für Frauenfeld ist speziell: Im Konglomerat Thurgau ist sein Aufstieg in die My-Sports-League vorgesehen, um in der Ausbildungspyramide des HCT einen guten Unterbau zu schaffen. Allerdings sind mit den ­Pikes die Kantonsrivalen in ­dieser Saison stilsicherer unterwegs. Und Wetzikon möchte auch aufsteigen.

Es gab neue SCH-Torschützen

Herisau verteidigte gegen Wil zunächst abenteuerlich bis luftig, ehe es etwas besser in die Partie fand. «Wir machten es dem Gegner zeitweise einfach», meinte Stüssi. Mit Roman Popp (abwesend) und Timo Koller (krank) fehlten dem SCH zwei der drei besten Skorer. Wenn es zum Abschluss der Regular Season etwas Positives gab, betraf dies den Umstand, dass mit ­Hägele (der beim Stande von 0:1 auch noch den Pfosten traf), ­Lüthi und Hoffmann Spieler zu Torerfolgen kamen, die nicht oft spielten und bisher kaum als Skorer in Erscheinung getreten waren. Wil wirkte läuferisch stärker und gedanklich lange präsenter, gewann verdient. Der Gast hatte aber auch seine Unkonzentriertheiten – aufgezeigt bei den beiden Herisauer Unterzahlmöglichkeiten durch Neurauter und Eigenmann im tor­losen zweiten Drittel.

Der Wiler Trainer relativiert

Zwei Männer unter den 203 Zuschauerinnen und Zuschauern erschienen nach dem Spiel vor der Wiler Kabine und überreichten zuhanden der Mannschaftskasse zwei Noten. Das Geld dürfte weniger der Tagesleistung geschuldet sein als der ­statistischen Perfektion des EC Wil. Auch das achte und letzte Qualifikationsspiel auf fremdem Eis gewann er! Zu Hause verlor er sechs von neun Partien. Trainer Kevin Schüepp, einst SCH-Stürmer, relativierte: «Wir haben in den Heimspielen die Möglichkeiten zu wenig genützt, teilweise unglücklich verloren. Alles in allem können wir mit dem Abschneiden dieses jungen Teams sehr zufrieden sein.» Wegen der erstaunlichen Bilanzen auf den Heimvorteil zu verzichten und den fünften Platz «anzuvisieren», sei keinesfalls in Frage gekommen. Vielleicht werde man vor dem Playoff-Start zu Hause gegen Luzern mit dem Car ein paar Mal um die Eishalle fahren, meinte sein Assistent Ivo Frischknecht, der ehemalige Herisauer Funktionär. Es war aber ein Scherz.