Eidgenössische Wahlen
«Die Bank hat das Vertrauen der Kunden verloren»: Bundesrätin Karin Keller-Sutter kritisiert am FDP-Sommerfest in Urnäsch das Management der Credit Suisse

Die freisinnige Finanzministerin verteidigt am Anlass der Ausserrhoder FDP die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS. Den Grund für den Niedergang der Grossbank sieht sie bei den vielen Managementfehlern.

Jesko Calderara
Drucken
Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Gespräch mit Nationalratskandidat Matthias Tischhauser.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Gespräch mit Nationalratskandidat Matthias Tischhauser.

Bild: Jesko Calderara

Prominenter Support für Nationalratskandidat Matthias Tischhauser und Ständerat Andrea Caroni: Am Sommerfest der Ausserrhoder FDP war am Freitagabend Bundesrätin Karin Keller-Sutter zu Gast. Die Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements reiste zum Wahlauftakt extra nach Urnäsch, um ihre beiden Parteikollegen zu unterstützen.

Das Gespräch mit Keller-Sutter in den Räumlichkeiten der Firma Tisca Tischhauser AG drehte sich vor allem um die Rettung der Grossbank Credit Suisse. Dieses Geschäft hat die Finanzministerin stark gefordert. «Dabei hätte ich im Departement besseres zu tun gehabt, als mich um Banker zu kümmern, die ihre Verantwortung nicht wahrgenommen haben», antwortete Keller-Sutter auf eine Frage von Matthias Tischhauser.

Finanzministerin weist auf Vertrauensverlust hin

Sie verteidigte die Übernahme der CS durch die Konkurrentin UBS. Diese Lösung sei jene gewesen, die am wenigsten Kollateralschäden für die Bevölkerung, die Wirtschaft und das Land gehabt habe. «Das Risiko einer internationalen Krise war gross.» Sogar US-Präsident Joe Biden habe sich laufend über die Beschlüsse der Schweiz informieren lassen.

Keller-Sutter ging auch auf die Forderungen ein, den Bankensektor stärker zu regulieren. In diesem Zusammenhang wies sie allerdings darauf hin, dass die Credit Suisse immer alle Vorschriften eingehalten hat. «Die Bank verlor vielmehr das Vertrauen der Kunden», gab die freisinnige Bundesrätin zu bedenken. Es habe einen eigentlichen Bank-Run gegeben.

Bei der CS sind gemäss Keller-Sutter über die Jahre ein Managementfehler nach dem anderen passiert. Selbst die vielen Verfahren hätten die Manager nicht beeindruckt, kritisierte sie. «Das ist so, wie wenn einem Autofahrer das Billett weggenommen wird und er trotzdem weiterfährt.» Ein Vertrauensverlust könne nicht wegreguliert werden, betonte Keller-Sutter. Die Kunden der CS, darunter auch Firmenkunden aus der Ostschweiz, hätten viel Geld abgezogen. «Wenn eine Bank nicht mehr glaubwürdig am Markt auftreten kann, wird es schwierig.»

Paul Signer wurde verabschiedet

Keller-Sutter zeigte sich abgesehen davon besorgt über die politische Kultur in der Schweiz. Sie habe den Eindruck, dass es auch wegen der sozialen Medien immer mehr einen permanenten Wahlkampf gäbe. «Dadurch ist der Umgangston gehässiger geworden und Personen werden direkt angegriffen.» Es sei immer eine Stärke der Schweiz gewesen, sich zusammenzuraufen und nach Lösungen zu suchen, sagte die Bundesrätin.

Am Sommerfest wurde darüber hinaus Paul Signer verabschiedet. Der frühere FDP-Regierungsrat, Kantonsrat und Herisauer Gemeindepräsident beendete Ende Mai seine rund 30-jährige politische Karriere.