Datenschutz im Supermarkt

Brosmete

Felix Merz
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«Schatz, was meinst du? Ich glaube, damit könntest du deine Fusswarzen behandeln», sagt sie zu mir in beachtlicher Lautstärke. Ich stehe neben ihr und begutachte die neueste Fusscreme für «die Entspannung von stark beanspruchten Füssen». Die junge Dame glaubt offensichtlich, ihr Partner stehe neben ihr, der es vorzieht, bei den Weinen oder an der Fleischtheke zu stöbern, anstatt sich mit seiner Fusspflege zu beschäftigen. Ich sehe die junge Dame an und werde einmal mehr neidisch, denn sie praktiziert einwandfreies Multitasking. Da haben die Frauen uns Männern einiges voraus. Wie sie es beim Einkauf oft tun, wenn sie mit der einen Hand etwas aus dem Gestell nehmen, mit der anderen gleichzeitig weitersuchen und den Kopf nochmals in eine andere Richtung strecken.

Da steht sie also, leicht nach vorne gebeugt und voll bepackt beim Kosmetikgestell im Supermarkt und sagt leicht genervt in meine Richtung: «Schatz?» «Es tut mir leid, ich möchte bloss meine Füsse entspannen», sage ich möglichst unaufgeregt zu ihr. Wie von der Tarantel gestochen dreht sie sich zu mir. «Oh, ich, ähh …». In die ganze Verwirrung kommt sein grosser Auftritt: Er schlendert mit Chips und Bier bepackt um die Ecke. Natürlich muss ich ihn mustern und zwar von Kopf bis eben zu seinen Füssen. Das ist halt menschlich. «So, so, die Warzen überlässt du deiner Frau, das Bier trinkst du alleine», denk ich mir, währenddessen sie ihm ihr Malheur gesteht. Das hätte sie besser sein lassen, denn am Ende waren wir alle rot im Gesicht. Er wegen seiner Warzen, sie wegen mir und ich wegen des kleinen Geheimnisses. Alle Welt spricht von Datenschutz im Internet, dabei sind die grössten Lecks im Supermarkt zu finden. Meine Lehre: Sei vorsichtig mit persönlichen Daten. Egal wann und egal wo.

Felix Merz