Unihockey
Derby-Kunststück der seltenen Art: Herisau gewinnt in Appenzell 11:7

Vor 300 Zuschauerinnen und Zuschauern gewinnt der UHC Herisau auswärts in der Gringelhalle gegen Appenzell. Im Schlussdrittel passiert Unglaubliches.

Lukas Pfiffner
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Oft nicht zu halten: Der Herisauer Stürmer David van Haaften stösst vor.

Oft nicht zu halten: Der Herisauer Stürmer David van Haaften stösst vor.

Bild: Lukas Pfiffner

Und plötzlich stand es nur noch 6:7. Aldo Blaser, der Captain von UH Appenzell und überragende Einzelspieler des ersten appenzellischen 1.-Liga-Derbys, sagt: «In diesem Moment glaubten wir daran, den Match kehren zu können.» Im letzten Drittel ereignete sich nämlich Unglaubliches: Herisau, das kurz nach Spielhälfte 6:1 und nach 45 Minuten noch scheinbar komfortabel 7:3 geführt hatte, kassierte innert 60 Sekunden drei Tore in eigener Überzahl.

Statt den Match zu entscheiden, brachte die fatale Herisauer Kombination von gedanklichen, positionsmässigen und technischen Aussetzern die kämpferischen und mit starker Moral imponierenden Innerrhoder zurück ins Spiel. Ein Kunststück der seltenen und unwillkommenen Art zeigte da der Gast am Freitagabend. Aber er kam aus dieser Phase, die gleichzeitig Saisontiefpunkt wie Charaktertest war. Herisaus Stürmer David van Haaften formulierte es so: «Wir standen wieder auf und machten das, was wir können.» Herisau durfte sofort wieder Powerplay spielen – und schoss das wichtige achte Tor (48.). Damit war Appenzells Widerstand gebrochen.

Der Rahmen stimmungsvoll

«Unsere Anhänger waren lauter als an den Heimspielen», wunderte sich van Haaften. «Es war fantastisch, in einer solchen Atmosphäre zu spielen», sagte Blaser. 300 laute Zuschauer sahen in der Gringelhalle das 1:0 für die Gastgeber nach acht Minuten im Powerplay – es war das erste von vier Toren für Blaser, der nahe beim Sportzentrum aufgewachsen ist. Es sei für die ehemaligen Herisauer bei Appenzell schon eine emotionale Begegnung gewesen, meinte er.

Mit Yves Angehrn fiel einer von ihnen allerdings früh verletzt aus. Enttäuscht warf Blaser nach der Schlusssirene den Stock über die Bande – bei der Ehrung als bester Innerrhoder Spieler hatte er ihn wieder in den Händen. «Auf dem Feld besteht natürlich eine grosse Rivalität, aber wir sind ja auch Kollegen.»

Tempostark und ausgeglichener

Man sei oft in den Gegner hineingelaufen, habe zunächst zu wenig an die eigenen spielerischen Qualitäten geglaubt, sah der 28-jährige Stürmer die Gründe für die Herisauer Dominanz während zwei Dritteln. «Unter dem Strich ist der Sieg verdient.» Beinahe zu spät fanden nebst Blaser, der ein riesiges Pensum leistete, andere Appenzeller den Weg durch die Gästeabwehr – Lukas Sutter und Maurin Dörig gleich doppelt waren die weiteren Torschützen der Einheimischen.

Appenzells Captain Aldo Blaser hat viel Einsatzzeit und erzielt vier Tore.

Appenzells Captain Aldo Blaser hat viel Einsatzzeit und erzielt vier Tore.

Bild: Lukas Pfiffner

Die Vorteile Herisaus lagen im manchmal horrenden Tempo, in seiner Konterstärke. Und die Ausserrhoder stellten die ausgeglichenere Mannschaft als der Aufsteiger. David van Haaften und Joel Conzett gelangen drei Tore, Silas Stucki zwei, Patrick Frischknecht, Nico Sutter und Stefan Meier je eines. «Jede Linie kann nach vorne einiges bewirken», freute sich van Haaften. Er selber gab auf diese Saison nach zwei Jahren sein Comeback im 1.-Liga-Team. Es komme langsam wieder, sagt er. Damit könnte er die Abschlussstärke, die Wucht und die Wirkung meinen. Van Haaften war in der 1. Liga schon zweimal Herisauer Topskorer.

Appenzeller mit Abspielfehlern

In der zweiten Spielhälfte stellte sich Appenzell etwas besser auf Herisau ein. Es büsste aber schliesslich für die hohe Zahl an Abspielfehlern in der Mittelzone. Diese nützten die Gäste wenigstens teilweise aus; immer wieder verschafften sie sich jenseits der Mittellinie eine Überzahl. Mit Ausnahme der erwähnten Minute, als der UHC Herisau in jeder Hinsicht völlig neben sich stand, wirkte dieser reifer und routinierter.

Die Phasen mit beidseits vollem Spielerbestand ergaben ein 8:3-Teilresultat für die Ausserrhoder. Fünf kleine Strafen wurden gegen Appenzell gepfiffen und vier gegen Herisau. Bei allen gefühls- und resultatmässigen Turbulenzen – das Derby war nur selten überhart. Der UHC Herisau unterstrich mit dem vierten Sieg im fünften Spiel seine Ambitionen auf einen vorderen Platz in der Gruppe 2. Am Sonntagabend trat er zu Hause zum Spitzenkampf gegen Pfannenstiel an, während Appenzell im Bündnerland auf NLB-Absteiger Davos-Klosters traf.