Der Chronist des Vertrauten

Dölf Mettler hat das Naheliegende immer fasziniert. In seinen Bildern und mit seiner Musik hat er ein Leben lang den lokalen Bräuchen nachgespürt. Der Bauernmaler und Volksmusiker präsentiert seine Bilder im Spital Appenzell.

Michael Genova
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Dölf Mettler malt noch heute jeden Tag in seiner Werkstatt am Postplatz in Appenzell – im Mai wird er 80 Jahre alt. (Bild: mge)

Dölf Mettler malt noch heute jeden Tag in seiner Werkstatt am Postplatz in Appenzell – im Mai wird er 80 Jahre alt. (Bild: mge)

APPENZELL. Hätte Dölf Mettler seine Malerlehre nicht abgebrochen, wäre er nie ein bekannter Volksmusiker und Bauernmaler geworden. Mettler lebte bei Pflegeeltern in Nesslau, als diese ihm gegen Ende der Sekundarschulzeit eröffneten, dass sie eine Lehrstelle für ihn gefunden hätten. Zuerst verschwiegen sie ihm seinen neuen Beruf. Dann sagten sie: «Du kannst gut zeichnen, wir haben eine Lehrstelle als Maler für Dich gefunden.»

Den Traum vor Augen

Als Malerlehrling war Mettler unglücklich. Er, der schon als Kind gerne zeichnete, sah für sich eine andere Zukunft. Noch gut erinnert sich der Kunsthandwerker an den Tag, der alles veränderte. Für seinen Lehrbetrieb strich er die Fassade der Heberlein Textil AG in Wattwil und konnte vom Baugerüst den Dessinateuren zusehen, wie sie im Zeichensaal Stoffmuster entwarfen. Da wusste er: «Das will ich auch.» Danach nahm das Schicksal seinen Lauf. Seinem Lehrmeister («Pedrazzi war ein lieber Mann») entging nicht, dass sein Schützling eigentlich nach etwas anderem strebte. Er hatte Verständnis und sprach mit Mettlers Pflegeeltern, die schliesslich der Auflösung des Lehrvertrags zustimmten. «Am Anfang war es anstrengend, ohne Geld meine Träume zu verwirklichen», sagt Mettler. Um die nötigen Mittel für eine Lehre als Dessinateur zu verdienen, arbeitete er als Knecht bei einem Bauern in Waldstatt und wusch in der Nacht Trolleybusse in St. Gallen. Seine Lehre absolvierte er schliesslich bei der St. Galler Textilfirma Jakob Schlaepfer. Nach einigen Jahren gab er seinen Beruf auf, um sich der Passion Volksmusik zu widmen. In jener Zeit stiess er auf die Bauernmalerei, von der er sich ein Grundeinkommen erhoffte.

Die Nähe fasziniert ihn

Das war vor knapp 40 Jahren. Heute ist Dölf Mettler einer der bekanntesten Appenzeller Bauernmaler und blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Volksmusiker und Komponist zurück. «Ich hatte ein gewaltig schönes Leben», sagt er. Mettler sitzt am Arbeitstisch in seiner Werkstatt am Postplatz in Appenzell und arbeitet an einer Winterlandschaft. Hinter ihm ist die Wand voll mit Bauernbildern. Ab heute wird ein grosser Teil im Parterre des Spitals Appenzell zu sehen sein. «Vielleicht ist es meine letzte Ausstellung», sagt Mettler. Im Mai werde er 80 Jahre alt und mit der Vorbereitung einer Ausstellung sei er jeweils zwei bis drei Jahre beschäftigt. Doch gleichzeitig relativiert er: Solange «es tuet», solange Augen und Hände nicht versagten, gebe es keinen Grund, aufzuhören. Dafür liebt der Bauernmaler seine Arbeit zu sehr. Der gebürtige Toggenburger hat im Appenzellerland und dessen Brauchtum sein Lebensthema gefunden. Seine Mission fasst er in einem Satz: «Ich möchte das Appenzellerland mit Musik und Malerei einfangen.» Ob er nie aus dem engen Rahmen der bäuerlichen Motivwelt ausbrechen wollte? Mettler verneint: «Es kribbelt mich, das zu malen, was um mich herum ist.» Es sei die Nähe und das Vertraute, das ihn fasziniere.

Lebenslange Suche

«Bei einem Künstler hört die Suche nie auf», sagt Mettler. Er erinnert sich an seine Anfänge als Bauernmaler. Mit den ersten Versuchen sei er damals an die Hauptgasse nach Appenzell gereist und habe sie den Bauernmalern Emil Fässler und Markus Fischli gezeigt. Diese bestärkten ihn darin, seinen Weg zu gehen. Er hat die Meister zwar bewundert, wollte aber immer einen eigenen Stil entwickeln. Noch heute lagern in seinem Haus 20 Bilder aus der Anfangszeit. «Ich kann sie nicht mehr anschauen, sie haben noch keinen richtigen Ausdruck», sagt er. Trotzdem gebe es Kollegen, die unbedingt ein Exemplar kaufen wollten, wundert sich Mettler.

Vernissage heute um 19 Uhr im Parterre des Spitals Appenzell. Die Ausstellung dauert bis zum 2. Juni.