Die Reise geht weiter

Am Samstagabend fand im Kino Passerelle die erste Vorführung nach der Umbauphase statt. In Anwesenheit des Regisseurs Xavier Koller wurde das Filmdrama «Reise der Hoffnung» gezeigt.

Anina Rütsche
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Sechzehn Jahre liegen zwischen den beiden Bildern von Passerelle-Geschäftsleiter Peter Bötschi (links) und Regisseur Xavier Koller. Im Jahr 2000 und auch heute gilt: Daumen rauf! (Bilder: pd (2000) / Christian Regg (2016))

Sechzehn Jahre liegen zwischen den beiden Bildern von Passerelle-Geschäftsleiter Peter Bötschi (links) und Regisseur Xavier Koller. Im Jahr 2000 und auch heute gilt: Daumen rauf! (Bilder: pd (2000) / Christian Regg (2016))

WATTWIL. Er kam per Zug. Unauffällig, unspektakulär eigentlich. Und doch hinterliess der Auftritt von Ehrengast, Regisseur und Oscarpreisträger Xavier Koller am Wiedereröffnungsabend des kürzlich umgebauten Genossenschaftskinos Passerelle in Wattwil einen gewaltigen Eindruck. Mit dabei hatte der 72-Jährige nämlich sein Flüchtlingsdrama «Reise der Hoffnung» (siehe Kasten). Der Film war bereits 1990 am Einweihungsfest des Kinos gezeigt worden. Möglich gemacht hatte diese Rückkehr zu den Wurzeln der Passerelle-Geschäftsleiter Peter Bötschi, der seit dieser Zeit den Kontakt zum in Los Angeles lebenden Xavier Koller pflegt. So haben sich die beiden Männer auch zur Eröffnung des zweiten Saals im «Passerelle» anno 2000 getroffen.

Komfortabler sitzen als früher

Einige der rund 40 Gäste liessen es sich nicht nehmen, schon während des Apéros vor der Vorführung einen Blick in die renovierten Kinosäle zu werfen. Diese haben eine neue, blaue Bestuhlung erhalten. Im grossen Saal gibt es nun gemäss Peter Bötschi weniger Plätze als früher, 120 statt rund 200. «Aber die neuen Sitze sind bequemer als die alten, und man hat mehr Beinfreiheit», fügt er lachend an.

In seiner Ansprache wies Peter Bötschi darauf hin, dass das Kino nun zwar in neuem Kleid erscheine – «La vie en bleu», der Inhalt aber gleich bleibe wie zuvor. «Sozialkritische Filme und Studiofilme stehen an erster Stelle», hob er hervor.

Heute aktueller denn je

Daraufhin richtete Xavier Koller – der einzige Schweizer Regisseur, der je einen Oscar gewonnen hat – einige Worte ans Publikum. «Mein Film ist heute noch wichtiger, noch dringender als zu seiner Entstehungszeit», sagte er. Dass das Werk restauriert worden sei, habe einerseits mit dem 25jährigen Oscarjubiläum zu tun, andererseits und vor allem aber mit den aktuellen Flüchtlingsströmen vom mittleren Osten nach Europa. «Die Familiengeschichte in <Reise der Hoffnung> gibt diesem Thema ein Gesicht, eine persönliche Note, die berührt.» Mit seinem Film wolle er so viele Leute erreichen wie möglich, auch jüngere, erklärte Xavier Koller: «<Reise der Hoffnung> soll zum Diskussionsbeitrag und zum Bildungswerkzeug werden.»

Vom Umgang mit dem Fremden

Im Anschluss an den knapp zweistündigen Film, der ohne Pause abgespielt worden war, führte Peter Bötschi ein Autorengespräch mit Xavier Koller. Dabei erwähnte der Regisseur unter anderem, dass «Reise der Hoffnung» auf wahren Begebenheiten basiert: «Es war eine Zeitungsmeldung in den späten Achtzigerjahren, die mich unglaublich erschüttert hat.»

Auch auf die Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer ging der Ehrengast ein. Als jemand wissen wollte, ob Xavier Koller auch in der heutigen Zeit einen solchen Film machen würde, antwortete der 72-Jährige: «Ja, und ich würde als Fortsetzung einen Beitrag machen über das Fremde und unsere Auseinandersetzung damit.»

Erst gegen 23 Uhr dachte Xavier Koller daran, das Gespräch mit den überaus interessierten Toggenburgerinnen und Toggenburgern zu beenden, sich von seinen Passerelle-Freunden zu verabschieden und in Richtung Zürich zurück zu reisen.

Schon bald werden die ersten Zuschauerinnen und Zuschauer auf den neuen, blauen Kinostühlen im «Passerelle» in Wattwil Platz nehmen. (Bild: Christian Regg)

Schon bald werden die ersten Zuschauerinnen und Zuschauer auf den neuen, blauen Kinostühlen im «Passerelle» in Wattwil Platz nehmen. (Bild: Christian Regg)