Der Rektor hat den Stichentscheid

Die Position des Rektors und seine Einbindung ins Schulleitungsteam am Gymnasium St. Antonius in Appenzell sorgten im Grossen Rat für ein langes Seilziehen um die Formulierungen. Es wird entschieden, dass dem Rektor im Zweifelsfall der Stichentscheid zukommt.

Roger Fuchs
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APPENZELL. Der Diskussion zur revidierten Gymnasialverordnung zu folgen, schien nicht nur für die Presse herausfordernd. Grossrätin Angela Koller (Rüte) stellte gleich im Anschluss daran den Antrag, man solle doch einmal überlegen, ob man im Grossratssaal einen Bildschirm installieren könnte. Nicht zum ersten Mal erlebe sie nun Konfusionen, wenn verschiedene Anträge im Raum stünden. Das Büro des Grossen Rates werde das Anliegen prüfen, wie Grossratspräsident Pius Federer sagte.

Als eigentliche Knacknuss bei der Revision der Gymnasialverordnung entpuppte sich der künftige Rollenbeschrieb des Rektors. Neu ist dieser Mitglied einer vierköpfigen Schulleitung. Beim bisherigen Modell, das zu personellen Spannungen führte, gab es verschiedene Einzelpersonen, die mit Schulleitungsaufgaben betraut und alle direkt dem Erziehungsdirektor unterstellt waren.

Ringen um Formulierung

Auch wenn fortan nun ein Schulleitungsteam das Gymnasium in Appenzell führt, so sind die Mitglieder dieses Teams formell nicht gleichgestellt. Nach langem Hin und Her hat man sich zur Formulierung durchgerungen, wonach der Rektor der Schulleitung vorsteht und diese führt. «Bei Stimmengleichheit kommt ihm der Stichentscheid zu», heisst es nach entsprechenden Anträgen der Grossräte Karl Schönenberger (Appenzell) und Ueli Manser (Schwende) neu in der Gymnasialverordnung. Weiter wird festgehalten, dass der Rektor die Gesamtverantwortung für die Aufgabenbereiche der Schulleitung trägt und er die Schule nach aussen und gegenüber den Behörden vertritt.

Greifen sollen die neue Führungsstruktur und die angepassten Kompetenzen per sofort. Auf das kommende Schuljahr hin wird ein neuer Rektor seine Arbeit aufnehmen. Dieser soll dann auf bereits erprobte Abläufe zählen können.

Landammann und Erziehungsdirektor Roland Inauen bestätigte ein Votum von Herbert Wyss, Präsident der Kommission für Soziales, Gesundheit, Erziehung und Bildung, dass früher oder später ein Gymnasialgesetz ausgearbeitet werden soll. Ein solches brauche aber Zeit und solle in Angriff genommen werden, wenn man sich wieder in ruhigerem Gewässer befindet.

Unzufriedener Eberle

Viel Schelte für die revidierte Gymnasialverordnung gab es von Grossrat Ruedi Eberle (Gonten). Eine Verordnung mit so viel Spielraum habe er noch nie auf dem Tisch gehabt. «Ich bin enttäuscht», so Eberle. Unzufrieden zeigte er sich insbesondere mit der Bestimmung, dass die Schulleitung jedes Reglement durch das Erziehungsdepartement genehmigen lassen muss. Sein Antrag, dies zu ändern, scheiterte aber deutlich, nachdem Landammann Roland Inauen festgehalten hatte, man müsse sonst in der Verordnung jedes Reglement einzeln aufführen.

Im Rahmen der Debatte gab Inauen des weiteren etliche Erläuterungen zum Organigramm ab, das den Grossratsmitgliedern vor Ort verteilt wurde.