Ein politischer Vereinsmensch

Ein stiller Schaffer ist seit kurzem Präsident der SVP AR: Der 30jährige Anick Volger aus Speicher pflegt viele Hobbies und möchte die SVP zur stärksten Kraft im Kanton machen. Den Ausgleich findet er, indem er Köder auswirft.

Mea Mc Ghee
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«Der Zürcher Flügel tickt anders», so Anick Volger. Vorbild des neuen Präsidenten der SVP AR ist Hans Diem. (Bild: mc)

«Der Zürcher Flügel tickt anders», so Anick Volger. Vorbild des neuen Präsidenten der SVP AR ist Hans Diem. (Bild: mc)

AUSSERRHODEN. Feuerwehr Speicher, Pistolensektion Hoffeld, Kantonalpräsident der SVP AR – Anick Volger ist engagiert. Er ist keiner, der es sich am Abend auf dem Sofa gemütlich macht. «Ich bin ein Vereinsmensch, finde es wichtig, etwas für die Gemeinschaft zu tun.» Er rege sich auf, wenn Leute nur reklamieren und konsumieren. Dies habe den Ausschlag gegeben, in die Politik einzusteigen.

Als er nach Speicher zog, trat er der örtlichen SVP bei, die er ab 2011 präsidierte. Als politisches Vorbild nennt er den Ausserrhoder Alt-Landammann Hans Diem. «Seine sachliche ruhige Art, sein taktisches Gespür, wie er seine Meinung vertritt, aber auch anderen Gehör schenkt, das gefällt mir», so der neue Präsident der SVP AR.

Im ländlichen Umfeld zu Hause

Im Aargauischen und in Oberhelfenschwil aufgewachsen, lebt Anick Volger mit seiner Frau Ruth seit neun Jahren in Speicher. Noch, denn ein Projekt für ein Einfamilienhaus in Schönengrund steht kurz vor der Bewilligung. «Wenn es gut läuft, können wir Ende Jahr einziehen», sagt er. Volger hat Verwandtschaft in Schönengrund. «Ich fühle mich im ländlichen Umfeld zu Hause, bin bodenständig und traditionsbewusst.» Jahrelang war zudem die Musik seine Leidenschaft. Bis zum Studium zum Maschinentechniker HF musizierte er fast täglich in verschiedenen Vereinen. «Hauptsache Blech», so Volger. Aktuell müsse die Musik aber zurückstehen.

Ruhiger Schaffer

Grosse Reden zu halten sei für ihn eher eine Pflichtübung, aber er arbeite daran, so der 30-Jährige. Im persönlichen Gespräch wirkt er beredt, überlegt und klar. Er macht den Eindruck eines ruhigen, pflichtbewussten Schaffers, der hohe Ansprüche an sich stellt. «In jedem Lebensbereich», bestätigt er die Fremdeinschätzung. «Ich will immer noch einen Tick mehr.»

Zum Beispiel will er die SVP zur stärksten Partei im Kanton machen. Um dies zu erreichen, müssten Vorurteile abgebaut werden. «Die Ausserrhoder SVP tickt anders als etwa der Zürcher Flügel», betont Anick Volger. Er will seinen Stil, seine «Redensart» in die Partei einbringen und sagt: «Wir dürfen uns keine Ausrutscher leisten.»

Kandidaten aufbauen

Die SVP Speicher am Leben zu halten, nennt er als grösste Leistung seiner fünfjährigen Präsidialzeit. Die Ortspartei habe Mitglieder gewonnen, schwierig sei es indes Leute für den Vorstand zu finden. Volger erachtet es als wichtig, Kandidaten für Ämter aufzubauen, unter anderem in allen Gemeinden solche für den Kantonsrat. In drei Jahren hat die Partei den Sitz von Köbi Frei im Regierungsrat und jenen des Nationalrats David Zuberbühler zu verteidigen. «Das wird kein Zuckerschlecken», weiss Volger, sieht aber das Potenzial und spricht von einer Handvoll guter Namen als Regierungsrats-Kandidat. Selber würde er lieber für den Gemeinderat, denn für den Kantonsrat kandidieren.

Einsetzen will sich der SVP-Präsident für die Einführung des Proporz auf Kantonsebene sowie für das fakultative Finanzreferendum. Da die zwei Themen nach langem Kampf nun von der Regierung aufgenommen wurden, habe man Spielraum, sich in anderen Bereichen zu engagieren. Volger nennt die Pflegefinanzierung und die Unternehmenssteuerreform. «Ziemlich kategorisch», sei er gegen Steuererhöhungen, zunächst gelte es alles Sparpotenzial auszuschöpfen. «Ich trete primär sehr gradlinig auf, bin in einer zweiten Phase aber auch kompromissbereit.» Und wenn nötig gehe er mit dem Kopf durch die Wand.

Erster Leistungsausweis

In der Ausserrhoder SVP hat zuletzt ein Generationenwechsel stattgefunden. Junge Leute, vorwiegend Männer, besetzen wichtige Funktionen. «Die gestandenen Politiker schauen genau hin was wir machen», weiss Volger. Es seien zwar neue Kräfte am Ruder, doch es sei weiterhin ein Miteinander, ist er überzeugt. Und mit dem Gewinn des Nationalratssitzes hätte die neue Generation einen ersten Leistungsausweis erbracht.

Fische filetiert die Frau

Feuerwehr, Schiessen, Politik, Beruf: Wie bringt er alles unter einen Hut? «Ich bin sehr strukturiert, mache so viel wie möglich und spüre, wann ich die Batterien aufladen muss. Am liebsten beim Fischen. Das Angeln ist mein Ausgleich, zu allem, was ich mache, und es ist eine Familiensache.» Mit seinem Vater besitzt er ein Boot an der Limmat und am Lungernsee. Dort tankt er Energie, kann abschalten, sobald der Köder ausgeworfen ist. Mit von der Partie ist Ehefrau Ruth, welche die ausgenommenen Fische filetiert.

In diesen Tagen erscheinen die Porträts der neuen Ausserrhoder Parteipräsidenten. Nach Claudia Frischknecht (CVP) und Anick Volger (SVP) folgt Monika Bodenmann (FDP).