Einweihungsfest
«Ein riesiges Werk ist vollendet»: Trogen feiert seinen neugestalteten Landsgemeindeplatz

Nach 40 Jahren Vorbereitungs-, Planungs- und Bauzeit: Trogen hat seinen neugestalteten Landsgemeindeplatz mit einem dreitägigen Fest gefeiert. Das Programm ist vielfältig. Auch ein neuer Kunstführer wird vorgestellt.

Charlotte Kehl
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Hannes vo Wald verzückt mit seinem Feuerwerk die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Hannes vo Wald verzückt mit seinem Feuerwerk die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Bilder: Hans Äschlimann

Trotz Blitz und Donner füllt sich am Freitagabend der Festplatz mitten in Trogen mit viel Volk aus allen Himmelsrichtungen. Auf der Bühne vor dem Rathaus ergreift Gemeindepräsidentin Dorothea Altherr das Wort und eröffnet feierlich das dreitägige Landsgemeindeplatz-Fest mit der Vernissage des Kunstführers. «Ich bin überwältigt», gesteht sie den zahlreichen Gästen.

«Ein riesiges Werk ist vollendet!»

Die virtuose Trogener Brassband leitet über zu den Glückwünschen aus der Kantonsregierung, überbracht von Landammann Dölf Biasotto, angereichert mit Anekdoten aus seiner Trogner Kantizeit. Der Landsgemeindeplatz sei nicht nur von demokratischer und denkmalpflegerischer Wichtigkeit, sondern berge in seinen dunklen Schleichwegen zum Mädchenkonflikt viele brisante Geheimnisse. Aber die Verleihung des Preises «Schönstes Dorf der Schweiz 2021» verdanke Trogen ganz bestimmt der sorgfältigen Pflege und Erhaltung der einmaligen Bauten rund um diesen Platz, «auf dem man dank der Pflästerung keine schlammigen Schuhe mehr kriegt».

Landammann Dölf Biasotto und Gemeindepräsidentin Dorothea Altherr beim Festauftakt.

Landammann Dölf Biasotto und Gemeindepräsidentin Dorothea Altherr beim Festauftakt.

Flucht vor dem Regen

Der Landsgemeindeplatz mit seinen angrenzenden Bauten ist auch der Inhalt des 1094. Kunstführers der Gesellschaft Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Die Rede des Redaktors der GSK wird jedoch jäh von schweren Regentropfen unterbrochen. Die Gesellschaft flieht in die evangelische Kirche, wo die drei Autorinnen und Autoren Heidi Eisenhut, Moritz Flury und Vreni Härdi unterhaltsam persönliche Highlights ihrer Arbeit darlegen.

Draussen geht derweil ein Gewitter nieder, welches fast schon als weiteres Highlight bezeichnet werden könnte, wie Dorothea Altherr in ihrer Abschlussrede am Sonntag meint. «Schade, dass das Fest auf dem Platz ins Wasser fiel», bedauert Ok-Chefin Manu Stieger, «aber wir hatten ja Ausweichmöglichkeiten und wollten auf keinen Fall diesen schönen Ort mit einem Festzelt verunstalten». In den umliegenden Gastrobetrieben und im «Krone»-Saal geht das Fest in guter Stimmung weiter.

Landsgemeindeplatz als Begegnungsort

Am Samstag strahlt wieder die Sonne über dem erweiterten Krämermarkt. Die Festbänke sind alle besetzt und Bratwürste, asiatische Spezialitäten und Waffeln werden rege konsumiert. Der Landsgemeindeplatz erfüllt seine Funktion als Begegnungsort für alle.

Auch das Herstellen von Dachlattenfiguren gehörte zum Festprogramm.

Auch das Herstellen von Dachlattenfiguren gehörte zum Festprogramm.

«Kinder haben ihre Väter mitsamt Bohrmaschinen mitgebracht und den ganzen Vormittag gemeinsam gewerkt», strahlt Karin Bucher. Mit Dachlatten, Akkubohrern und ihrem Know-how entstehen originelle und kunstvolle Figuren, welche auf Stelzen, im Kirchenfenster, am Boden posieren und sogar ein Töff ist entstanden. «Dieser ist ein Werk von Vater und Sohn, welche zufällig auf einer Motorradtour Halt machten und Holz und Stichsäge in die Hand nahmen», erzählt Karin Bucher begeistert.

Weicher, grüner Raum für Trogen

Der von Robert Kull konzipierte Garten des Fünfeckpalastes hat im Laufe der Jahre 21/22 seine geplante Gestalt angenommen und die üppig wachsenden einheimischen Pflanzen dürfen mit einem Stein beschriftet werden. In seiner Führung erklärt er die Absicht, aus dem ehemals privaten Charakter des Gartens einen öffentlich zugänglichen «weichen-grünen» Raum zu schaffen, eine vielfältig bespielbare Oase innerhalb des Zentrums von Trogen.

Der laue Samstagabend lässt die Gastrobetriebe rund um den Platz aus allen Nähten platzen. Verschiedene Musikgruppen in den Beizen bedienen unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Besucherinnen und Besucher können sich ihr ganz persönliches Programm zusammenstellen. Fast Mitternacht ist es, als Hannes vo Wald sein Feuerwerk in Gang setzt und damit einen explosiven Höhepunkt erreicht.

Am Krämermarkt strahlte wieder die Sonne.

Am Krämermarkt strahlte wieder die Sonne.

Yoga und Festgottesdienst als Abschluss

Der Sonntagmorgen bringt mit dem Yoga-Zmorgä auf den sonnenwarmen Bsetzisteinen eine feierlich- und untergründige Atmosphäre. Jedem Kirchgänger wird ein roter Stein in die Hand gedrückt, deren tieferes Geheimnis Simone Flury-Rova zu klären weiss. Sie hatte im Laufe der Bauarbeiten gegen 100 solcher Steine mit guten Wünschen und Absichten beschriftet in der Baugrube versenkt. Dort sollen sie nun ihre Wirkung tun und Begeisterung und Freude verbreiten.

Stimmungsvoll unterstützt der Wäldlerchor mit dem Appenzeller Kammerorchester unter der Leitung von Jürg Surber den ökumenischen Festgottesdienst. Natürlich darf dabei das Landsgemeindelied nicht fehlen, sowie als krönender Abschluss ein herzerhebendes Halleluja von Georg Friedrich Händel.

Ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Appenzeller Kammerorchester unter der Leitung von Jürg Surber bildete den Abschluss der Festlichkeiten.

Ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Appenzeller Kammerorchester unter der Leitung von Jürg Surber bildete den Abschluss der Festlichkeiten.