Ein Visionär setzt sich zur Ruhe

Letzte Woche ist CVP-Präsident Max Nadig zurückgetreten. Damit hat der 62-Jährige seine Politikerkarriere beendet. Mit seinen Visionen hat der Herisauer in den vergangenen 26 Jahren viel bewegt, aber auch Widerstand geerntet.

Patrik Kobler
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Die Politikerkarriere hat Max Nadig zwar beendet, beruflich will der 62-Jährige aber weiterarbeiten. (Bild: apz)

Die Politikerkarriere hat Max Nadig zwar beendet, beruflich will der 62-Jährige aber weiterarbeiten. (Bild: apz)

HERISAU. Andere müssen Bundesrat werden, um in der Politik gleich viel zu erleben wie Max Nadig. Seit er vor 26 Jahren in die Politik eingestiegen ist, gehörte er nie zur grossen Fraktion der Farblosen. Er hatte Ideen – und stiess mit diesen nicht nur auf Begeisterung. So wie damals, als er Anfang der Nullerjahre zusammen mit dem Gemeinderat Herisau als Stadt positionieren wollte – und das bei angespannter Finanzlage. Das Vorhaben geriet zur Lachnummer und die Stimmberechtigten versenkten Budget, Gratisanzeiger und Gemeindemarketing. Ausserdem wählten sie Nadig 2003 als Kantonsrat ab. Die Misere gipfelte im selben Jahr mit dem sofortigen Rücktritt von Gemeindepräsident Kurt Kägi. Die Umstände, die zu diesem Rücktritt führten, beschäftigen Nadig immer noch. «Kägi hat sich mit Haut und Haaren für Herisau eingesetzt und sich nichts zuschulden kommen lassen», sagt er.

Der Unternehmensberater ist nach wie vor überzeugt, dass der Gemeinderat den richtigen Weg eingeschlagen hatte. «Uns gelang es aber nicht, die Bevölkerung zu überzeugen», so Nadig. Er selber hat sich nie durch Niederlagen entmutigen lassen. «Wenn man etwas probiert, gibt es auch Niederlagen», sagt er und betont, dass auch vieles geglückt sei. Als Beispiele nennt er die Renovation des Casinos, die Erneuerung des Sportzentrums und die Stiftung Altersbetreuung Herisau.

Er hat es immer wieder probiert

In der Politik gelandet ist der damals 36jährige Ausserrhoder Tourismusdirektor, weil er von Armin Stoffel angefragt worden war. «Ich war zwar schon CVP-Mitglied, aber nicht einmal meine Frau Annemarie wusste davon», erinnert sich der HSG-Absolvent. Als Quereinsteiger stellte er sich 1990 für den Gemeinderat zur Verfügung. Kaum gewählt, schuf er das Ladenschluss- und das Taxigesetz ab und führte die Parkplatzbewirtschaftung ein. Und zwar mit dem Segen des Gewerbes, wie er betont. Erst als die ersten Bussen verteilt worden seien, habe sich Widerstand geregt.

1994 kandidierte erstmals für die Regierung. Fünf Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts hatten er und die anderen Kandidaten Heinz Brunner, Hans Diem und Werner Meier gegen Alice Scherrer und Marianne Kleiner keine Chance.

Vier Jahre später strebten er und Kurt Kägi das Gemeindepräsidium von Herisau an. Der FDP-Kandidat setzte sich im zweiten Wahlgang hauchdünn durch. 2003 verpasste er ein zweites Mal die Wahl in den Regierungsrat. Und vor fünf Jahren wollte Max Nadig auch noch in den Nationalrat. Freilich hatte er wieder das Nachsehen. «Als CVP-Politiker konnte ich in Appenzell Ausserrhoden auch nicht damit rechnen, gewählt zu werden», sagt er.

Jetzt ist definitiv Schluss

Wer weiss, was möglich gewesen wäre, wenn er FDP-Mitglied gewesen wäre. Solche Gedanken macht sich der 62-Jährige nicht. Er habe sich in der CVP immer in der richtigen Partei gefühlt. 2006 stellte er sich als Kantonalpräsident zur Verfügung. Letzte Woche hat er den Stab weitergegeben. Neue Parteipräsidentin ist Claudia Frischknecht. «Es ist definitiv Schluss», antwortet Max Nadig auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen kann. Als er 2006 als Gemeinderat zurückgetreten sei, hätten auch viele gezweifelt, ob er sich aus der Kommunalpolitik raushalten könne. «Ich habe mich nie wieder zu Wort gemeldet», sagt er. Bloss zur Teilnahme an der Zukunftswerkstatt habe er sich überreden lassen. Wieder einmal brachte er bei dieser Gelegenheit eine visionäre Idee ein: Herisau an der Expo2027.