Die Beiz, ein Haus des Lebens

Das Kulturblatt «Obacht Kultur» geht dem Wesen der Wirtschaft auf den Grund. Regisseur Eric Bergkraut erinnert sich an die legendäre Wirtin Marlies Schoch. Schriftsteller Alex Capus beschreibt, wie er als Barkeeper Gäste zum Aufbruch ermuntert.

Michael Genova
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«Heilig unter Glas»: So nennt Matthias Krucker drei Bierdeckel, die er für «Obacht Kultur» gestaltet hat. (Bild: Joa Schmied, Büro Sequenz)

«Heilig unter Glas»: So nennt Matthias Krucker drei Bierdeckel, die er für «Obacht Kultur» gestaltet hat. (Bild: Joa Schmied, Büro Sequenz)

AUSSERRHODEN. Nach dem Tod von Martin habe Marlies Schoch drei Wochen lang kein Wort mehr gesprochen. So gross war ihre Trauer. Martin Scherrer war der treue Begleiter der kürzlich verstorbenen Wirtin der «Hundwilerhöhe». Diese Beizengeschichte erzählt Regisseur Eric Bergkraut in der aktuellen Ausgabe von «Obacht Kultur». Das Kulturblatt des Ausserrhoder Amts für Kultur hat dem Thema «Wirtschaft» eine ganze Ausgabe gewidmet

Orte des Vertrauens

Die Beiz ist eine besondere Vertreterin unter den Gaststätten. «In einer Beiz darf man hängen bleiben», schreibt Eric Bergkraut. Sie sei ein Haus, das immer und für alle offen stehe: «Ein Haus des Lebens.»

Doch manchmal hat auch die beste Wirtin Feierabend. Was dann geschieht, beschreibt der Schriftsteller Alex Capus in einem weiteren Text aus seiner Sicht als Barkeeper. Lange vor der Polizeistunde lässt er den Gästen allmählich das Licht ausgehen. Es ist seine sanfte Methode, die «Blüten der Nacht» auf den Heimweg zu schicken.

Es gibt weitere lesenswerte Texte in der aktuellen Ausgabe von «Obacht Kultur». So erinnert sich Hanspeter Spörri an seine beiden Grossväter, die Wirtshäuser liebten. Einer davon, der Teufner Konditormeister, hatte für jeden Tag seine feste Wirtschaft: Am Samstag besuchte er den «Schützengarten», am Sonntag den «Anker». Dann begibt sich Spörri auf die Suche im heutigen Ausserrhoden. Seine Reise führt ihn unter anderem in die Scheidweghütte von Regula Niederer bei Rehetobel, in die «Harmonie» in Wolfhalden und zum Kebab-Stand von Ahmet Bagatarhan in Teufen. Nach seiner Tour schreibt Spörri als vorläufiges Fazit: «Beizen sind Kraftorte.» Orte des Vertrauens, wo Menschen sich öffnen können.

Kunst auf Bierdeckeln

Myrta Gegenschatz vom Ausserrhoder Staatsarchiv beschreibt, wie sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf das Gastgewerbe auswirkte. Und Philipp Kamm erklärt, warum Wirtshäuser zu «Hochschulen der Volksmusik» wurden.

Wer nicht lesen mag, dem bietet «Obacht Kultur» zwei Alternativen: Den Umschlag des Hefts können Leser auch als Tischset weiter verwenden. Und in der Heftmitte befinden sich drei Bierdeckel, gestaltet vom Künstler Matthias «Kuk» Krucker.

Abonnemente: Tel. 071 353 67 48 oder www.obacht.ch