Der Christbaum-Funken

Morgen Sonntag wird Gidio Hosestoss auf dem Ebnet verbrannt. Ehe die Flammen erstmals an seine Füsse züngeln, sind zahlreiche Vorarbeiten nötig. Eine Reportage von Bruno Eisenhut.

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...Schwartenbrettern bedecken.

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HERISAU. Ihren wichtigsten Auftritt hatten sie im vergangenen Dezember. Noch steht ihnen ein zweiter – ganz gewiss aber letzter – Einsatz bevor. Die Rede ist von den Christbäumen, die einstweilen in den Herisauer Stuben für staunende Kinderaugen gesorgt haben.

Ein stattlicher Haufen Bäume liegt auf dem Werkhof Chammerholz in Herisau bereit – allesamt eingesammelt durch die Gemeindearbeiter. Zwei Tage vor dem Funkensonntag verladen Mitarbeiter des Herisauer Gartenbauamts die Bäume auf den Anhänger eines Lastwagens. Aus jeder vollen Kranzange rieseln die Nadeln zu Tausenden zu Boden. Wahrlich, die Christbäume haben ihre besten Zeiten hinter sich. Ihr Schicksal, als Brennmaterial den Gidiofunken zum Leuchten zu bringen, erfüllen sie dennoch.

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Fuhrenweise wurden die Christbäume gestern auf den späteren Schauplatz auf dem Herisauer Ebnet gekarrt. Dort haben die Mannen der Feuerwehr mit einer Holzstange den Mittelpunkt des Funkens festgelegt; die Christbäume werden reihum um die Stange aufeinander gebeigt. Es seien weniger Bäume als in anderen Jahren, stellen die Männer während des Aufschichtens fest. Aber dies hängt wohl damit zusammen, dass vermehrt künstliche Bäume die Stuben zieren, ergänzt einer der Männer verbunden mit einem Lachen. Die Vorbereitung rund um den Funken ist für die Gemeindemitarbeiter inzwischen abgeschlossen. Heute Samstag übernehmen die Männer der Feuerwehr.

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17 Personen werden es sein, die dafür sorgen, dass Gidio Hosestoss würdig verbrannt werden kann. Es sind Mannen aus der Feuerwehr und der Alten Garde, die schon seit einigen Tagen mit dem Funken und dem Rundherum beschäftigt sind. Drei Personen sind zuständig für die Gidiopuppe. Diese wird nach alter Sitte gestopft. Keine Experimente, keine neuen Versuche. So wie immer soll der Gidio vorbereitet werden – das Leckerli im Mund nicht zu vergessen. Danebst existiert die Funkenmannschaft. Ihr obliegt die Verantwortung für den Aufbau des Haufens. Mit Schwartenbrettern werden die Christbäume abgedeckt und der Haufen in seine endgültige Form gebracht. Andere Holzabschnitte oder gar Abfälle haben im Haufen nichts verloren. «Wir beigen auf, was wir von der Gemeinde geliefert bekommen, erklärt Beat Metzger von der Funkenmannschaft. «Und dies sind Christbäume und Schwartenbretter.» Nicht mehr und nicht weniger, basta. Die Funkenmannschaft sorgt nebst dem Aufbau auch für den Abbrand und die Brandwache.

Eine dritte Gruppe ist für die Verpflegung verantwortlich. Rund um den Funken sollen sich keine hungrigen und durstigen Mäuler aufhalten müssen. Mit Wienerli oder Punsch wird also auch für das leibliche Wohl gesorgt.

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Zum Abschluss der Vorarbeiten – sozusagen als Krönung der Vorbereitung – wird am Sonntag um 17 Uhr die Gidiopuppe mit Hilfe einer Drehleiter zuoberst an der Stange festgemacht. Knapp zwei Stunden später wird um 18.45 Uhr das Feuer entfacht.

Wenn der Funken dann gleichmässig abbrennt und keine Gefahr für Mensch und Umgebung entsteht, haben die 17 Männer der Feuerwehr ihren Job richtig gemacht. Und wenn die letzten Fasnachtskracher in der dunklen Herisauer Nacht verhallt sind, die kostümierte Trauergesellschaft sich langsam vom Ebnet auf den Heimweg macht, dann werden die 17 Feuerwehrleute zufrieden sein.