Der Hecht im Teenie-Teich

KIRCHBERG. Etwas für das jüngere Publikum setzte Bruno Metzger von der Kirchberger «Eintracht» am Freitag auf sein Programm. Mit Hecht aus Zürich traf er genau den Geschmack des Publikums.

Michael Hug
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Selten war so schnell Hochstimmung in der «Eintracht»: Hecht traten am Freitag in Kirchberg auf. (Bild: Michael Hug)

Selten war so schnell Hochstimmung in der «Eintracht»: Hecht traten am Freitag in Kirchberg auf. (Bild: Michael Hug)

«Me fönd bi Adam und Eva wider aa!» Ein Versprechen, das Hecht nicht hält, denn just mit diesem Song endet das Konzert. Fertig, aus, geht heim. Ein Konzert, in dem die fünf jungen Boys dennoch alles gaben – und alles zurückbekamen. Selten stieg eine Band derart willkommen geheissen in einen Gig wie Hecht am Freitagabend um Viertel nach neun in der «Eintracht». Die ersten Takte waren kaum gespielt, die ersten Silben gesungen, standen die jungen Fans – vor allem Faninnen – ganz vorne, reckten ihre Arme in die Höhe und sangen mit Verve mit.

In der Nähe gespielt

«Erstaunlich», meinte auch Sänger Stefan Buck, er hätte nicht geglaubt, dass ihr Ruf schon in die Ostschweiz vorgedrungen sei. Obwohl, man hätte ja schon ganz in der Nähe gespielt, in Bütschwil war's vor einem halben Jahr, am Open Air, auch da seien sie ziemlich heftig begrüsst worden. Enthusiasmus im Falle von Hecht hat ein Synonym und das heisst «jung und sympathisch». Oder auch «nett und niedlich», «zum Knuddeln», derber vielleicht: «geili Sieche». Hechts Erfolgsgeheimnis ist ihre Jugend und ihre Zugänglichkeit. Man spricht die selbe Sprache wie die Fans, keine zehn Jahre sind die Hechte älter als die, die sie anhimmeln.

Wo ist der gute alte Rock'n'Roll geblieben, fragt man sich vielleicht, wenn man sich die Musik der Zürcher, ihr Auftreten und Gehabe ansieht. Doch den kennen die heutigen Jungen gar nicht mehr, Party heisst die Losung, auch wenn dann alles ein wenig gleich tönt. Hecht jedenfalls versteht es, die Party zu rocken. Mit einem Programm, das geschmeidig wie Teig aus einer Pasta-Maschine kommt. Song reiht sich an Song, ein jeder noch ein bisschen schneller wie der vorhergehende, frenetisch bejubelt von den Girls in der vordersten Reihe. Der Hecht im Teenie-Teich.

Hecht, der Senkrechtstarter

Hecht ist dank freundlicher Unterstützung von Radio und Fernsehen ein Senkrechtstarter. In nur vier Jahren und zwei CDs haben es die fünf Musiker aus dem Mittelland zu nationaler Bekanntheit gebracht. Die Wurzeln der Band reichen jedoch weiter zurück. Stefan Buck (Gesang), Christoph Schröter (Gitarre) und Rolf Furrer (Schlagzeug) spielten zehn Jahre als Seng zusammen. Man sang Selbstgedichtetes auf Englisch. Der Durchbruch erfolgte nicht, der kam eben erst, als das Trio sich dem Naheliegendsten zuwandte, der Mundart nämlich. 2011 kamen Philipp Morscher (Bass) und Daniel Gisler (Keyboards) dazu, wenig später lud sie einer, der die ganze Szene links überholte, als Vorband zu einer Tournée ein. Der Geburtshelfer hiess Baschi.

Musizieren im Nebenjob

Heute ist Hecht selbständig geworden. Aber nicht unabhängig. Alle fünf musizieren im Nebenjob, sind sozusagen immer noch Amateure und wollen es bleiben. Damit jeder auf seinen Nenner käme, müsste die Gage höher sein, das sei irgendwie schwierig bei fünf Bandmitgliedern, begründen sie ihre Strategie. Das Problem: Mundart spricht nur einen Teil der deutschsprechenden Bevölkerung Europas an, also ein begrenzter Markt. Vielleicht ist das ganz gut so. Solange ihre Konstitution dieses Setting – tagsüber arbeiten, abends auftreten – durchhält, ist das Publikum ganz glücklich, die fünf knuddeligen Jungs so nah auf einer Clubbühne erleben zu dürfen, statt horrende Eintritte in Fussballarenen bezahlen zu müssen.