Design-Gold für Wattwiler «Helm»

WATTWIL. Viermal Design-Gold für die Schweiz, davon eines ins Toggenburg: Die Wattwiler Optrel bekommt beim renommierten iF DesignAward in München eine Goldmedaille für ihre neu entwickelte Schweissmütze. Sie bietet ein grösseres Sichtfeld und ist besonders angenehm zu tragen.

Hansruedi Kugler
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Optrel-Geschäftsführer Daniel Ritler (links) und Verwaltungsratspräsident Marco Koch mit dem neuen Schweisshelm und dem GoldAward. (Bild: Hansruedi Kugler)

Optrel-Geschäftsführer Daniel Ritler (links) und Verwaltungsratspräsident Marco Koch mit dem neuen Schweisshelm und dem GoldAward. (Bild: Hansruedi Kugler)

Wer Design hört und dabei nur an modisches Outfit denkt, liegt falsch. Zumindest im Industriedesign stehen die Benutzerfreundlichkeit, die praktische Handhabung und der Tragekomfort der Produkte im Zentrum. Und im Fall der neuen Schweissmütze stand diese Idee auch am Anfang der Produktentwicklung, sagt Marco Koch, Verwaltungsratspräsident der Optrel AG. Über das Design-Gold ist er denn auch mächtig stolz. Nicht zuletzt, weil dahinter eine eineinhalbjährige Entwicklungsphase steckt, die das Produktsegment seiner Firma ausweitet. 3249 Bewerber aus 48 Ländern buhlten in München um die Auszeichnungen. Für 50 unter ihnen gab's Design-Gold. Weltmarken wie Apple, Nike und Sony, aber auch vier Firmen aus der Schweiz kommen mit einer Gold-Auszeichnung aus München zurück.

Aufwendige Design-Entwicklung

In seinem Schwarz-Grün sieht die neue Schweissmütze WeldCap modisch aus. Sie schützt zwar wie ein Helm, sieht aber eher aus wie eine Dächlikappe mit Skibrille und Gesichtsschutz. Dies im Unterschied zu den bisherigen Produkten der Optrel AG, die wie Integral-Helme aussehen. Das Designkonzept erarbeitet haben die Zürcher Produktentwickler und Industriedesigner der Firma Tribecraft. Diese haben vor zehn Jahren auch schon das Design der Anzündhilfe 251° der Wattwiler Lindner Suisse erarbeitet und dafür den deutschen Verpackungspreis und den World-Star gewonnen. Sich in der Produktentwicklung von externen Spezialisten beraten zu lassen, sei grundsätzlich inspirierend, sagt Marco Koch: «Die neue Mütze ist ein Meilenstein. Als uns die Zürcher Designer die Idee vorgestellt haben, sagten wir: Warum sind wir selbst bisher nicht draufgekommen?» Er nennt drei wesentliche Verbesserungen: Das Sichtfeld ist um 170 Prozent vergrössert, weil das Flüssigkristall-Display neu wie bei einer Skibrille über den Nasenrücken gebogen ist und so näher an die Augen rückt. Die bisherigen Displays sind allesamt rechteckig und weiter von den Augen weg. Statt aus einem Kunststoffhelm besteht der WeldCap aus feuerfest beschichteten Textilien, was den Tragekomfort wesentlich verbessert. Nicht zuletzt kann man den neuen Schweissschutz wie eine Dächlikappe bequem mit einer Hand an- und ablegen und dank einem gleichzeitig ebenfalls neu entwickelten Haken am Gurt fixieren: «Mit dem neuen Produkt erweitern wir unser Segment auf Gelegenheitsschweisser, vor allem in Autogaragen oder Landmaschinenwerkstätten, aber auch in den Hobbybereich. Diese Nutzer schweissen nicht stundenlang und schätzen darum diese Einfachheit in der Handhabung», sagt Marco Koch.

Grosser Markt für neuen Helm

Bisher sind die Optrel-Schweisshelme vorwiegend im Fachhandel erhältlich. Mit dem neuen WeldCap will Marco Koch künftig auch ins Segment der Bau- und Supermärkte vorstossen. «Die neue Mütze ist wesentlich günstiger und hat das Potenzial zum Massenprodukt», ist er überzeugt. Die ersten Reaktionen auf den Fachmessen stimmen ihn jedenfalls sehr zuversichtlich: Im Herbst letzten Jahres hat er seine Neuentwicklung auf der weltgrössten Fachmesse für Schweissen und Schneiden in Essen vorgestellt. Diese findet alle vier Jahre statt. «Die Reaktionen waren enorm positiv. So viele Vorbestellungen hatten wir mit einem neuen Produkt überhaupt noch nie», sagt Marco Koch.

Produktion in Wattwil

Die Auslieferung des neuen Produkts wird ab Ende März anlaufen. Zum grössten Teil wird der WeldCap – wie auch die anderen Schweisshelme – in Wattwil hergestellt. Produktentwicklung, Produktion und Ausrüstung der Optrel finden im Glaspalast an der Industriestrasse statt. Dort arbeiten 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einige Teile werden zugekauft: Eine besondere Herausforderung war die Produktion der Flüssigkristall-Displays für die Mütze. Auf dem Markt waren bis anhin nur solche im rechteckigen Format erhältlich. Als Erfinderin des Automatikschweisshelms will sich die Optrel AG auch weiterhin mit innovativen Produkten auf dem Weltmarkt behaupten. Die Basis dafür hat sie bereits vor dreissig Jahren gelegt: Bei sämtlichen Schweisshelmen und -mützen aktiviert sich der Blendschutz erst beim Aufblitzen des Schweissbogens, in der übrigen Zeit blickt man wie durch eine starke Sonnenbrille, was einen entscheidenden Nutzervorteil darstellt.